Wer seid ihr eigentlich, daß ihr begehrt, glücklich zu sein? Laßt einmal sehen!
Wenn aber beim Elend noch ein Glück sein soll, so kann es nur ein geistiges sein, rückwärts gewandt zur Rettung der Bildung früherer Zeit, vorwärts gewandt zur heitern und unverdrossenen Vertretung des Geistes in einer Zeit die sonst gänzlich dem Stoff anheimfallen könnte.
Die Anschauung von einem Glück, welches in einem Verharren in einem bestimmten Zustand bestände, ist an sich falsch.
»Glück« ist ein entweihtes, durch gemeinen Gebrauch abgeschliffenes Wort.
Und vor allem ist die Vorstellung vom Glück als einer positiven Empfindung schon falsch, während es nur Abwesenheit des Schmerzes ist, höchstens mit einem leisen Gefühl des Wachstums verbunden.
Nyt Eiges meh Was wie-n-e Flamme-n-uf mym Scheitel rueht, Du bisch die Glueth! Was wie-n-e helli Wulke-n-um mi wallt, Du bisch die Gwalt! Und 's Morgeroth schynt dur e Rosehag, Du bisch der Tag! Und d'Sterne glänze-n-in der hellste Pracht, Und du bisch d'Nacht! Es ghört mer weder Denke, Gseh noch Thue Meh eige zue – Wer het mi au mit Allem, was i bi, Verschenkt an Di?
Die Aufgabe unseres Lebens ist, möglichst allseitig zu werden. Allseitig sein heißt aber nicht vieles wissen, sondern vieles lieben.
Man halte sich ans Neue Testament, welches immer die beste vorhandene Lösung des Daseinsrätsels gibt.
Ob man am Ende mit unsäglicher Plackerei in seinem Fache etwas genützt hat, das trägt doch wenig aus; weit besser ist es, den Geliebten lieb gewesen zu sein und nach eigener Phantasie gelebt zu haben.
Unser Leben ist ein Geschäft, das damalige [im Mittelalter] war ein Dasein; das Gesamtvolk existierte kaum, das Volkstümliche aber blühte.
Da das Geistige wie das Materielle wandelbar ist und der Wechsel der Zeiten die Formen, welche das Gewand des äußeren wie des geistigen Lebens bilden, unaufhörlich mit sich rafft, ist das Thema der Geschichte überhaupt, daß sie die zwei in sich identischen Grundrichtungen zeige und davon ausgehe, wie erstlich alles Geistige, auf welchem Gebiete es auch wahrgenommen werde, eine geschichtliche Seite habe, an welcher es als Wandlung, als Bedingtes, als vorübergehendes Moment erscheint, das in ein großes, für uns unermeßliches Ganzes aufgenommen ist, und wie zweitens alles Geschehen eine geistige Seite habe, von welcher aus es an der Unvergänglichkeit teilnimmt.
Das Leben der Menschheit ist ein Ganzes, dessen zeitliche und örtliche Schwankungen nur für unsere schwachen Organe ein Auf und Nieder, ein Heil und Unheil darstellen, in Wahrheit aber einer höhern Notwendigkeit angehören.
Die Bewegung des Lebens geschieht nicht immer durch diametrale, große Gegensätze, sondern durch eine Zersetzung hindurch. Das Leben selber bleibt stets sichtbar.
Bleiben Sie heiter! Aufrechtgehaltene ehrliche Arbeitskraft ist auch ein Gottesdienst.
Nicht jede Zeit findet ihren großen Mann, und nicht jede große Fähigkeit findet ihre Zeit. Vielleicht sind jetzt sehr große Männer vorhanden für Dinge, die nicht vorhanden sind.
Unmöglich ist es zu vergleichen, welcher Prozeß der größere gewesen: die Entstehung des Staates oder die einer Religion.
Die Religionen sind der Ausdruck des ewigen und unzerstörbaren metaphysischen Bedürfnisses der Menschennatur.
Die Weltreligionen sind es, welche die größten historischen Krisen herbeiführen.
Die protestantischen Länder wurden später [im 16. Jhdt.] Stätten der »Geistesfreiheit«, nicht weil sie protestantisch, sondern insofern sie es nicht mehr mit Eifer waren.
Die Religionen behaupten ihre Idealität am ehesten, solange sie sich gegen den Staat leidend, protestierend verhalten. [...]
Von der Bevölkerung her ist es mehr und mehr die Kultur (im weitesten Umfang des Wortes), welche an die Stelle der Religion tritt, sobald es sich darum handelt, wer den Staat bedingen soll.