Verzagt Soll ich wieder schwärmen, ich, Der ich müd bin und verdrossen, Schicksalslaugenübergossen Traurig, trüb und jämmerlich? Soll ich? Nein, ich drücke mich. Meine Schwärmer sind verschossen, Und das Schicksal hat beschlossen: Keine Wonnen mehr für dich. Aber deine Augen, Kind, Sind bestimmt, das Glück zu schauen, Das im schönsten Bogen geht: Ruhe, Klarheit, Majestät, Davon deine Augenbrauen Allerschönstes Abbild sind.
Gigerlette Fräulein Gigerlette Lud mich ein zum Thee. Ihre Toilette War gestimmt auf Schnee; Ganz wie Pierrette War sie angethan. Selbst ein Mönch, ich wette, Sähe Gigerlette Wohlgefällig an. War ein rotes Zimmer, Drin sie mich empfing, Gelber Kerzenschimmer In dem Raume hing. Und sie war wie immer Leben und Esprit. Nie vergeß ichs, nimmer: Weinrot war das Zimmer, Blütenweiß war sie. Und im Trab mit Vieren Fuhren wir zu zweit In das Land spazieren, Das heißt Heiterkeit. Daß wir nicht verlieren Zügel, Ziel und Lauf, Saß bei dem Kutschieren Mit den heißen Vieren Amor hinten auf.
Misch dich nicht drein: In Liebesdingen raten, Das heiß ich Narrenthaten. Red an die Wand, red in den Wind, Sie werden eher hören, als Die in Liebe sind.
Hans und Grethe Hans und Grethe, Grethe und Hans; Überall derselbe Tanz; Immerfort derselbe Kreis, Von Adam her im Paradeis Zielt alles auf denselben Strich: Das Ding ist unabänderlich.
Traum durch die Dämmerung Weite Wiesen im Dämmergrau; Die Sonne verglomm, die Sterne ziehn; Nun geh ich zu der schönsten Frau, Weit über Wiesen im Dämmergrau, Tief in den Busch von Jasmin. Durch Dämmergrau in der Liebe Land; Ich gehe nicht schnell, ich eile nicht; Mich zieht ein weiches, samtenes Band Durch Dämmergrau in der Liebe Land, In ein blaues, mildes Licht.
Er merkt etwas »Ich hab die lieb...« Ich höre das so. Könnt' ich es glauben, Wär' ich wohl froh. »Ich hab dich lieb...« Welch holder Ton! Wie Geig' und Flöte... Ich hörte ihn schon. »Ich hab dich lieb...« Sag's immer, Kind! Ich weiß, daß Lügen Geschenke sind.
Alter Glückszettel Zwischen Hetzen und Hasten, In Lärmen und Lasten, Von Zeit zu Zeit Mag gerne ich rasten In Nachdenklichkeit. Fliege, fliege, mein Denken, zurück, Suche, suche: in heimlichen Ecken Dämmergrauer Vergangenheit Mag wohl von verklungenem Glück Blinkend ein Blättchen stecken. Und ich suche in meinem Andenkenkasten. Zwischen Bändern und Briefen, die lange schliefen, Aus trockenen Blumen und blassen Schleifen Will ich mir was Liebes greifen. Da fand einen Zettel ich, bleistiftbeschrieben, Der hat mir die Wärme ins Herz getrieben. Was stand denn da? Von meiner Hand; I mag Di gern leid'n; Du: Magst Du mi aa? In schmächtigen Zügen darunter stand: Ja. In Lärm und Last, In zager Zeit War mir ein Gast Aus Glückseligkeit Dies kleine Ja der Vergangenheit.
