Berthold Auerbach (1812–1882)

44 Sprüche Romantik

Der Trauernde ist ein Kranker. Man wird leicht gegen einen Trauernden wie gegen einen Kranken unwillig und ungerecht.

Auerbach, Tausend Gedanken des Collaborators. Aphorismen, 1875

Die Pfahlwurzel der Freundschaft ist die gemeinsame Liebe zur Wahrheit.

Auerbach, Tausend Gedanken des Collaborators. Aphorismen, 1875

Heimisch in der Welt wird man nur durch Arbeit. Wer nicht arbeitet, ist heimatlos.

Auerbach, Das Landhaus am Rhein. Roman, 5 Bde., 1869

Nicht die Freude, nicht die Ruhe ist Lebenszweck, Arbeit ist es, oder es gibt überhaupt keinen Zweck.

Auerbach, Auf der Höhe. Roman, 1865

Arbeit und Liebe, das ist Leib und Seele des Menschendaseins. Glückselig, wo sie eins ist.

Auerbach, Auf der Höhe. Roman, 1865

Es kann kein Mensch dem andern etwas vollkommen recht machen, aber dankbar kann man doch sein. Und Dank ist ein Boden, auf dem die Freude gedeiht.

Auerbach, Auf der Höhe. Roman, 1865

Man muß freie, einfache Gedanken des Lichtes täglich wiederholen, wie die Sonne täglich aufgeht und die Nacht verscheucht.

Auerbach, Tausend Gedanken des Collaborators. Aphorismen, 1875

Manche Gedanken sind wie ungespaltenes Holz. Wer den geeigneten Ofen hat, kann damit heizen. Andere müssen spalten und manche müssen die wärmehaltenden Scheite liegen lassen und derweil frieren.

Auerbach, Tausend Gedanken des Collaborators. Aphorismen, 1875

Alle Religionen sind schön, die uns zu guten Menschen machen.

Auerbach, Auf der Höhe. Roman, 1865

In großen Zeiten verschwindet alles kleine Leid und alle Einzelklage um eigenes Schicksal.

Auerbach, Waldfried. Eine vaterländische Familiengeschichte in sechs Büchern. Roman, 3 Bde., 1874

Wenn man verheiratet ist, ist's aus und vorbei mit dem Eigenwillen.

Auerbach, Landolin von Reutershöfen. Roman, 1878

Wo die eigene Kraft dich verläßt und zur Neige ist, wo du nicht mehr fassen, wirken und schaffen kannst, da fügen sich die Hände still in einander, und dieses Sinnbild spricht: ich kann nicht mehr, waltet ihr, ihr ewigen Mächte!

Auerbach, Sämtliche Schwarzwälder Dorfgeschichten, entstanden 1842-80 (diverse Einzeldrucke), 10 Bde., 1884. Vierter Band. Lucifer. Wie endet der Sonntag!

Nicht bloß um graue Locken schwebt die Glorie der innern Befreiung von Eigensucht; die Milde mögt ihr da wohl öfter finden, aber oft nicht mehr jenen lebendigen Feuereifer für die Menschheit.

Auerbach, Sämtliche Schwarzwälder Dorfgeschichten, entstanden 1842-80 (diverse Einzeldrucke), 10 Bde., 1884. Dritter Band. 1. Sträflinge. Ein Sonntagmorgen

Es ist doch nur Ein Gott, der die Sonne scheinen und die Bäume wachsen läßt, und er weiß doch wie es gemeint ist, ob man so oder so zu ihm betet.

Auerbach, Sämtliche Schwarzwälder Dorfgeschichten, entstanden 1842-80 (diverse Einzeldrucke), 10 Bde., 1884. Sechster Band. Brosi und Moni, 18. Kapitel

Die Wahrhaftigkeit ist jene Mutter Erde, auf der feststehend der ringende Geist nicht zu besiegen und niederzuwerfen ist.

Auerbach, Das Landhaus am Rhein. Roman, 5 Bde., 1869

Man kann, solange die Seele arbeitet, sich nicht an längst Vollbrachtem vergnügen.

Auerbach, Sämtliche Schwarzwälder Dorfgeschichten, entstanden 1842-80 (diverse Einzeldrucke), 10 Bde., 1884. Neunter Band. Des Lorles Reinhard, 1876

Es gibt Menschen, die nur Regen und Sonnenschein kennen und haben. Es gibt aber auch Seelen voll taubildender Kraft – das sind die stillen, in sich reichen, triebkräftigen, die mehr innerlich als äußerlich erleben.

Auerbach, Auf der Höhe. Roman, 1865

Ein gesundes Menschengemüt und ein gesunder Baum werden durch Sturm nicht geknickt, sondern – wenn nur erst der Stamm widerstandskräftig ist – noch wurzeltiefer und wurzelfester.

Auerbach, Sämtliche Schwarzwälder Dorfgeschichten, entstanden 1842-80 (diverse Einzeldrucke), 10 Bde., 1884. Zehnter Band. Nach dreißig Jahren. III. Das Nest an der Bahn. 1. Kapitel

Wenn der Strom niederer wird, sieht man erst, an wie viel Stellen er seicht war. Menschenseelen und Ströme, die ihren Zufluß nicht aus inneren tiefen Quellen, sondern eben nur von außen haben, vom Regen, vom Schneeschmelzen, von Tagesereignissen und Lektüre, sind sehr leicht in ihrer Seichtigkeit und Veränderlichkeit erkennbar.

Auerbach, Tausend Gedanken des Collaborators. Aphorismen, 1875

Innige Naturen glauben immer, sich selbst und der Welt nicht genug tun zu können; sie möchten zu jeder Stunde, mit jedem Atemzug ein Glück schaffen, einen hohen Gedanken in der Welt befestigen.

Auerbach, Auf der Höhe. Roman, 1865

Der Krieg wäre das volle Chaos, wenn der einzelne Heerführer sich in die Kollision der Pflichten versetzen ließe, Humanität und rücksichtslose Notwendigkeit zu vereinbaren suchte in großen Entscheidungen; dem unbeugsamen militärischen Gesetze muß der Soldat sich selber und andere beugen.

Auerbach, Wieder unser. Gedenkblätter zur Geschichte dieser Tage, 1871