Der Kampf um's Dasein Es wandelt der Neuzeit gewaltiger Fortschritt In oft viel Staub aufwirbelndem Wortschritt, Wobei Mancher die kühnsten Sprünge wagt, Ohne selbst recht zu wissen, was er sagt. "Der Kampf um's Dasein" heißt die Phrase Als Schlagwort der neuen Erkenntnisphase, Und wirklich ist, wie man's erkor, Dies Wort ein Schlag auf's deutsche Ohr, Der das Gehör gleich wirksam dämpft Beim Eingang zur Erkenntnispforte. Wer hat um's Dasein je gekämpft? Zu welcher Zeit? An welchem Orte? Bewußtlos ward es uns gegeben Mit unserm ersten Atemzug. Wir kämpften nur, umfortzuleben. Und Mancher hat gar bald genug An diesem Kampf, und sucht der Zuchtwahl, Samt den Gesetzen der Vererbung Und alles Erdenglücks Erwerbung, Sich zu entziehn durch freie Fluchtwahl Aus dieser Kampfeswelt, die schmerzlos Niemand betritt und niemand flieht, Und wo nur glücklich ist, wer herzlos Auf all' das Elend um sich sieht.
Wie nutzlos, durch dieses Leben zu wandern, Wär's nicht die Brücke zu einem andern!
Wer seine Freunde im Tode nicht ehrt, ist ihrer im Leben nicht wert gewesen.
Wem der Himmel keinen Freund beschert, Weh ihm! der Mann ist keines Grußes wert!
Den Wert echter Freundschaft, die so selten vorkommt, lernt man erst im Alter schätzen. Die Jugend hat keinen Begriff davon.
Der Weise kann des Mächtigen Gunst entbehren, Doch nicht der Mächtige des Weisen Lehren.
Der Weise muß zu den Toren gehn, Sonst würde die Weisheit verloren gehn, Da Toren nie zum Weisen kommen.
Der weise Mann ist selten klug Und der kluge selten weise.
Der Weise nennt mit Ehrfurcht Gottes Namen, Er weiß, daß er das Wesen nicht erfaßt; Der Tor malt Gottes Bild wie es zum Rahmen Des engen Torenhirnes paßt.
Wer Weisheit übt, legt andern keinen Zwang auf.
Denn wenig Gutes hört man in den Schulen Von Weisen, die um Gunst der Mächtigen buhlen: Doch stehn mit goldner Schrift im Buch der Ehren Die Fürsten, die befolgten weise Lehren.
Wer Weisheit nur aus Büchern lernt Und selbst nicht weise denkt und lebt, Wird immer mehr von ihr entfernt Je mehr er ihr zu nahen strebt. Das Leben soll die Erde sein, Darin die Weisheit Wurzel schlägt, Und pflanzt ihr hier den Kern nicht ein, Wächst euch kein Baum, der Früchte trägt!
Nur eine Weisheit führt zum Ziele, Doch ihrer Sprüche gibt es viele.
Gar mancher kommt trotz vielem Lesen Mit dem Verständnis in die Brüche: Wohl hat er die Sprüche der Weisheit gelesen, Doch nicht verstanden die Weisheit der Sprüche.
Wer ernstlich wirkt und schafft, ist stets bereit Auch andern gern mit Rat und Tat zu dienen.
Arbeit, edle Himmelsgabe, Zu der Menschen Heil erkoren, Nie bleibt ohne Trost und Labe, Wer sich deinem Dienst geschworen. Dir entspringt der Weisen Labe, Und dich meiden nur die Toren; Ungestützt von deinem Stabe, Ach, wie oft wär' ich verloren! Laß mich, edle Himmelsgabe, Treu dir bleiben bis zum Grabe!
Geh' so stille du magst deine Wege, Es drückt dir die Zeit ihr Gepräge, Es drückt ihr Gepräge die Welt Auf dein Antlitz, wie Fürsten auf's Geld.
Sprich nicht von Zeit, spricht nicht von Raum, Denn Raum und Zeit sind nur ein Traum, Ein schwerer Traum, den nur vergißt, Wer durch die Liebe glücklich ist.
…schlägt die Zeit auch schlimme Wunden, Das Herz trotzt ihrer Allgewalt.
Nichts auf Erden darf uns die Hoffnung rauben, und es gibt keinen Fluch, den der Himmel nicht in Segen verwandeln könnte.
Such' keine Weisheit und Erfahrung In alter Bücher Staub vertieft – Die allerbeste Offenbarung Ist: die aus erster Quelle trieft!