Bei einem beinah alten Mann Bei einem beinah alten Mann Meldete sich klein Amor an (Ein Mädchen wars in einer Hosenrolle). Der Überraschte fragte, was er wolle. "Dich prüfen will ich", sprach das liebe Ding (Halb Gassenbub, halb Schmetterling), "Ob du noch brennen kannst" und küßt ihn so, Daß augenblicks er Feuer fing. Darüber war der Mann natürlich froh. Denn allzulange war er wie ein Besen, Zwar dürr, doch ohne Glut gewesen. Wie aber dann der Kleine wieder ging, Da trat herein zur Türe groß Madam Vernunft, setzt schwer sich auf den Schoß Noch warm von Amors Hinterteilchen Und sprach: Herr Lichterloh, glaubt nicht dem Mädel, Das jetzt zu Euch in Amors Maske kam Und augenblicks Besitz von Euerm Schädel, Von Euerm Torenschädel nahm, Denn es vertrieb sich bloß ein Langeweilchen. Da bot der Mann Madam Vernunft den Arm Und führte sie zur Tür und sprach: "Au revoir, Ihr sprecht wahrscheinlich wie gewöhnlich wahr, Doch allzukühle, und ich bin von Herzen Froh, daß mir endlich wieder einmal warm Zumute ist. Der Liebe helle Kerzen Lösch ich nicht aus. Wer weiß, wie bald ein Wind Sie niederweht und ich im Finstern träume Von hellen Kerzen, die erloschen sind."
Wenns dämmert Und Tag um Tag geht still dahin, Und meine ruhigen Augen sehn, Wie alle Wünsche wunschlos still In eine blasse Dämmerung gehn. Dich lieb ich, du! Oh komm, sei mein! Ein grauer Nebel kommt und steht. Wo bist du?! Alles grau und leer. Und mein Begehren wankt und geht. Wohin, wohin!? Ich seh kein Licht, Ins Graue schwindet, was ich will. Laß gehn dahin und frage nicht, Laß gehn dahin und blicke still. Wunsch geht und Welt geruhig hin, Und meine ruhigen Augen sehn, Wie alle Wünsche wunschlos still In eine blasse Dämmerung gehn.
Waldvögel Ein wohlbestelltes Mieder, Die Backen rot gesund, Den Schnabel voller Lieder Und vorn und hinten rund. Zwei Augen glutend blaue Und eine kleine Hand, Wohl mir, waldwilde Fraue, Daß ich dich einsten fand. Es war im tiefen Walde Und Sommer war die Zeit, In einem Wipfel balde Nesthockten wir zu zweit Und niemand hat gesehen Das sondre Vogelpaar, Das hoch im Windewehen Vor Glücke schwindlig war.
Brief Mir war die Liebe lange nur ein Spiel; Leicht setzt ich wenig ein und holte viel, Und lustig warf den goldenen Gewinn Ich gerne bald in andre Schürzen hin. Oh ja, das Herz, es war wohl auch dabei, Leis klang es mit wie ferne Melodei Dem lauten Sang der tanzbewegten Lust, Doch Stille war im Innersten der Brust. Was da, von Friedensrosen mild umblüht, Dem einen Herzen heiß entgegenglüht, Du hasts zuerst geweckt; – nun ist es weh, Das leichte Herz, ein wildbewegter See Voll Ungetümen, die die Qual gebar, Die doch nur Liebe, Liebe, Liebe war. Ich weiß, du lachst, wenn du von Qualen liest, In deinem Herzen eine Blume sprießt, Die leicht im Winde ihre Blüte trägt, Die nichts nach Qualenungetümen frägt; Im eigenen Dufte wiegt sie her und hin – : Die Blume ist dein glücklich-leichter Sinn. Sie soll dir nie im Herzensfrost vergehn, Aus jedem Leide soll sie auferstehn Wie Maitaghelle, da der Winter schwand Dem Sonnensiege in das Nebelland… Was mir die Liebe und ihr Leid beschied? Ich fühl es schon; es keimt ein neues Lied. Das wird von dir ein glühend Singen sein, Das wird aus Qualenwust mein Herz befrein. Wie Thränensturz schwillt heiß sein starker Fluß, Und aus dem Herzen kommts in einem Guss, Ich halte nichts, ich halte nichts zurück, Im Lied verströme ich mein ganzes Glück. Ob du es fühlst, was ich dir hier gesteh? Das fühlst du wohl, es ist ein tiefes Weh Und eine Gnade doch; es raubt und giebt… Oh, Mädchen du, wie hab ich dich geliebt.
