Jean Paul (1763–1825)

304 Sprüche Klassik

An Weibern ist alles Herz, sogar der Kopf.

Jean Paul, Bemerkungen über uns närrische Menschen, 1783-99. Februar 1793

Der Mensch hat hier dritthalb Minuten, eine zu lächeln – eine zu seufzen – und eine halbe zu lieben; denn mitten in dieser Minute stirbt er.

Jean Paul, Hesperus oder 45 Hundsposttage. Eine Lebensbeschreibung, 3 Bde., 1795. Erstes Heftlein. 4. Hundposttag

Nie kann eine Frau vergessen zu lieben, sie möge dichten oder herrschen.

Jean Paul, Levana oder Erziehlehre, 2. Auflage 1811 (EA: 1807). Viertes Kapitel. Erziehung der Mädchen. § 100

Man liebt noch den Ort der Liebe, wenn man gegen die Person keine mehr hat.

Jean Paul, Bemerkungen über uns närrische Menschen, 1783-99. Februar 1793

Liebe ist ein Auszug aus allen Leidenschaften auf einmal.

Jean Paul, Bemerkungen über uns närrische Menschen, 1783-99. Februar 1793

Liebe ist der Lebengeist ihres Geistes, ihr Geist der Gesetze, die Springfeder ihrer Nerven.

Jean Paul, Levana oder Erziehlehre, 2. Auflage 1811 (EA: 1807). Drittes Kapitel. Natur der Mädchen. § 83

Nach einigen Minuten sagte Knebel: ›Wie sich das alles himmlisch fügt, dort kömmt Herder und seine Frau mit den zwei Kindern.‹ – Und wir gingen ihm entgegen, und unter dem freien Himmel lag ich endlich an seinem Mund und an seiner Brust, und ich konnte vor erstickender Freude kaum sprechen, und nur weinen, und Herder konnt' mich nicht satt umarmen.

Jean Paul, Briefe

Ein Herz voll Liebe kann alles vergeben, sogar Härte gegen sich, aber nicht Härte gegen andere; denn jene zu verzeihen ist Verdienst, diese aber Mitschuld.

Jean Paul, Flegeljahre, 4 Bde., 1804-1805. Viertes Bändchen. Nr. 55. Pfefferfraß

Die Schmerzen der unerhörten Liebe und die Schmerzen der Ehescheidung erinnern an die Zähne, welche wehe tun, wenn sie kommen, und wehe, wenn sie ausgezogen werden.

Jean Paul, Impromptü's, welche ich künftig in Stammbücher schreiben werde (in: Cotta'sches Taschenbuch für Damen auf das Jahr 1812), 1811

Man kann Liebe selten zu spät, immer zu bald gestehen.

Jean Paul, Bemerkungen über uns närrische Menschen, 1783-99. Februar 1793

In der Sprache der Liebe gibt es keine Pleonasmen.

Jean Paul, Bemerkungen über uns närrische Menschen, 1783-99. Jenner 1797

Weiber haben große Kräfte für, aber kleine gegen die Liebe etwas zu tun.

Jean Paul, Bemerkungen über uns närrische Menschen, 1783-99. Mai 1799

Man ist nie liebenswürdiger, als wenn man geliebt wird.

Jean Paul, Bemerkungen über den Menschen, 1803-1817. August 1811

Im Dienste der Liebesgöttin wird man leichter kahl als grau; er war schon gegen die Silberbraut moralisch-kahl.

Jean Paul, Titan, 4 Bde., 1800-1803. Dritter Band. Zwanzigste Jobelperiode. 87. Zykel

Jeder Mensch wünscht sich im Frühling zu verlieben.

Jean Paul, Bemerkungen, August 1782

Die Menschen hassen und merken in der Liebe leicht das Gefühl der Unabhängigkeit.

Jean Paul, Bemerkungen über uns närrische Menschen, 1783-99. Jenner 1797

Ich will lieber lieben, ohne geliebt zu werden – als ohne zu lieben, geliebt werden.

Jean Paul, Bemerkungen über uns närrische Menschen, 1783-99. Jenner 1797

Liebe beginnt und steigt durchaus nur an der Gegenliebe und mit ihrem wechselseitigen Erraten.

Jean Paul, Hesperus oder 45 Hundsposttage. Eine Lebensbeschreibung, 3 Bde., 1795. Zweites Heftlein. 16. Hundposttag

Nichts erkältet Liebe so leicht als Beschämung.

Jean Paul, Bemerkungen, August 1782

Die Liebe ist eine angeborne, aber verschieden ausgeteilte Kraft und Blutwärme des Herzens; es gibt kalt- und warmblütige Seelen, wie Tiere.

Jean Paul, Levana oder Erziehlehre, 2. Auflage 1811 (EA: 1807). Drittes Kapitel. Bildung zur Liebe. § 117

Man ist in der Liebe darum ungerecht, weil man den andern für vollkommen hielt.

Jean Paul, Bemerkungen über uns närrische Menschen, 1783-99. Jenner 1797