Hab ich ein Recht, zu geben, was ich kann? Darf ich in dieser Tränen Niederschlage dich bleiben heißen. Die durchseufzten Tage heben auf meinem Munde wieder an zwischen dem Lächeln, das, wie du's beschwörst, doch nicht zu leben wagt. O ich bin bang, daß das nicht recht sein kann. Wir sind im Rang nicht gleich genug für Liebende. Du hörst: wer andres nicht zu geben hat, der muß nicht Geber werden. Ein für alle Mal. Dein Purpur bleibe rein von meinem Ruß und unbeschlagen klar dein Glas-Pokal. Nichtsgebenwill ich; unrecht wäre das. Nur lieben vor mich hin, Geliebter. Laß -.
Du im voraus verlorne Geliebte, Nimmergekommene, nicht weiß ich, welche Töne dir lieb sind. Nicht mehr versuch ich, dich, wenn das Kommende wogt, zu erkennen. Alle die großen Bilder in mir, im Fernen erfahrene Landschaft, Städte und Türme und Brücken und unvermutete Wendungen der Wege und das Gewaltige jener von Göttern einst durchwachsenen Länder: steigt zur Bedeutung in mir deiner, Entgehende, an. Ach, die Gärten bist du, ach, ich sah sie mit solcher Hoffnung. Ein offenes Fenster im Landhaus –, und du tratest beinahe mir nachdenklich heran. Gassen fand ich, – du warst sie gerade gegangen, und die Spiegel manchmal der Läden der Händler waren noch schwindlich von dir und gaben erschrocken mein zu plötzliches Bild. – Wer weiß, ob derselbe Vogel nicht hinklang durch uns gestern, einzeln, im Abend?
Lerne, den geliebten Gegenstand mit den Strahlen deines Gefühls zu durchscheinen, statt ihn darin zu verzehren!
Lieben Ob du's noch denkst, daß ich dir Äpfel brachte und dir das Goldhaar glattstrich leis und lind? Weißt du, das war, als ich noch gerne lachte, und du warst damals noch ein Kind. Dann ward ich ernst. In meinem Herzen brannte ein junges Hoffen und ein alter Gram ... Zur Zeit, als einmal dir die Gouvernante den ›Werther‹ aus den Händen nahm. Der Frühling rief. Ich küßte dir die Wangen, dein Auge sah mich groß und selig an. Das war ein Sonntag. Ferne Glocken klangen, und Lichter gingen durch den Tann ...
Wenn es zwei Menschen gelingt, die Weite in sich zu lieben, so gibt sie ihnen die Möglichkeit, einander immer in ganzer Gestalt und vor einem großen Himmel zu sehen.
Liebhaben, das heißt nichts annehmen, von nirgends, alles vergessen und von einem Menschen alles empfangen wollen, das was man schon besaß und alles andere.
Brief VIII Berühre ruhig Berühre ruhig mit dem Zauberstabe das Ungenaue, das du um mich scharst, und du wirst wieder wissen, wie du Knabe und in der Dinge Freundschaft warst. Berühre nochmals, und es wird sich zeigen, daß dich die Liebende empfing, weil aller Glanz, den Himmlische verschweigen, aus deinem Neigen in sie überging. Ein drittes Mal berühr, um zu erfahren, daß Macht sich giebt und sich entzieht, und nun sei rein in deinem Offenbaren und sage dienend, was geschieht.
Liebe auch läßt sich den Wellen vergleichen, Sehnsucht wälzt ihre Wogen zum Ziele, flüchtendes Nahen, nahendes Weichen, heiligster Ernst und doch schönstes der Spiele. Dieses Erkämpfen mit Raunen und Rosen schon mit der Venus den Wellen entstiegs, süß vom verstohlenen Augenkosen bis zu dem Kusse, dem Siegel des Siegs. Ich will dirs erzählen: Der Kuß ist ein Lied, ein wortloses Lied; ein Kuß – der geschieht! Es löst das Solo zweier Seelen in vollen Mollakkorden sich: Küsse mich ........ Küsse mich - wie das süß - Küsse mich, Kind, auf den Mund ... Ja so ein Kuß verrät das und dies ... Küsse die Lippen mir wund ... Küsse mich lange, minutenlang, küsse die Wangen mir rot. Jetzt bin ich doch schon vor Liebe krank – küß mich zu Tod ... Liebe – leuchtende Liebe spannte weit ihren Flug an des Weltalls Rand, – Jeder durchwandert sein eigener Dante Himmel und Hölle an ihrer Hand. Jeder der weiß wie sie himmlisch oft nahte, hell in den Augen ein süßes Gebot, denkt auch das schreckliche ›Lasciate‹, das sie am Tore der Hölle gedroht. – Nicht eine Hölle voll Schwefelgeschwele harrt meines Todes mit Schrecken und Pein – Eine Hölle wärs meiner fiebernden Seele, jemals von dir vergessen zu sein ...
