Ruhe des Herzens Wie heimlich glüht ein Bild aus langer Dämm'rung: Ein Sommerabend war's Im Heimatdorfe; Noch lag ein Sonnenhauch Auf Dach und Giebeln, Und hell stand schon der Mond In leerer Straße. Der Nachbar sprach ein Wort Von Tau und Regen, Er sprach zu seinem Weib Drin in der Kammer; Er zog das Fenster an, Es klang der Riegel; Ein erstes Sternlein trat Aus lichtem Dunkel. Aus fernen Gärten klang Ein Mädchenlachen; Ein letzter Nachhall dann Und letzte Stille. Und all die Sommerwelt Ging wie ein Atem Geruhig ein und aus Durch meine Lippen. – Nun weiß ich's, da mein Haar Beginnt zu bleichen: Was damals ich geatmet, war Das Glück.
Der Weltenherr hat uns einen herrlichen Bissen in die Wolken gehängt. ›Das reine Glück‹. Wenn wir glauben, es erschnappt zu haben, zieht er es höher hinauf, immer höher, bis in die Sterne.
Willst du das Geheimnis des Glückes erfahren? Sei stets zufrieden mit dem, was dir das Schicksal gewährt; sei nie zufrieden mit dem, was du leistest.
Abend Lehnst an meine Schulter du Sanft dein Haupt mit Schweigen, Spiel ich dir ein altes Lied Auf der alten Geigen. Und die Seele, mild gerührt Ob dem süßen Klingen, Fliegt zum hellen Abendrot Auf der Hoffnung Schwingen. Und im Auge dir und mir Glänzt die stille Frage: Bleiben Lieb’ und Seligkeit Bei uns alle Tage? Wenn die Rosen sind verblüht, Wenn die Saiten sprangen, Wird ob unserm Haupte dann So der Himmel prangen? – Stumm noch lauschst du meinem Lied, Ob ich schon geendet; In die Weite traumeshell Ist dein Blick gewendet.
»Wann endlich«, dacht' ich, »sinnlos-blödes Spiel, Wirst du dich enden? Auf und ab und auf Wiegt seit Äonen sich die Lebensschaukel; Auf einer Seite staunend sitzt das Leben, Und auf der andern grinsend wippt der Tod – Und auf und ab, stumpfsinnig, wird die Wippe Durch Ewigkeiten gehn. Wo lebt der Gott, Den dieses grause Einerlei vergnügt? Der ärmste Menschengeist, er hätte längst Voll Überdruß und Ekel dieses Spielzeug Zertrümmert –!«
Schwerer als auf anderen Zeiten der schwarze Tod, lastet auf unserem Zeitalter die Seuche des grellen Lebens.
Während wir leben, häufen sich in unserer Seele Lebensreste an, die von Zeit zu Zeit durch einen Sturm hinausgefegt werden müssen.
Das Leben ist das allmähliche Erwachen eines Gefangenen, der von der Freiheit träumte.
Das Leben ist wie eine Zigarre; wenn sie mit Verstand und Geschmack verbrannt wird, schmeckt auch der letzte Rest noch gut; wenn sie unsinnig verpafft wird, brennt sie schief, und das Ende stinkt.
Das Maulwurfsauge der Durchschnittsmenschen kennt die Farben des Lebens nicht und verträgt sie nicht.
Folg deinem innern Sinn, und nach einem Leben voll Zweifel wird dir's doch zur Gewissheit: Hinter dem, was wir schauen und erleben, webt in heiligem Geheimnis eine unbekannte Welt.
Was man auswendig gelernt hat, mechanisiert sich, nicht nur im Hirn, sondern auch im Herzen.
In manchen Menschen spannt sich ein bleibender Regenbogen vom Herzen zum Auge, vom Auge zum Herzen − von solch einem Menschen sagt man: er hat Humor.
Der deutsche Humor wird noch immer ausgezahlt in Sterntalern und Sonnengulden.
Mit deinen Erfolgen wächst die Zahl deiner falschen Freunde und deiner echten Feinde.
Zu den verheerendsten Irrtümern der überregen Menschheit von heute gehört die Meinung, daß ein thätiger Mensch überall mitarbeiten müsse und daß der Ernst des Lebens niemals weniger von uns verlange als das Leben.
So ist alle Arbeit in der Welt auf das weiseste verteilt: Der eine hält edle Reden, und der andre handelt danach.
Die Zeit heilt unsere Schmerzen mit einem feinen Radiermesser; aber immer geht ein Stück vom Herzen mit.
Betrat'st du je ein Haus Mit hoffendem Verlangen Und bist von dannen drauf Gesenkten Blicks gegangen, Um eine Hoffnung ärmer? Wie anders schien die Welt Auf deinem ersten Gange, Als da du kehrst zurück Mit sorgenbleicher Wange, Um eine Hoffnung ärmer! Wie bohren sich ins Hirn Die heißen Sonnenstrahlen! Wie bebt das kranke Herz In wilden Fieberqualen, Um eine Hoffnung ärmer! Zerreißend dringt ins Ohr Der Straßen Lärmgewühle – Ach, daß du könntest ruh'n, Das Haupt auf weichem Pfühle – Um eine Hoffnung ärmer! Ach, daß das schwere Herz Der Tränen sich entlüde! Geduld! Noch kurzen Weg! – Wie wandelst du so müde, Um eine Hoffnung ärmer! Da endlich winkt das Heim ... Wohin sollst du dich wenden? Aus allen Winkeln raunt's Und von den düstern Wänden: »Um eine Hoffnung ärmer!«