Das Los der Gesegneten liegt im Genusse höherer Erkenntnis, erweiterter Tätigkeit und Seligkeit, d. i. Gottesgemeinschaft; wofür? Für geringe Taten und gegen kleine Leiden.
Nicht auf dem Boden deiner Erde wandelst du, armer Mensch, sondern auf einem Dach deines Hauses, das durch viel Überschwemmungen erst zu dem werden konnte, was es dir jetzt ist.
Lebensbetrachtung Die Jugend ist die Zeit zu lieben, Die Mannheit Liebe auszuüben, Das Alter Zeit zu ruhn. Wer will nicht gerne Jedes thun? Sonst nichts? Das will ich.
Die Schwimmer Das Leben ist ein stürmisch Meer; Wir schweben hin, wir schweben her, Wir streben schwer durchs Leben! O Thor, so wirf die Bürden schwer, Die Sorgenbürden wirf ins Meer! Wie leichter, nacket sterben!
Zwecke des Lebens. Zur Arbeit, Lieb’ und zur Veredlung ward das Leben uns gegeben. Fehlen die, was hat der Mensch am Leben? Hat er sie, was fehlte ihm; worüber wollt’ er klagen?
Der Faden des Lebens hängt doch am Faden des Todes!
Die Abkunft. Rühme dich nicht des Stammes, von dessen Natur Du nicht mehr bist; was von dem glänzenden Feuer stammet, wird Asche genannt.
Leben ist Lebens Lohn, Gefühl sein ewiger Kampfpreis.
Wir sollen nicht in uns selbst, abgetrennt und selbstsüchtig leben, sonst sind wir falbe Herbstblätter, die in der Luft flattern, um bald am Boden ganz zu ersterben.
Überhaupt ist ein gemeinschaftliches Leben das Mark der wahren Freundschaft: Aufschluß und Teilung der Herzen, innige Freude aneinander, gemeinschaftliches Leid miteinander, Rat, Trost, Bemühung, Hilfe füreinander sind ihre Kennzeichen, ihre Süßigkeiten und innere Belohnung.
Gemeinschaftliche Gefahren endlich erwecken gemeinschaftlichen Mut: sie knüpfen also das dritte und edelste Band der Männer, die Freundschaft.
Auch in der Freundschaft ist ein Teil immer der tätige, der andere mehr beihelfend und leidend. [...] Einklang ist in dieser Ehe der Seelen weder angenehm noch nützlich, noch möglich. Konsone Töne müssen es sein, die die Melodie des Lebens und des Genusses geben, nicht unisone; sonst verliert sich die Freundschaft bald in bloße Gesellschaft.
Alles sinkt im Strom der Zeiten; Nur der Freundschaft Blume blühet Unzerstörbar auf den Wellen, Und wie schön jenseit des Stromes!
Horst. Einzeln ist der Mensch ein schwaches Wesen; aber stark in Verbindung mit andern. Faust. Einsam mühet er sich oft umsonst. Ein Blick des Freundes in sein Herz, ein Wort seines Rates, seines Trostes weitet und hebt ihm den niedrigen Himmel, rückt ihm die Decke des Trauerns hinweg.
Freundschaft Wie der Schatten früh am Morgen Ist die Freundschaft mit dem Bösen; Stund' auf Stunde nimmt sie ab. Aber Freundschaft mit dem Guten Wächset wie der Abendschatten, Bis des Lebens Sonne sinkt.
Der Weg zur Wissenschaft. Sag’ o Weiser, wodurch du zu solchem Wissen gelangtest? „Dadurch, daß ich mich nie andre zu fragen geschämt.“
Trommel und Laute Rühre die Laute nicht, wenn ringsum Trommeln erschallen; Führen Narren das Wort, schweiget der Weise still.
Könige und Weise. Weisere Männer bedürfen minder der Könige Freundschaft, als der König des Rats weiserer Männer bedarf.
Der Weise geht auf seinem Wege fort die menschliche Vernunft aufzuklären, und zuckt nur denn die Achseln, wenn andre Narren von dieser Aufklärung als einem letzten Zwecke, als einer Ewigkeit reden.
Anklagen Ein Thor, der klaget Stets and're an! Sich selbst anklaget Ein halb schon weiser Mann! Nicht sich, nicht and're klaget Der Weise an.
Der Fromme und der Weise. Werde vom Frommen ein Weiser. Der Fromme rettet sich selbst nur; aber der Weise hilft, wem und worin er es kann.