Wenn ich manchmal in meinem Sinn ein Begegnen dem andern vergleiche: du bist immer die reichende Reiche wenn ich der dürftige Bettler bin. Wenn du mir leise entgegenlebst und, kaum lächelnd, mit einem Male deine Hand aus Gewändern hebst, deine schöne, schimmernde, schmale …: inmeinerHände hingehaltene Schale legst du sie leichtgelenk, wie ein Geschenk.
Dann brachte mir dein Brief den sanften Segen Dann brachte mir dein Brief den sanften Segen, ich wußte, daß es keine Ferne gibt: Aus allem Schönen gehst du mir entgegen, mein Frühlingswind du, du mein Sommerregen, du meine Juninacht mit tausend Wegen, auf denen kein Geweihter schritt vor mir: ich bin in dir!
Mein Herz Ich weiß nicht, was ich habe, mir ist ums Herz so schwer… Ums Herze? Ach was sag ich – ich hab doch keines mehr. Seit ich, mein Glück, dich kenne, du süßes Liebchen mein, vom ersten Augenblicke an wars ja doch schon dein. O mögst du es behalten, damit es stets so blieb – es soll ja dir gehören, nur, mein süßes Lieb! Giebs nie mehr mir zurücke – es schlägt dir ja in Treu – und willst du's nicht mehr haben Mein Schatz, dann brichs entzwei.
Weisst du, ich will mich schleichen leise aus lautem Kreis, wenn ich erst die bleichen Sterne über den Eichen blühen weiß. Wege will ich erkiesen, die selten wer betritt in blassen Abendwiesen – und keinen Traum, als diesen: Du gehst mit.
… Und dein Haar, das niederglitt, nimm es doch dem fremden Winde, – an die nahe Birke binde einen kußlang uns damit. Dann: zu unseren Gelenken wird kein eigner Wille gehn. Das, wovon die Zweige schwenken das, woran die Wälder denken wird uns auf und nieder wehn. Näher an das Absichtslose sehnen wir uns menschlich hin; laß uns lernen von der Rose was du bist und was ich bin …
Ich bin so still, du Traute, und immer schweigen wir. Du bist eine schlanke Laute, der Frühling spielt auf dir. Drum bin ich so still, du Ziere, weil oft mir Angst geschieht, daß ich einen Laut verliere aus deinem lieben Lied.
Immer wieder, ob wir der Liebe Landschaft auch kennen und den kleinen Kirchhof mit seinen klagenden Namen und die furchtbar verschweigende Schlucht, in welcher die andern enden: immer wieder gehen wir zu zweien hinaus unter die alten Bäume, lagern uns immer wieder zwischen die Blumen, gegenüber dem Himmel.
Imaginärer Lebenslauf Erst eine Kindheit, grenzenlos und ohne Verzicht und Ziel. O unbewußte Lust. Auf einmal Schrecken, Schranken, Schule, Frohne und Absturz in Versuchung und Verlust. Trotz. Der Gebogene wird selber Bieger und rächt sich an anderen, daß er erlag. Geliebt, gefürchtet, Retter, Ringer, Sieger und Überwinder, Schlag auf Schlag. Und dann allein im Weiten, Leichten, Kalten. Doch tief in der errichteten Gestalt ein Atemholen nach dem Ersten, Alten … Da stürzte Gott aus seinem Hinterhalt.
Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen, die sich über die Dinge zieh'n. Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen, aber versuchen will ich ihn. Ich kreise um Gott, um den uralten Turm, und ich kreise jahrtausendelang, und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm oder ein großer Gesang.
Meide den Irrtum, daß es Entbehrungen gäbe für den geschehenen Entschluß, diesen: zu sein!
Unsäglich Schweres wird von mir verlangt. Aber die Mächte, die mich so verpflichten, sind auch bereit, mich langsam aufzurichten, so oft mein Herz behängt mit den Gewichten der Demut, hoch in ihren Händen hangt.