Charles Baudelaire (1821–1867)

37 Sprüche Romantik

Es ist gut, die Glücklichen dieser Welt hin und wieder wissen zu lassen, und wäre es auch nur, um ihren törichten Hochmut ein wenig zu schmälern, dass es ein höheres Glück gibt als das ihre, umfassender und erlesener.

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Liebe ist so ungefährlich wie ein Löffel Salzsäure auf nüchternen Magen.

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Was die Liebe so lästig macht, ist der Umstand, daß sie ein Verbrechen ist, das man nicht ohne Komplizen begehen kann.

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Immer liebt man nur das Land, in dem man nicht lebt, immer die Frau, die man nicht kennt.

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Die Liebe ist das Bedürfnis, aus sich herauszugehen.

Baudelaire, Kritische und nachgelassene Schriften, hg. von Franz Blei 1925

Die Liebe zu einer intelligenten Frau ist ein Päderastenvergnügen.

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Das Irritierende an der Liebe ist, dass es sich dabei um ein Verbrechen handelt, das einen Komplizen erfordert.

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Die Liebe ist der Hang zur Prostitution. Ja, es gibt keinen edlen Genuß, der nicht auf die Prostitution zurückgeführt werden könnte.

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Wer über die Geliebte im Liebesrausch sich neigt, gleicht einem Sterbenden, der meist sein Grab liebkost.

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An eine, die vorüberging Der Straßenlärm betäubend zu mir drang. In großer Trauer, schlank, von Schmerz gestrafft, Schritt eine Frau vorbei, die mit der Hand gerafft Den Saum des Kleides hob, der glockig schwang; Anmutig, wie gemeißelt war das Bein. Und ich, erstarrt, wie außer mich gebracht, Vom Himmel ihrer Augen, wo ein Sturm erwacht, Sog Süße, die betört, und Lust, die tötet, ein. Ein Blitz … dann Nacht! – Du Schöne, mir verloren, Durch deren Blick ich jählings neu geboren, Werd in der Ewigkeit ich dich erst wiedersehn? Woanders, weit von hier! zu spät! soll's nie geschehn? Dein Ziel ist mir und dir das meine unbekannt, Dich hätte ich geliebt, und du hast es geahnt!

Baudelaire, Gedichte. Die Blumen des Bösen (Les fleurs du mal), 1857-66. Nach der Übers. von Wolf v. Kalckreuth, Insel-Verlag, Leipzig 1907. Originaltext der Übersetzung

Das Leben hat nur einen wirklichen Charme: Das Spiel. Aber wenn es einem gleichgültig ist, zu verlieren oder zu gewinnen?

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Wenn sich ein Mensch ins Bett legt, haben fast alle seine Freunde den heimlichen Wunsch, ihn sterben zu sehen; die einen um festzustellen, daß seine Gesundheit schwächer war als die ihrige; die anderen in der uneigennützigen Hoffnung, eine Agonie zu studieren.

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Anständige Menschen zeigen oft ein bißchen Feigheit, eine kleine Schwäche. Nur Schurken sind vom Erfolg überzeugt. Und deswegen haben sie Erfolg.

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Bei genauem Hinsehen zeigt sich, daß Arbeit weit weniger geisttötend ist als Amüsement.

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Es gibt keine langwierige Arbeit, ausgenommen die, mit der du nicht zu beginnen wagst.

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Dieses gemeinsame Interesse veranlaßt alle, auf Verbesserung, Vereinfachung und Beschleunigung des Arbeitsprozesses zu sinnen.

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Man muß arbeiten, wenn nicht aus Lust an der Arbeit, dann aus Verzweiflung, denn, wenn man es recht bedenkt, ist die Arbeit doch schließlich weniger langweilig als das Vergnügen.

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In jeder Minute zermalmt uns die Vorstellung und die Empfindung der Zeit. Es gibt nur zwei Mittel, diesem Alpdruck zu entrinnen - ihn zu vergessen: das Vergnügen und die Arbeit. Das Vergnügen verbraucht uns, die Arbeit kräftigt uns. Wähle. Je mehr wir uns eines dieser Mittel bedienen, um so stärker widert uns das andere an. Nur indem man sich dieser Mittel bedient, kann man die Zeit vergessen.

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Wenn du alle Tage arbeitetest, wäre dir dein Leben erträglicher.

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Das Vergnügen verbraucht uns. Die Arbeit kräftigt uns. Wähle.

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Je mehr man arbeitet, desto besser arbeitet man, und desto mehr will man arbeiten. Je mehr man hervorbringt, desto fruchtbarer wird man.

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