Rainer Maria Rilke (1875–1926)

153 Sprüche Realismus

Nirgends, Geliebte, wird die Welt sein, als innen. Unser Leben geht hin mit Verwandlung. Und immer geringer verschwindet das Außen.

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Ich danke dir, du tiefe Kraft, Die immer leiser mit mir schafft Wie hinter vielen Wänden; Jetzt ward mir erst der Werktag schlicht Und wie ein heiliges Gesicht Zu meinen dunklen Händen.

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Der Flügelschlag eines hohen Vogels und das Schwanken der Wipfel. Diese beiden Gebärden sollen deine Seele lehren, sich zu bewegen.

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Nennt ihr das Seele, was so zage zirpt In euch? Was, wie der Klang der Narrenschellen, Um Beifall bettelt und um Würde wirbt Und endlich arm ein armes Sterben stirbt Im Weihrauchabend gotischer Kapellen, – Nennt ihr das Seele? Schau' ich die blaue Nacht, vom Mai verschneit, In der die Welten weite Wege reisen, Mir ist: Ich trage ein Stück Ewigkeit In meiner Brust. Das rüttelt und das schreit Und will hinauf und will mit ihnen kreisen ... Und das ist Seele.

Rilke, Die Gedichte. Nach der von Ernst Zinn besorgten Edition der sämtlichen Werke, Insel Verlag 1957. Advent, 1897

Krieg ist immer Gefängnis!

Gespräch mit Stefan Zweig; zitiert in: Zweig, Die Welt von Gestern. Erinnerungen eines Europäers. Entstanden im Exil 1939-1941, posthum erschienen 1942

Es gibt eine Menge Menschen, aber noch viel mehr Gesichter, denn jeder hat mehrere.

Rilke, Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge, 1910