Joseph Joubert (1754–1824)

63 Sprüche Klassik

Zeiten sind für uns wie Örtlichkeiten; wir leben in der einen wie in der anderen; sie umgeben uns, sie berühren, umhüllen uns und formen uns immer durch irgendeinen Eindruck.

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Die Hoffnung ist eine Anleihe auf das Glück.

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Wir leben in einer so sonderbaren Lage, daß die Greise nicht mehr Erfahrung haben als die Jünglinge. Wir alle sind Neulinge, weil alles neu ist.

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Es gibt Gedanken, die durch sich selbst leuchten, andere, die nur glänzen durch die Stelle, an der sie stehen; man könnte sie nicht umstellen, ohne sie auszulöschen.

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Indem man die Worte sucht, stellen sich die Gedanken ein.

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Es ist schön, daß die Gedanken strahlen, aber sie dürfen nicht funkeln, oder doch nur selten. Am besten ist es, wenn sie einen Widerschein geben.

Joubert, Gedanken und Maximen, in: Die französischen Moralisten: Neue Folge. Galiani, Fürst von Ligne, Joubert, Dieterich Verlag 1940. Über Schriftstellerei und Stil

Gedanken, die uns kommen, sind besser als solche, die wir uns machen.

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Der Gedanke ist bald eine einfache Bewegung und bald eine Tat der Seele.

Joubert, Gedanken und Maximen, in: Die französischen Moralisten: Neue Folge. Galiani, Fürst von Ligne, Joubert, Dieterich Verlag 1940. Der Mensch, die Organe und die Seele

Das Beste im Menschen sind seine jungen Gefühle und seine alten Gedanken.

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Wir finden die schönsten Gedanken, wenn wir nach einem Wort suchen.

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Das Jahr ist ein Kranz aus Blumen, Ähren, Früchten und trockenen Kräutern.

Joubert, Gedanken und Maximen, in: Die französischen Moralisten: Neue Folge. Galiani, Fürst von Ligne, Joubert, Dieterich Verlag 1940. Über Weisheit, Wahrheit und Irrtum

Seine Gedanken an vorübergehende Ereignisse heften, heißt in den Sand schreiben, in die Wogen zeichnen und auf Windesflügel bauen.

Joubert, Gedanken und Maximen, in: Die französischen Moralisten: Neue Folge. Galiani, Fürst von Ligne, Joubert, Dieterich Verlag 1940. Über Sitten und Nationen

Man begreift die Erde erst, wenn man den Himmel erkannt hat. Ohne die religiöse Welt bleibt die sinnliche ein trostloses Rätsel.

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Religion ist die einzige Philosophie, die das Durchschnittshirn verstehen und annehmen kann.

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Die Religion ist die einzige Metaphysik, die das Volk imstande ist, zu verstehen und anzunehmen.

Joubert, Gedanken und Maximen, in: Die französischen Moralisten: Neue Folge. Galiani, Fürst von Ligne, Joubert, Dieterich Verlag 1940. Über Weisheit, Wahrheit und Irrtum

Die Religion verbietet, mehr zu glauben, als sie lehrt.

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Jeder ist seine eigene Parze und spinnt sich selber seine Zukunft.

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Erinnern wir uns wohl, daß Erziehung nicht bloß darin besteht, das Gedächtnis zu bereichern und das Verständnis zu erleuchten; sondern daß sie sich vor Allem mit der Richtung der Willenskraft beschäftigen soll.

Joubert, Gedanken, Versuche und Maximen, übersetzt von Franz Graf von Pocci, München 1851

Kinder gehorchen den Eltern nur, wenn sie sehen, daß diese der Regel gehorchen. – Ordnung und Regel – einmal hergestellt und anerkannt – sind die stärkste Macht.

Joubert, Gedanken, Versuche und Maximen, übersetzt von Franz Graf von Pocci, München 1851

Erziehen heißt, nicht nur den Verstand schulen, sondern den Willen leiten.

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Der Abend des Lebens bringt seine Lampe mit.

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