Franz Grillparzer (1791–1872)

60 Sprüche Klassik

Gescheit gedacht und dumm gehandelt, so bin ich mein’ Tage durchs Leben gewandelt.

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Leben ist doch des Lebens höchstes Ziel.

Grillparzer, Sappho. Trauerspiel in fünf Aufzügen, 1819

... um selig einst zu sterben, Denkt bei allem mir ans Ende! Doch, wollt Ihr, ein Tücht'ger leben, So erwägt und prüft den Anfang; Denn das Ende kommt von selber.

Grillparzer, Der Traum ein Leben, 1840

Ein töricht Wesen dünkt mich der Mensch, Treibt dahin auf den Wogen der Zeit, Endlos geschleudert auf und nieder, Und wie er ein Fleckchen Grün erspäht, Gebildet von Schlamm und stockendem Moor Und der Verwesung grünlichem Moder, Ruft er: Land! und rudert d'rauf hin, Und besteigt's – und sinkt – und sinkt – Und wird nicht mehr gesehn.

Grillparzer, Das goldene Vließ. Dramatisches Gedicht in drei Abteilungen (Der Gastfreund, Die Argonauten, Medea), 1819

An einen Biographen Der Zeit vorzugreifen ist jetzt Mode; Sonst seziert man die Leute erst nach dem Tode.

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Nur die Gefahr kann einen Freund bewähren, Die Außenseite trügt.

Grillparzer, F., Gedichte. Aus dem Gedicht »Die beiden Hunde«

Was man an Nebensachen verschwendet, wird immer der Hauptsache entzogen.

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Schilt mich nicht arbeitsscheu und träge, Weil ich zu Werke schwer mich rege; Dem Manne gleich ich ganz und gar, Der Tonnen Goldes schuldig war, Das Ganze konnt er ab nicht tragen, Was sollt' er sich um Groschen plagen!

Grillparzer, Tagebuchblätter. 8. April 1826, in seinen Geheimschriften

Der Mensch ist immer von Gott, aber die Zeit ist des Teufels.

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Wer in der Zeit immer nur das Alte sieht, ist ein Pedant. Wer in ihr nur neues erblickt, ist ein Dummkopf.

Grillparzer, Studien zur Philosophie und Religion

Fortschritt Die Zeit, sie eilt so schnell voraus, Und ich, ich blieb zurück. Ich schäme mich! Was kommt heraus? Es bleibt ein Mißgeschick. Doch stürmt sie hin unbändig jach, Kaum reicht so fern mein Blick; Die Bahngenossen stürmen nach, Und ich, ich blieb zurück. Vielleicht kehrt wieder sie des Wegs; Laßt sitzen mich am Stein! Vielleicht – hat sie sich müd' gerannt – Hol' ich sie doch noch ein. Der Gang der Welt ist nicht so rasch, Als Torheit meint und spricht; Man weiß wohl: Flügel hat die Zeit, Die Zeiten aber nicht.

Grillparzer, F., Gedichte. Entstanden 1839

Man weiß wohl: Flügel hat die Zeit, Die Zeiten aber nicht.

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Ich will heut für heute sorgen, Morgen ist für morgen Zeit.

Grillparzer, F., Gedichte. In ein Stammbuch

Eine frohe Hoffnung ist mehr wert als zehn trockene Wirklichkeiten.

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Hoffnung und Erinnerung sind Rosen, von einem Stamme mit der Wirklichkeit, nur ohne Dornen.

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Wer sich ganz dem Dank entzieht, der erniedrigt den beschenkten Freund, indem er sich erhebt.

Grillparzer, Die Ahnfrau, 1817. 1. Aufzug, Graf

Unsere Neigungen, Gedanken, scheinen gleich sie ohne Schranken, gehn sie doch wie die Rinderherde, eines in des andern Tritt. Drum, bei allem, was ihr macht, sei der Anfang reif bedacht.

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Du denkst und denkst, wir wollen gern dir's danken; Doch gib dein Denken nicht, nein, gib Gedanken!

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Die Irreligiösen sind religiöser, als sie es selbst wissen, und die Religiösen sind's weniger, als sie meinen.

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Unsere neueste Religion Ist das Scheitern der Spekulation, Wenn die Denkwirtschaft nicht weiter geht, Macht sie Konkurs als Religiosität.

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Was mir an deinem System am besten gefällt? Es ist so unverständlich wie die Welt.

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