Karl Gutzkow (1811–1878)

103 Sprüche Romantik

Einen Feind hassen wir nicht so sehr als einen Freund, der sich nur halb bewährte.

Gutzkow, Vom Baum der Erkenntnis. Denksprüche, 1868

Die Weisheit soll die Klugheit zur Dienerin haben. Jene thront, diese regiert.

Gutzkow, Vom Baum der Erkenntnis. Denksprüche, 1868

Der rechte Zeiten- und Weltweise sieht auch diejenigen Sternschnuppen, die am Tage fallen.

Gutzkow, Vom Baum der Erkenntnis. Denksprüche, 1868

Gib mir, o Gott, Weisheit aus Erfahrung und aus – bittersten Leiden! Nur gib mir die größere nicht – aus Vergehen und Schuld!

Gutzkow, Vom Baum der Erkenntnis. Denksprüche, 1868

Was nennen die Reichen Arbeit! Wir kannten einen Fürsten, der in allem Ernst auf die Dekonomie stolz war, sich die Wappen seiner Briefpapiere selbst zu malen.

Gutzkow, Vom Baum der Erkenntnis. Denksprüche, 1868

Schon einmal da – schon alles dagewesen – [...] Schon dagewesen – alles dagewesen.

Gutzkow, Uriel Acosta. Trauerspiel in fünf Aufzügen, 1847. 4. Aufzug, 2. Auftritt, Akiba

Wie nur die Wunden heilen, die man ausbluten läßt, so verwindet man auch nur diejenigen schmerzlichen Erfahrungen, die man sich nicht wegleugnet und in ihren Folgen ganz auskostet, ohne sich daran etwas zu mildern oder zu beschönigen.

Gutzkow, Vom Baum der Erkenntnis. Denksprüche, 1868

Gedanken werden dann nur gestaltend und schöpferisch, wenn sie an etwas Vorhandenes anknüpfen.

Gutzkow, Vom Baum der Erkenntnis. Denksprüche, 1868

Verschiebe nur nicht das Ausspinnen eines Gedankens auf bessere, feinere Stunden! So kommt er dir nicht wieder, wie er im Augenblick des Entstehens da war.

Gutzkow, Vom Baum der Erkenntnis. Denksprüche, 1868

Wo nur diesen süßlichen Gemütern die Kraft herkommt, all ihre Gedanken des Neides, der Mißgunst, der Eitelkeit, Gedanken, von denen wir wissen, daß sie an ihnen Tag und Nacht zehren und sie förmlich aufreiben, unter diesem ewig gleichen und immer wohltuend scheinenden Lächeln zu verbergen.

Gutzkow, Vom Baum der Erkenntnis. Denksprüche, 1868

Unsere besten Gedanken sind nicht diejenigen, die wir finden, wenn wir selbst suchen, sondern diejenigen, die wir finden, wenn wir andern Suchenden nachgehen.

Gutzkow, Vom Baum der Erkenntnis. Denksprüche, 1868

Religion ist das als eine Lebensnotwendigkeit tief empfundene Gefühl der Abhängigkeit.

Gutzkow, Die Ritter vom Geiste. Roman in neun Büchern, 1851

Über die Priester sollen wir fühlen wie Voltaire; über die Religion selbst wie Fénélon.

Gutzkow, Vom Baum der Erkenntnis. Denksprüche, 1868

Mit dem Verhalten zur Verschiedenartigkeit der Religionen ist es leider wie mit dem Familiensinn, der seine eignen Kinder wunderbar schön findet, während sie andern nicht selten häßlich erscheinen.

Gutzkow, Vom Baum der Erkenntnis. Denksprüche, 1868

Gebundenheit ist die Wurzel der Religion, Hingebung ihre Blüte.

Gutzkow, Vom Baum der Erkenntnis. Denksprüche, 1868

Denke zuweilen darüber nach: wer wird wohl einst deinem Sarge folgen? Wer wird wohl einst geneigt sein, für dein Grab einen Kranz zu winden?

Gutzkow, Vom Baum der Erkenntnis. Denksprüche, 1868

Die letzte Stunde wünsche ich mir nicht zu frühe und wünsche sie mir nicht zu spät.

Gutzkow, Vom Baum der Erkenntnis. Denksprüche, 1868

Wer sich seine Lebensschicksale selbst zu bestimmen weiß, ist in der Regel doch nur ein Egoist.

Gutzkow, Vom Baum der Erkenntnis. Denksprüche, 1868

O, durch welches Wirrsal muß sich ein Kindesherz durcharbeiten! [...] Die Jugend ist ein Pflanze, die wächst und ans Licht muß, auch wenn man unter dem Namen der Erziehung einen schweren Stein auf sie legt!

Gutzkow, Die Ritter vom Geiste. Roman in neun Büchern, 1851

Nein, nicht zum Entbehren erziehe die Deinen, nur zum mäßigen Gebrauch dessen, was sie besitzen.

Gutzkow, Vom Baum der Erkenntnis. Denksprüche, 1868

Früh lehre man die Kinder, sich über eine erlittene Kränkung, einen bitter empfundenen Schmerz der Klage zu enthalten.

Gutzkow, Vom Baum der Erkenntnis. Denksprüche, 1868