Wir lieben im Alter ganz noch so feurig wie in der Jugend, nur daß sich in letzterer unsere Liebe von selbst verrät, im Alter sie gesucht, entdeckt, ermutigt sein will.
Das ist die fromme Andacht der Liebe, die ihrem Heiligsten jeden Gedanken, jeden unbewachten Augenblick das Selbstgespräch der Seele widmet!
Die leidenschaftliche Liebe ist stets selbstsüchtig, was auch die Schwärmerei behaupten möge.
Lieben heißt, nur um eines einzigen Menschen willen auf Erden sein.
Die wahre Liebe ist die treue Begleiterin der Alltäglichkeit.
Es gibt nur da Liebe und Freundschaft, wo sich einer dem andern beugt! Und nicht immer der Schwache vor dem Starken – auch der Starke vor dem Schwachen.
Wird Liebe zur Leidenschaft, so ist ihr bekanntlich nichts so peinlich, als für die lodernde Flamme nicht immer neue Nahrung zu haben.
Kein Herz liebt wärmer und mit ganzer Seele hingegebener als das eines Mannes, dem sich noch einmal in den Jahren, wo wir keine Liebe mehr zu gewinnen hoffen dürfen, ein weibliches Wesen aufrichtig hinzugeben vermag.
Sei dir doch ja die Liebe kein »rätselhaftes« Gefühl. Du sollst suchen, dir klar zu machen, warum du liebst.
Der Gedanke der Trennung ist das Bindende in der Liebe. Zu besitzen ist nichts; zu verlieren ist alles.
Jedes Leben ist ein Versuch, begangene Jugendtorheiten wieder gut zu machen.
Das fühlen wir unwiderleglich, die Bestimmung des Menschen fällt nicht zusammen mit dem Zweck dieser Erde.
Ein alter Gesangbuchvers räth uns an, so zu leben, wie wir, wenn wir sterben, wünschen würden, gelebt zu haben. Man kann dem Spruch auch die Anwendung geben: Lebe mit jedem Menschen so, wie du, wenn er stirbt, wünschen würdest, mit ihm gelebt zu haben!
Was dir auch begegnen mag im Leben, es soll dir, wenn nicht alles an die Spitze des Degens, doch nichts an den Griff kommen.
Wie wenig Spur bleibt doch von einer Existenz zurück!
Nach jeder großen abgenommenen Sorge will ja das erschöpfte Herz sich wieder füllen und stärken und wie in eine große Lücke und Leere stürzt das Leben dann nur mit so ungefesselterer Gewalt.
Ja, wie wir unsere Untugenden auszuschmücken verstehen! Wir machen aus ihnen sogar Charaktergröße. "Nein, ich kann nicht leiden, daß man sich Schmeicheleien ins Gesicht sagen soll!" Lieber Freund, für die sibirische Kälte und Lieblosigkeit deines Urteils hast du dir einen glänzenden Namen gefunden.
Einen Freund gefunden zu haben, das scheinen manche Menschen die Entdeckung eines bequemen Sophas zu nennen, auf welchem sie glauben, sich mit ihren Unarten so recht ausflegeln zu können.
Man beweise sich nicht als Freund, schreien die Menschen, wenn sie Beweise der Freundschaft nicht in bedeutenden, wichtigen Krisen, sondern bei hundert kleinen Nörgeleien, Quälereien und Wünschen haben wollen.
Der beste Freund, den ein großer Mann finden kann, ist der, der es übernimmt, seine Menschlichkeiten vor der Welt zu decken.