Festigkeit oder Schwäche im Tod hängt von der letzten Krankheit ab.
Es ist ungerecht, von einer niedergeschlagenen und durch den Ansturm eines furchtbaren Übels besiegten Seele zu verlangen, sie solle dieselbe Kraft aufbringen wie ein ruhiges Leben. Überrascht es, dass ein Kranker weder gehen, noch wachen, noch sich aufrechterhalten kann? Wäre es nicht weit seltsamer, wenn er noch selber wäre, wie in gesunden Tagen? Wenn wir Kopfschmerzen gehabt und schlecht geschlafen haben, entschuldigt man an einem solchen Tag unsere Unfähigkeit zu jeglicher Arbeit gerne, und niemand verdächtigt uns des steten Unfleißes. Dürfen wir einem Sterbenden das Vorrecht verweigern, das wir einem, der an Kopfschmerzen leidet, zugestehen? Dürfen wir wagen, zu behaupten, er hätte in gesunden Tagen niemals Mut besessen, wenn er im Todeskampf keinen an den Tag legte?
O wie schwer ist der Entschluss zum Sterben!
Will das Schicksal Weise demütigen, so überrascht es sie gewöhnlich bei jenen kleinen Gelegenheiten, in denen man meist sorglos und wehrlos ist. Der begabteste Mensch der Welt kann es nicht verhindern, dass wirkliche Belanglosigkeiten furchtbares Unglück nach sich ziehen, und er verliert seinen Ruf oder sein Vermögen durch eine geringfügige Unbedachtsamkeit, wie ein anderer sich beim Aufundabgehen im Zimmer ein Bein bricht.
Wenn das Schicksal Macht über einen Menschen gewinnt, so fassen Bosheit und Schwäche Mut, es ist, als ob ein Signal zum Angriff auf ihn gegeben würde.
Man leitet die Kinder an zu Furcht oder Gehorsam; Geiz, Stolz oder Furchtsamkeit der Väter schulen sie in Sparsamkeit, Hochmut oder Unterwürfigkeit. Man ermutigt sie, auch noch nachzubeten, was andere sagen: niemand denkt daran, sie originell, kühn und unabhängig zu machen.
Könnte man den Kindern Lehrer im Denken und in der Beredsamkeit geben, so wie man ihnen Sprachlehrer gibt, versuchte man, weniger ihr Gedächtnis als ihre Selbständigkeit, ihre Anlagen auszubilden, würde man, statt die Lebhaftigkeit ihres Geistes abzustumpfen, Schwung und Bewegung ihrer Seele steigern – was dürfte man nicht von einer schönen Begabung erwarten. Aber man denkt nicht daran, dass Kühnheit, Liebe zur Wahrheit oder zum Ruhm Eigenschaften sind, die für die Jugend Bedeutung haben, im Gegenteil, man denkt nur daran, sie zu unterdrücken, damit sie früh genug erfahren, dass Abhängigkeit und Anpassungsfähigkeit die sichersten Grundlagen der Karriere sind.
Zwei Dinge können im Alter Talent und Lebensgenuß zur Not ersetzen: Ruf oder Reichtum.
Weder ist Ekel ein Zeichen von Gesundheit, noch Appetit eine Krankheit, ganz im Gegenteil! So denkt man über den Körper, aber die Seele beurteilt man nach anderen Regeln, man nimmt an, daß eine Seele stark ist, die frei ist von Leidenschaften, und da die Jugend feuriger und ungestümer ist als das hohe Alter, so sieht man sie wie eine Zeit des Fiebers an und verlegt die Kraft des Menschen in seine Hinfälligkeit.
Man gewinnt keine Freunde mehr im Alter; dann ist jeder Verlust unersetzlich.
Ich beklage einen verliebten Greis, die Leidenschaften der Jugend richten einen verbrauchten und welken Körper furchtbar her.
Die meisten Menschen werden alt in einem kleinen Gedankenkreis, der nicht einmal aus ihnen selbst stammt; es gibt vielleicht weniger enge als unfruchtbare Geister.
Das Alter kann seine Nacktheit nur durch wahren Ruhm bedecken; Ruhm allein ersetzt die in einem langen Leben verbrauchten Gaben.
Die düsteren und kalten Herbsttage sind ein Symbol des nahenden Alters; es gibt nichts in der Natur, das nicht ein Gleichnis des menschlichen Lebens wäre, denn das menschliche Leben ist selbst ein Bild aller Dinge, und das ganze Universum ist von einheitlichen Gesetzen beherrscht.
Das Licht ist das erste Geschenk der Geburt, damit wir lernen, dass die Wahrheit das höchste Gut des Lebens ist.
Nur den starken und tiefen Seelen steht es zu, die Wahrheit zum Hauptgegenstand ihrer Leidenschaften zu machen.