Verloren ist, wer den Humor verlor.
Humor ist, wenn man trotzdem lacht.
Jubilate heißt jeder Tag, Auf dem der Arbeit Segen lag.
Auf, und wende den Schritt heiter ins Leben hinein! Schmälre die Stunden nicht, die dir der Tag beschert.
Zeitlied Die Träumer und Propheten, Die raten und die reden Viel von der Ewigkeit. Wohlan, wers kann, der fliege! Wir steigen auf der Stiege Bescheiden, stufenweise; so dienen wir der Zeit. Wir bleiben auf der Erden, Hier gilt es reif zu werden In Kraft und Fröhlichkeit. Das ist des Lebens Segen: Im Lichte sich zu regen; Wir messen unsre Kräfte am Kraftmaß unsrer Zeit. Sie gibt uns viel, wir geben Ihr unser ganzes Leben In Kindesdankbarkeit; Das Erbe gilts zu mehren, Daß wir mit ihr in Ehren Vor uns bestehen können, froh einer reichen Zeit. Schön soll sie sein, und Stärke Das Merkmal ihrer Werke; Der Kraft sei sie geweiht, Die Seele, Geist und Triebe Umfaßt mit gleicher Liebe, Daß wir mit Stolz bekennen: wir dienen dieser Zeit.
Ehe-Gebet Gib mir deine Hand: ich küsse sie. Schenk mir deinen Blick: ich fühle ihn. Gib mir deine Wahrheit, Frau, die ganze, Bis zur letzten Nacktheit gib sie mir: ich heilige sie. Denn ich muß Göttliches in meinem Herzen haben und wieder einen Glauben, Ein Heiligtum muß ich haben und einen Altar, Kränze darauf zu legen, Weihrauch meiner Seele, Und mein Herz selber als Flamme, die sich gerne verzehrt.
Eheglücksspruch Es steht kein Wort in unserm Ring; Rein ist der Reif um unser Leben. Für unser Glück, dies stille Ding, Wollt's keine Goldschmiedworte geben.
Ehemarterl Hier fiel ich, steh, Wandrer, und bet ein Gebet, In die Hände meiner Frau, der Anna Margreth; Es war am fünfundzwanzigsten Mai, Als ich ging an diesem *** Baume vorbei, Hinter dem sie ganz so ungefähr stand; ich sagte Guten Abend und gab ihr die Hand. Damals war ich ein Junggesell, Und deshalb verliebte ich mich sehr schnell; Sie behauptete von sich selber das Gleiche Und verlangte, daß ich die Hand ihr reiche Nächstens und schleunigst auch am Altar, Der zufällig hier in der Nähe war. Und deshalb, weil dieses wirklich geschehn, Sag ich: Oh Wandrer, bleibe hier stehn, Bedenke der Freiheit Vergänglichkeit, Bet ein Gebet und bleibe gescheidt. Bums Bärlaatsch, Bauer und Ehemann, Der ein Wort davon mitreden kann.
Wenn wir alt sein werden, wenn der Ruhe Dämmerung leis in immergleichem Atemzuge uns im Herzen haucht, wenn das Auge matt und milde blickt, kältre Farben sieht und flockigen Umriß, wenn der Hände Drücke, altersfaltenweich, immer abschiednehmender, zag sich fühlen, wenn das Hirn, von Erkenntnis starr, immer kälter wird, und der Hoffnung warmer Taubenflügelschlag nicht mehr linde Glücksgedankenwellen schlägt, wenn an Rosen-Statt Herbstzeitlose blaßt ... Sonne, Sonne! Du auch wirst mir dann verbleichen, die ich kindlich und anbetend liebe. Eine Wärme nur, eine Liebe nur, nur einen Glauben dann werd ich mir wahren: dich du traumvergangene Heilige.
Über ein Porträt Gottes Heut sah ich le bon Dieu. Es war ein alter Mann, Man sah ihm ungefähr siebenzig Jahre an. Trug einen langen Bart und langes Ringelhaar, Mir schiens, dass er von Zeus ein Ururenkel war. Der Maler hatte nicht mit seiner Kunst gespart. Es war das Kolorit sehr klar, sehr fein, sehr zart, Die Wangen rosig, voll und kirschenrot der Mund, Lebhaft das blaue Aug, dem gut die Braue stund: Schön bogenhoch gewölbt und, sonderbar, nicht weiß, Als thronte Jugend dort. Jedoch: es war ein Greis. Und dies gefiel mir nicht. Ich dacht an Jupitern In Rom, der hatte nichts von einem alten Herrn. Zwar schien auch er bejahrt, doch konnte man wohl sehn: Das war der starke Freund von Ledan, Omphalen: Die Wolke und der Schwan, und auch Europens Stier, Ein Gott für Männer stand: ein Gott-Mann stand vor mir. Nun hat man ihn entthront, und nichts als Haar und Bart Hat man von ihm dem Gott von heute aufgespart, Und diese greisenweiß, dass schon das Bild bedeute: Dies ist der liebe Gott für pastorale Leute. Ich bin gewiss, er spricht durchaus wie ein Pastor, Und seine Welt kommt ihm wie jenem übel vor. Er kritisiert sich selbst, und er bereut wohl gar, Dass er einmal so stark die Welt zu schaffen war. Schüf er sie heute, oh, sie wäre ein Kristall, Glatt, mathematisch, kalt; zu keinem Sündenfall Gäb es Gelegenheit auf dieser Form aus Geiste, Die aus Berechnung müd ein Greis zusammeneiste. Gott Lob und Dank, die Welt stammt nicht von diesem her, Und stammt auch nicht von Zeus. Der große Gott ist mehr Als Greis, ist mehr als Mann. Ich sah auf Götzenbildern, Die Indien uns gesandt, die zeugende Natur, Das Eins von Mann und Weib, verworrne Urkraft schildern Und ahnte, dies ist mehr, als wilde Fratze nur. Das Volk im Osten ist der großen Wahrheit näher Als wir entgötterten und müden Europäer, Die das Urheilige beschmutzen: das Geschlecht. Europa hat am Stier sich tantenhaft gerächt.
Ernstlich, ehrlich, ehrerbietig, eigen; Wer die vier E ins Schild sich setzen kann Und sie in Wort und Taten zeigen: Der ist ein Mann.