Georg Christoph Lichtenberg (1742–1799)

120 Sprüche Aufklärung

Der Weisheit erster Schritt ist: Alles anzuklagen, Der letzte: sich mit Allem zu vertragen.

Lichtenberg, Sudelbuch L, 1796-1799. [L 2]

So wie der Mensch unabläßlich vor Alter stirbt, so werden andere Sachen unabläßlich durch Alter gut. Es geht mit unserer Weisheit nicht besser.

Lichtenberg, Sudelbuch L, 1796-1799. [L 747]

Alles was also der eigentlich weise Mensch tun kann, ist, alles zu einem guten Zweck zu leiten und dennoch die Menschen zu nehmen, wie sie sind.

Lichtenberg, G. C., Briefe. An Ludwig Christian Lichtenberg, 18. Februar 1799

"Wise" ist ein Schimpfwort im Englischen, "he is a wise one" heißt so viel als er ist ein einfältiger Pinsel.

Lichtenberg, Sudelbuch E, 1775-1776. [E 183]

Man ist nur gar zu sehr geneigt zu glauben, wenn man etwas Talent besitzt, arbeiten müßte einem leicht werden. Greife dich immer an, Mensch, wenn du etwas Großes tun willst.

Lichtenberg, Sudelbuch D, 1773-1775. [D 46]

Wenn man einmal eine Arbeit vor hat, so ist es gut bei der Ausführung nicht das Ganze sich vorzustellen, dieses hat bei mir wenigstens viel Niederschlagendes, sondern man arbeite grade an dem was man vor sich hat und das klar, alsdann gehe man an das nächste.

Lichtenberg, Sudelbuch F, 1776-1779. [F 188]

Wenn man nun einmal in der Welt anfangen wollte, das bloß Nötige zu tun, so müßten Millionen Hungers sterben.

Lichtenberg, Sudelbuch C, 1772-1773. [C 370]

Zeit urbar machen.

Lichtenberg, Sudelbuch C, 1772-1773. [C 245]

Es ist eine ganz bekannte Sache, daß die Viertel-Stündchengrößer sind, als die Viertelstunden.

Lichtenberg, Sudelbuch L, 1796-1799. [L 417]

Der Verlust von Zeit ist noch wichtiger als der vom Geld, denn durch richtigen Gebrauch der erstern kann der Verlust des letztern oft wieder ersetzt werden.

Lichtenberg, Vermischte Schriften; Neue vermehrte, von dessen Söhnen veranstaltete Original-Ausgabe, 8 Bde., 1844-53. Kleine Haustafeln über die Verwendung von Geld und Zeit (Göttinger Taschenkalender 1786)

Es ist kaum glaublich, wie nachlässig die Menschen mit der Zeit umgehen.

Lichtenberg, Vermischte Schriften; Neue vermehrte, von dessen Söhnen veranstaltete Original-Ausgabe, 8 Bde., 1844-53. Kleine Haustafeln über die Verwendung von Geld und Zeit (Göttinger Taschenkalender 1786)

Wenn einem zum Tod Verurteilten eine Stunde geschenkt wird, so ist sie ein Leben wert.

Lichtenberg, Sudelbuch F, 1776-1779. [F 1163]

Bemühe dich, nicht unter deiner Zeit zu sein.

Lichtenberg, Sudelbuch D, 1773-1775. [D 474]

Die Sand-Uhren erinnern nicht bloß an die schnelle Flucht der Zeit, sondern auch zugleich an den Staub in welchen wir einst verfallen werden.

Lichtenberg, Sudelbuch C, 1772-1773. [C 27]

Das war, wie die Zeit noch keinen Bart hatte.

Lichtenberg, Sudelbuch F, 1776-1779. [F 342]

Erfahrung, nicht lesen und hören ist die Sache. Es ist nicht einerlei, ob eine Idee durch das Auge oder das Ohr in die Seele kommt.

Lichtenberg, Sudelbuch F, 1776-1779. [F 288]

Den Mann nenne ich groß, der viel gedacht und gelesen und erfahren hat und der alles, was er gedacht, gelesen und erfahren hat bei jeder Sache die er unternimmt, also auch bei jedem Buch das er schreibt, vereint zum besten Zweck anzuwenden weiß, alles so anschaulich darzustellen, daß jeder sehen muß, was er selbst gesehen hat.

Lichtenberg, Sudelbuch J, 1789-1794. [J 1559]

Das Alter (Zahl der Jahre) macht klug, das ist wahr, dieses heißt aber nichts weiter als Erfahrung macht klug. Hingegen Klugheit macht alt (das heißt Reue, Ehrgeiz, Ärger macht die Backen einfallen, die Haare grau und ausfallen) ist nicht minder wahr.

Lichtenberg, Sudelbuch J, 1789-1794. [J 48]

Lieber Freund, du kleidest deine Gedanken so sonderbar, daß sie nicht mehr aussehen wie Gedanken.

Lichtenberg, Sudelbuch B, 1768-1771. [B 346]

Manche Köpfe tragen keine Früchte, wenn sie nicht wie Hyazinthenzwiebeln über Bouteillenhälsen stehen. Der Feige holt da seinen Mut, der Schüchterne Vertrauen auf eigne Kraft und der Elende Trost hervor.

Lichtenberg, Sudelbuch K, 1793-1796. [K 127]

Ich warf allerlei Gedanken im Kopf herum bis endlich folgender obenhin zu liegen kam.

Lichtenberg, Sudelbuch B, 1768-1771. [B 394]