Gotthold Ephraim Lessing (1729–1781)

88 Sprüche Aufklärung

Das verdammte Glück! Ohne das kann man nicht einmal ein guter Spitzbube sein.

Lessing, Die Juden. Ein Lustspiel in einem Aufzuge, verfertigt 1749, Erstdruck 1754

Freylich kostet es Kunst, sich selbst zu überreden, daß man glücklich ist; aber welches Glück besteht denn auch in etwas mehr, als in unserer Ueberredung?

Lessing, G. E., Briefe. An seine Frau (Eva König), am 12. Februar 1771. Originaltext

Der Faule Rennt dem scheuen Glücke nach! Freunde, rennt euch alt und schwach! Ich nehm' Teil an eurer Müh: Die Natur gebietet sie. Ich, damit ich auch was tu, – Seh' euch in dem Lehnstuhl zu.

Lessing, G. E., Gedichte. Lieder, Ausgabe 1771

Aber muß man nicht oft unbedachtsam handeln, wenn man das Glück anreizen will, etwas für uns zu tun?

Lessing, G. E., Briefe. Friedrich Nicolai / Moses Mendelssohn. Briefwechsel über das Trauerspiel. Lessing an Friedrich Nicolai und Moses Mendelssohn, 29. März 1757

Nur der Pöbel wird gleich außer sich gebracht, wenn ihn das Glück einmal anlächelt.

Lessing, Miß Sara Sampson, 1755. Vierter Akt, dritter Auftritt, Mellefont

Allein die Liebe –, hat sie nicht jedes Jahrhundert eine andere Gestalt? Man hat angemerkt, daß sie in den barbarischen Zeiten ungemein bescheiden, ehrerbietig, und bis zur Schwärmerei züchtig und beständig gewesen ist; es waren die Zeiten der irrenden Ritter, in den Zeiten hingegen, in welchen sich Witz und Geschmack aus dem Bezirke der Künste und Wissenschaften bis in den Bezirk die Sitten ausgebreitet hatten, waren sie immer kühn, flatterhaft schlüpfricht, und schweiften wohl gar aus dem Gleise der Natur ein wenig aus.

Lessing, Rettungen des Horaz, 1754

Lieben kannst du, du kannst lieben; Doch verliebe dich nur nicht.

Lessing, G. E., Gedichte. Lieder. Aus: Das aufgehobene Gebot, Lysias

Wenn sie aus Liebe närrisch wird, so wäre sie es früher oder später auch ohne Liebe geworden.

Lessing, Emilia Galotti, 1772. 1. Akt, 6. Auftritt, Der Prinz

Es eifre jeder seiner unbestochnen Von Vorurteilen freien Liebe nach!

Lessing, Nathan der Weise, 1779; uraufgeführt 1783. 3. Akt, 7. Auftritt, Nathan. Originaltext

Die fürchtende Liebe sieht weit.

Lessing, Emilia Galotti, 1772

Lied aus dem Spanischen Gestern liebt ich, Heute leid ich, Morgen sterb ich: Dennoch denk ich Heut und morgen Gern an gestern.

Lessing, G. E., Gedichte. um 1780

Mensch, was bist du ohne Lieb und ohne Wein, doch bloß ein Stein.

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Gleichheit ist immer das festeste Band der Liebe.

Lessing, Minna von Barnhelm, oder das Soldatenglück, 1767. 5. Akt, 5. Auftritt, von Tellheim

Es ist kein Verbrechen, geliebet haben; noch viel weniger ist es eines, geliebet worden sein. Aber die Flatterhaftigkeit ist ein Verbrechen.

Lessing, Miß Sara Sampson, 1755. 4. Akt, 8. Auftritt, Marwood. Originaltext

Die Namen Ich fragte meine Schöne: Wie soll mein Lied dich nennen? Soll dich als Dorimene, Als Galathee, als Chloris, Als Lesbia, als Doris, Die Welt der Enkel kennen?[67] Ach! Namen sind nur Töne: Sprach meine holde Schöne. Wähl' selbst. Du kannst mich Doris, Und Galathee und Chloris, Und – wie du willst mich nennen; Nur nenne mich die Deine.

Lessing, G. E., Gedichte. Lieder, Ausgabe 1771

Man muß ganz uneigennützig lieben.

Lessing, Minna von Barnhelm, oder das Soldatenglück, 1767. 4. Akt, 6. Auftritt, das Fräulein

Die Biene Als Amor in den goldnen Zeiten Verliebt in Schläferlustbarkeiten auf bunten Blumenfeldern lief, Da stach den kleinsten von den Göttern Ein Bienchen, das in Rosenblättern, wo es sonst Honig holte, schlief. Durch diesen Stich ward Armor klüger, der unerschöpfliche Betrüger Sann einer neuen Kriegslist nach: Er lauscht in Rosen und Violen; Und kam ein Mädchen sie zu holen, Flog er als Bien heraus und stach.

Lessing, G. E., Gedichte. Lieder, Ausgabe 1771

Die Liebe Ohne Liebe Lebe, wer da kann! Wenn er auch ein Mensch schon bliebe, Bleibt er doch kein Mann. Süße Liebe, Mach mein Leben süß! Stille nie die regen Triebe Sonder Hindernis. Schmachten lassen Sei der Schönen Pflicht! Nur uns ewig schmachten lassen, Dieses sei sie nicht.

Lessing, G. E., Gedichte. Lieder, 1753

Aber so geht es den Empfindsamen! Die Liebe spielt ihnen immer die schlimmsten Streiche.

Lessing, Emilia Galotti, 1772. 1. Akt, 6. Auftritt, Marinelli

Die Vorspiele der Versöhnung Korinne schwur, mich zu vergessen: Und doch kann sie mich nicht vergessen. Wo sie mich sieht, und wo sie kann, Fängt sie auf mich zu lästern an. Doch warum tut sie das? warum erhitzt sie sich? Ich wette was, noch liebt sie mich. Ich schwur, Korinnen zu vergessen: Und doch kann ich sie nicht vergessen. Wo ich sie seh, und wo ich kann, Fang' ich mich zu entschuld'gen an. Doch warum tu ich das? und warum schweig' ich nie? Ich wette was, noch lieb' ich sie.

Lessing, G. E., Gedichte. Sinngedichte, Ausgabe 1771, [132.]

Eine Königin liebt nicht edler, als eine Bettlerin, und eine Philosophin nicht edler, als eine dumme Bauersfrau.

Lessing, Damon, oder die wahre Freundschaft. Lustspiel, 1747. 2. Auftritt, Lisette