Tag meines Lebens! die Sonne sinkt. Schon steht die glatte Flut vergüldet. Warm atmet der Fels: schlief wohl zu Mittag das Glück auf ihm seinen Mittagsschlaf? – In grünen Lichtern spielt Glück noch der braune Abgrund herauf. Tag meines Lebens! gen Abend gehts! Schon glüht dein Auge halbgebrochen, schon quillt deines Taus Tränengeträufel, schon läuft still über weiße Meere deiner Liebe Purpur, deine letzte zögernde Seligkeit.
Es gibt in der Welt einen einzigen Weg, auf welchem niemand gehen kann, außer dir: wohin er führt? Frage nicht, gehe ihn.
Dieses Leben, welches jedem von uns zuruft: „Sei ein Mann und folge mir nicht nach, — sondern dir! Sondern dir!“
Was uns das Leben verspricht, das wollen wir – dem Leben halten!
Meine Lehre sagt: So leben, dass du wünschen musst, wieder zu leben ist die Aufgabe — du wirst es jedenfalls!
Die meisten Menschen sind offenbar zufällig auf der Welt: es zeigt sich keine Notwendigkeit höherer Art in ihnen.
Ach, Freund, was für ein tolles, verschwiegenes Leben lebe ich! So allein, allein!
Die ewige Sanduhr des Daseins wird immer wieder umgedreht — und du mit ihr, Stäubchen vom Staube!
Den schlimmsten Einwand ich verbarg ihn euch – das Leben wird langweilig: Werft es weg, damit es euch wieder schmackhaft wird!
Denn du glaubst nicht, wie viel Tage und wie viel Stunden selbst an erträglichen Tagen – überstanden werden müssen…
Der Mensch, welcher nicht zur Masse gehören will, braucht nur aufzuhören, gegen sich bequem zu sein; er folge seinem Gewissen, welches ihm zuruft: »Sei du selbst! Das bist du alles nicht, was du jetzt tust, meinst, begehrst.«
Es kommt wohl für jeden eine Stunde, wo er mit Verwunderung vor sich selbst fragt: Wie lebt man nur! Und man lebt doch!
An der Forderung, daß das Große ewig sein soll, entzündet sich der furchtbare Kampf der Kultur; denn alles andere, was noch lebt, ruft nein!
Will man einen Freund haben, so muss man auch für ihn Krieg führen wollen: und um Krieg zu führen, muss man Feind sein können.
Mitfreude, nicht Mitleiden, macht den Freund.
Wer sich als Einsiedler zu fühlen gewöhnt hat, wer mit kalten Blicken durch alle die gesellschaftlichen und kameradschaftlichen Verbindungen hindurchsieht und die winzigen und zwirnfädigen Bändchen merkt, die Mensch an Menschen knüpfen, Bändchen so fest, daß ein Windhäuchchen sie zerbläst: wer dazu die Einsicht hat, daß nicht die Flamme des Genies ihn zum Einsiedler macht, jene Flamme, aus deren Lichtkreis alles flieht, weil es von ihr beleuchtet so totentanzmäßig so narrenhaft, spindeldürr und eitel erscheint: nein wer einsam ist vermöge einer Naturmarotte, vermöge einer seltsam gebrauten Mischung von Wünschen, Talenten und Willensstrebungen, der weiß, welch „ein unbegreiflich hohes Wunder“ ein Freund ist; und wenn er ein Götzendiener ist, so muß er vor allem „dem unbekannten Gotte, der den Freund schuf“ einen Altar errichten.
Von Zeit zu Zeit muss man sich, durch den Umgang mit guten und kräftigeren Menschen gewissermaßen neu einbinden lassen, sonst verliert man einzelne Blätter und fällt mutlos immer mehr auseinander.
Wenn wir uns stark verwandeln, dann werden unsere Freunde, die nicht verwandelten, zu Gespenstern unserer eigenen Vergangenheit: ihre Stimme tönt schattenhaft-schauerlich zu uns heran — als ob wir uns selber hörten, aber jünger, härter, ungereifter.
Der Freund sei euch das Fest der Erde und ein Vorgefühl des Übermenschen.
Bist du reine Luft und Einsamkeit und Brot und Arznei deinem Freunde?
Aber sagt mir, ihr Männer, wer von euch ist denn fähig der Freundschaft? Oh über eure Armut, ihr Männer, und euren Geiz der Seele!