Gotthold Ephraim Lessing (1729–1781)

88 Sprüche Aufklärung

Der Genuß So bringst du mich um meine Liebe, Unseliger Genuß? Betrübter Tag für mich! Sie zu verlieren, – meine Liebe, – Sie zu verlieren, wünscht' ich dich? Nimm sie, den Wunsch so mancher Lieder, Nimm sie zurück, die kurze Lust! Nimm sie, und gib der öden Brust, Der ewig öden Brust, die beßre Liebe wieder!

Lessing, G. E., Gedichte. Ausgabe 1771

Lebe, bis du satt geküßt und des Trinkens müde bist.

Lessing, G. E., Gedichte. Lieder, Ausgabe 1771. Aus: Der Tod

Immer in einer Sphäre und dennoch immer neu zu bleiben, ist nur das Vorrecht eines sehr großen Genies.

Lessing, G. E., Rezensionen. Geschichte d. Fräul. Elisab. Thoughtleß, 1754

Es hat Weltweise gegeben, welche das Leben für eine Strafe hielten, aber den Tod für eine Strafe zu halten, das konnte ohne Offenbarung in keines Menschen Gedanken kommen, der nur seine Vernunft brauchte.

Internet

Ein unbekannter Freund ist auch ein Freund.

Lessing, Emilia Galotti, 1772. 5. Akt, 7. Auftritt, Emilia

Wer Freunde sucht, ist sie zu finden wert, wer keinen hat, hat noch keinen begehrt.

Lessing, G. E., Gedichte. Nachlese zu Lessings Gedichten. Aus: In einem Stammbuch, 1779

Zug um Zug ist eine Regel in der Handlung, aber nicht in der Freundschaft. Handel und Wandel leidet keine Freundschaft, aber Freundschaft leidet auch keinen Handel und Wandel.

Lessing, G. E., Briefe. An Friedrich Nicolai, am 22. Oktober 1762

Wir haben, solange unser Freund hat.

Lessing, Minna von Barnhelm, oder das Soldatenglück, 1767. 3. Akt, 7. Auftritt, Werner

Was nutzt mirs, daß mein Freund mit mir gefällig weine?

Lessing, Samuel Henzi, entstanden 1749-53, Erstdruck 1753. 1. Akt, 1. Auftritt, Henzi

O ein Fürst hat keinen Freund! kann keinen Freund haben!

Lessing, Emilia Galotti, 1772. 1. Akt, 6. Auftritt, der Prinz

So schreibet unserer Freundschaft Nur gleich den Abschiedbrief!

Lessing, Nathan der Weise, 1779; uraufgeführt 1783

Die Weisheit selbst hat durch die Neugierde ihre meisten Verehrer erhalten.

Lessing, G. E., Briefe. Lessing an Moses Mendelssohn, 8. Dezember 1755

Ein weiser Mann ist gegen alles gleichgültig, gegen Lob und Tadel, gegen Schmeicheleien und Scheltworte.

Lessing, Der Schatz. Ein Lustspiel in einem Aufzuge, 1764. Maskarill

Glückselige Zeiten, als der Tugendhafteste der Gelehrteste war! als alle Weisheit in kurzen Lebensregeln bestand!

Lessing, Gedanken über die Herrnhuter, 1750

Wer gesund ist und arbeiten will, hat auf dieser Welt nichts zu fürchten.

Internet

Alle Arten, sein Brot zu verdienen, sind einem ehrlichen Manne gleich anständig; Holz spalten, oder am Ruder des Staates sitzen. Es kömmt seinem Gewissen nicht darauf an, wie viel er nützt, sondern wie viel er nützen wollte.

Lessing/Mendelssohn/Nicolai, Briefwechsel über das Trauerspiel, 1756/57. An Mendelssohn, 28. November 1756

Die Zeit, die wir haben, ist nur der Torheit gewidmet, aber diejenige, die wir hoffen, weihen wir der Weisheit.

Internet

Darf eine einzige fehlgeschlagene Hoffnung uns gegen die Welt so unversöhnlich machen?

Lessing, Emilia Galotti, 1772. Fünfter Akt, fünfter Auftritt, Hettore Gonzaga, Prinz von Guastalla

Der aus Büchern erworbene Reichtum fremder Erfahrung heißt Gelehrsamkeit. Eigene Erfahrung ist Weisheit. Das kleinste Kapital von dieser ist mehrt wert, als Millionen von jener.

Lessing, Selbstbetrachtungen und Einfälle, entstanden zwischen 1770 und 1781, Erstdruck in: Nebenstunden, Breslau 1799

Das kleinste Kapital eigener Erfahrung ist mehr wert als Millionen fremder Erfahrungen.

Internet

Meine Frau ist tot, und diese Erfahrung habe ich nun auch gemacht. Ich freue mich, daß mir viel dergleichen Erfahrungen nicht mehr übrig sein können zu machen, und ich bin ganz leicht.

Lessing, G. E., Briefe. Lessing an [Johann Joachim] Eschenburg, 10. Jenner 1778