Otto Ernst (1862–1926)

30 Sprüche Realismus

Wenn jede Hoffnung ganze Erfüllung fände, so würde niemand mehr hoffen, und das sogenannte ›Glück‹, wäre eine trübselige Selbstverständlichkeit.

Ernst, Frieden und Freude, 1920

Ein Gedanke mag noch so oft ausgesprochen und gedruckt sein − es gibt immer noch Leute, die nichts von ihm vernommen haben.

Ernst, Frieden und Freude, 1920

Es ist mit dem Gedanken wie mit dem Hering: wo er sich zu häufig macht, wird er nicht geschätzt.

Ernst, Frieden und Freude, 1920

Unsere Protestanten Kampf gegen jede Fäulnis und Zermorschung! Gewissensfreiheit! Freie Bibelforschung! Wie hab ich euern Mut so oft bewundert; Das alles fordert ihr - fürs sechzehnte Jahrhundert!

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Manch ein Ehepaar ist wie die Kiefer einer Kneifzange: immer gegeneinander, aber untrennbar verbunden.

Ernst, Sankt Yoricks Glockenspiel, 1914

Die Wahrheit ist wie die Urschrift eines Palimpsestes: eines Tages kommt sie zum Vorschein, wie viel auch darüber geschmiert wurde.

Ernst, Sankt Yoricks Glockenspiel, 1914

Man kann selbst vor einer Wahrheit Ekel und Überdruss empfinden, wenn sie unaufhörlich abgeplärrt und niemals ausgeführt wird.

Ernst, Sankt Yoricks Glockenspiel, 1914

Aus den Augen der Menschen blickt zuweilen ein gequältes Tier, das nicht reden kann.

Ernst, Sankt Yoricks Glockenspiel, 1914

Wie der Gott, so die Seele; wie der Himmel, so das Meer.

Ernst, Sankt Yoricks Glockenspiel, 1914