Das Falsche, kunstvoll dargestellt, überrascht und verblüfft, aber das Wahre überzeugt und herrscht.
Die Wahrheit entzieht sich dem Verstande, wie sich die Tatsachen dem Gedächtnis entziehen. Ein reger Geist sieht die Dinge immer wieder von einem andern Standpunkt an, so daß er dieselben Meinungen bald widerruft, bald wieder annimmt. Der Geschmack ist nicht weniger unbeständig, er wird müde der reizvollsten Dinge und wechselt wie unsere Stimmungen.
Man schwingt sich nicht zu großen Wahrheiten auf ohne Enthusiasmus: kalten Blutes diskutiert man, aber man erfindet nichts. Vielleicht machen erst Leidenschaft und Verstandesschärfe zusammen den echten Philosophen.
Es gibt keine Wahrheit, die in einem Flachkopf nicht zum Irrtum werden könnte.
Sprache und Geist haben ihre Grenzen; die Wahrheit ist unerschöpflich.
Wer an der Wahrheit aller Prinzipien zweifelt, müsste umso höher die Beredsamkeit einschätzen. Gibt es keine Realität, so steigt der Wert des Scheins.
Es gibt keine Wahrheit, der wir nicht zustimmen, wenn man sie uns klar und deutlich darstellt.
Die Wahrheit lässt sich nur beweisen durch ihre Evidenz, und ein Beweis ist nichts anderes als die aus Vernunftschlüssen gewonnene Evidenz.
Entdeckte man das Geheimnis, den Krieg für immer abzuschaffen, das menschliche Geschlecht zu vermehren und die Existenz aller Menschen zu sichern – wie töricht und barbarisch erschienen unsere besten Gesetze.
Man prüfe alle Lächerlichkeiten, und man wird fast keine finden, die nicht auf eine törichte Eitelkeit zurückginge oder auf eine Leidenschaft, die uns blind macht für unsere Grenzen; lächerlich erscheint der Mensch, der seinen Charakter und seine Kräfte überschreitet.
Wie es unbeständige Seelen gibt, in denen bald die eine, bald die andere Leidenschaft herrscht, begegnet man auch manchem schwankenden Geist, der keine feste Grundlage finden und, von allen Meinungen fortgerissen, keine Entscheidung treffen kann.
Es ist gut, unbeugsam aus Anlage und nachgiebig aus Überlegung zu sein.