Peter Sirius (1858–1913)

134 Sprüche Realismus

Die größte Lebenslüge vieler Menschen ist die, dass sie zu leben meinen.

Sirius, Tausend und Ein Gedanken, 1899

Auch des Lebens Strom fließt schneller, wenn er abwärts geht.

Sirius, Tausend und Ein Gedanken, 1899

Du lebst dahin, die Tage weben Zu Jahren sich, du merkst es kaum; Doch was du lebst, ist’s auch ein Leben? Ist’s nur des Alltags Wellenschaum?

Sirius, Tausend und Ein Gedanken, 1899

Mancher hat das Leben eine Wüste genannt – wegen der Öde, die er in ihm fand, oder wegen der Kamele, die ihm begegneten?

Sirius, Tausend und Ein Gedanken, 1899

Das Leben könnte viel heitrer sein, wenn die Menschen es ernster nehmen wollten.

Sirius, Tausend und Ein Gedanken, 1899

Wenn man anfängt, das Leben zu verstehen, versteht es uns nicht mehr.

Sirius, Tausend und Ein Gedanken, 1899

Manches Leben ward zum Stoppelfeld, ohne daß es Ähren trug.

Sirius, Tausend und Ein Gedanken, 1899

Auch in der Schule des Lebens gibt es trotzige Jungen, und auch hier leisten sie oft das Beste.

Sirius, Tausend und Ein Gedanken, 1899

Das Leben ist der beste Prediger; aber auch diesen hören viele nur gewohnheitsmäßig.

Sirius, Tausend und Ein Gedanken, 1899

Das Leben hätte genug Wegweiser, wenn die Menschen sie zu lesen verstünden.

Sirius, Tausend und Ein Gedanken, 1899

Es gibt Menschen, die ihr Leben nur als eine Benefizvorstellung für sich betrachten.

Sirius, Tausend und Ein Gedanken, 1899

Es gibt Leute, die am Leben sterben.

Sirius, Tausend und Ein Gedanken, 1899

Mancher bekommt einen Orden als Abendstern seines Lebens.

Sirius, Tausend und Ein Gedanken, 1899

„Des lieben Gottes Hofschauspieler“ So nannte einst Freund Heine sie, Der gut sie kannte, die Franzosen, Und ihres Wesens Was und Wie. Des lieben Gottes Hofschauspieler – Sind wir’s im Grund nicht alle eben? Wir reißen uns um uns’re Rollen, Und nur ein „Stück“ ist unser Leben!

Sirius, Tausend und Ein Gedanken, 1899

Werallestief nehmen will, wird im Meer des Lebens bald auf Sand oder Klippen sitzen.

Sirius, Tausend und Ein Gedanken, 1899

Auf dem Maskenball des Lebens demaskiert sich mancher erst in der Todesstunde.

Sirius, Tausend und Ein Gedanken, 1899

Manche haben es im Leben zu nichts gebracht als zum Sterben.

Sirius, Tausend und Ein Gedanken, 1899

Nicht jeder, der am Leben ist, lebt.

Sirius, Tausend und Ein Gedanken, 1899

Manches Leben hat mehr Sonn- als Sonnentage.

Sirius, Tausend und Ein Gedanken, 1899

Strom und Menschenleben versanden oft in der Ebene.

Sirius, Tausend und Ein Gedanken, 1899

Viele Menschen gehen sicher und unangefochten durchs Leben, weil sie keinen Blick für seine Abgründe haben.

Sirius, Tausend und Ein Gedanken, 1899