Zuversicht Dich zu lieben, das wird Ruhe sein, Hand in Hand, getrost und ohne Bangen; Kein Verzagen – : Glauben; kein Verlangen – : Frucht und Friede, Freiheit und Verein. Aber Lust wird in der Ruhe sein Sommerlust, ein Schauen und Genießen, Jene Lust der windbewegten Wiesen, Die voll Blumen sind und still gedeihn.
Laue Sommernacht; am Himmel Stand kein Stern; im weite Walde Suchten wir uns tief im Dunkel, Und wir fanden uns. Fanden uns im weiten Walde In der Nacht, der sternenlosen, Hielten staunend uns im Arme In der dunklen Nacht. War nicht unser ganzes Leben So ein Tappen, so ein Suchen? Da: In seine Finsternisse, Liebe, fiel Dein Licht.
Reichtum Perlen gleiten durch meine Hand –: Das war Wasser, das verschwand; Gold kam über mich hergelaufen –: Wolkenberge, Wolkenhaufen; Nichts ist mehr in meiner Hand, Und ich kann mir garnichts kaufen, Und mir blieb nur, was ich fand: Ein Herz für mich, ein Glück für mich, Zwei Augen, die leuchten: Ich liebe dich, Und eine Wärme innerlich: Du, du und ich ...
Wenn mein Herz auch müde ist, Müde von zu vielen Schmerzen, Ist dies müdeste der Herzen Doch zu dir in Glut entbrannt. Ach, daß du mir ferne bist. Doch mein Herz ist deiner Güte, Wie dem Himmelslicht die Blüte, Sonnenstrahlendzugewandt. Und so wird durch deine Strahlen Aller Schmerzen, aller Qualen Bald mein Herz entladen sein, Denn der Liebe Licht heilt schnelle. Sende, spende deine Helle, Du mein lieber Sonnenschein.
Versprochen Devotionale Schöne du, Erbarmerin, Weil mir deine Augen lachen: Nimm mein Lied in Gnaden hin, – Schöne du, Erbarmerin. Nimm mein Herz in deine Hand, Wieg mein Leid in Trost und Träume Schöne, himmelhergesandt, Nimm mein Herz in deine Hand. Alles wird dann ruhig sein, Denn die Heimat ist gefunden, Kehrt mein Herz in deinem ein, – Alles wird dann ruhig sein.
Ein Menuett Nestwarmweiche Lagerstätte, Himmelblaues Himmelbette, Seidenkissen, Spitzenzier, Rosawolken, mullgebauschte, Hinter denen Amor lauschte, Unsrer Liebe, dir und mir, Kräuselte der Tapezier. Aus der Ampel quillt in hellen Morgenrötenrosenwellen Schmeichelweiches Liebeslicht. Wie in einem Rosenhaine, Rose selber, ruht die Meine, Und von Rosen ein Gedicht Ihres Busens Heben spricht. Leise, leise, ihren roten Lippen Morgengruß geboten. Augen auf. Bon jour Madam'! Zweier Sonnen hell Erwachen, Zweier Sonnen selig Lachen ... Als ich in den Arm sie nahm, Amor aus der Wolke kam.
Zwischen Saat und Sense Das beste Werk auf Erden ist: Korn in die Scholle säen, Und aller Freuden vollste ist: die schweren Schwaden mähen. Rund geht der Wurf des Säemanns und rund des Mähders Eisen, Des ganzen Lebens Auf und Ab liegt mitten diesen Kreisen.
Faunsflötenlied Ich glaube an den großen Pan, den heiter heiligen Werdegeist; sein Herzschlag ist der Weltentakt, in dem die Sonnenfülle kreist. Er wird und stirbt und stirbt und wird, kein Ende und kein Anbeginn. Sing, Flöte, dein Gebet der Lust! Das ist des Lebens heiliger Sinn.