Paul Richard Luck (1880–1940)

49 Sprüche Realismus

Es macht oft das ganze Glück eines Menschen aus, dass er sich einredet, glücklich zu sein oder es zu werden.

Luck, Stimmen der Stille. Aphorismen, 1919

Es ist so wenig, wessen man zu seinem Glück bedarf; es kommt da ganz auf den Reichtum der Seele an: ein lächelndes Kinderauge, ein schönes Gesicht, eine Blume in einem stillen Garten, ein Baum, der das Gold der Sonne trägt, eine wohlgeformte Vase, eine Perlenkette. Das Glück ist nichts himmelstürmendes. Es schleicht sich still in unser Herz hinein. Aber es geht ein Leuchten von ihm aus wie von einer Kerze, deren Schimmer einen Raum geheimnisvoll belebt.

Luck, Stimmen der Stille. Aphorismen, 1919

Das Glück liegt darin, dass nichts geschieht. Das muss man verstehen lernen.

Luck, Stimmen der Stille. Aphorismen, 1919

Was ist die Liebe? Ein Wort für tausend Zustände.

Luck, Stimmen der Stille. Aphorismen, 1919

Niemals erkennt die Sehnsucht. Das tut nur die Liebe. Aber sie erlischt im Augenblick des Erkennens.

Luck, Stimmen der Stille. Aphorismen, 1919

Alle Philosophie ist Selbstbespiegelung.

Luck, Stimmen der Stille. Aphorismen, 1919

Nur gänzliches Sichhingeben ist Befreiung seiner selbst, allerdings gibt man sich zugleich damit auf.

Luck, Stimmen der Stille. Aphorismen, 1919

Alle Liebe ist ein Zurückgehen auf sich selbst und alle Sehnsucht ein Sich-Entfernen von sich selbst.

Luck, Stimmen der Stille. Aphorismen, 1919

Alles was Pflicht heißt, steht niedriger als wir denken. Alles was Liebe heißt, steht höher als wir denken.

Luck, Stimmen der Stille. Aphorismen, 1919

Alle unsere Liebe muss Sehnsucht nach Liebe bleiben. Sobald sie mehr wird, hört sie auf, denn alle unsere Erfüllungen sind nur Sehnsuchten.

Luck, Stimmen der Stille. Aphorismen, 1919

Ein In-sich-aufnehmen ist die Liebe, und also ein Untergang.

Luck, Stimmen der Stille. Aphorismen, 1919

Wir gehen einer Liebe nach, die unser Herz längst aufgegeben hat.

Luck, Stimmen der Stille. Aphorismen, 1919

Die Liebe ist das Treibende und das Getriebene.

Luck, Stimmen der Stille. Aphorismen, 1919

Sollst du dich dem Leben opfern, indem du es bejahst? Nein, es soll sich dir opfern. Das Leben soll dich bejahen.

Luck, Stimmen der Stille. Aphorismen, 1919

Man muss, damit überhaupt geistiges Leben möglich ist, irgendeinem Ziele zustreben.

Luck, Stimmen der Stille. Aphorismen, 1919

In mir leben alle Toten der Erde weiter, ohne aus den Gräbern zu steigen.

Luck, Stimmen der Stille. Aphorismen, 1919

Ich existiere nicht in anderen, aber andere existieren in mir.

Luck, Stimmen der Stille. Aphorismen, 1919

Der Weise lebt sich, der Normalmensch anderen.

Luck, Stimmen der Stille. Aphorismen, 1919

Das Leben ist ein immerwährendes Sich-aneignen.

Luck, Stimmen der Stille. Aphorismen, 1919

Wer noch nicht seine eigene Existenz angezweifelt hat, wird nie etwas von ihr wissen.

Luck, Stimmen der Stille. Aphorismen, 1919

Geliebter sein heißt nur sich wollen. Freund sein heißt im anderen sich wollen.

Luck, Stimmen der Stille. Aphorismen, 1919