Herr und Herrin Ein Mann: Da du so schön bist, darf ich dich beschwören, errege nicht mein leicht erregtes Blut. Da du so schön bist, kann ich dir nicht wehren, daß deine Hand zu lang' in meiner ruht. Da du so schön bist, muß ich dich begehren, denn alle Schönheit ist mir freies Gut. Da du so schön bist, will ich dich zerstören, damit es nicht ein andrer tut… Das Weib: Da du so stark bist, darfst du mich begehren, doch meine Schönheit bleibt mein freies Gut. Da du so stark bist, kannst du mich zerstören, wenn dir die Tat nicht selbst zu wehe thut. Da du so stark bist, mußt du mir beschwören, daß du beschützen wirst mein schutzlos Blut. Da du so stark bist, will ich dir nicht wehren, daß deine Hand in meiner ruht…
Lebe wohl! Eine dicke Tigerschlange liegt müde um mein Herz geringelt ihre satten Augen thun sich zu. Einmal züngelt ihre dünne Zunge noch. Sie schläft ... Lebe wohl, mein blutend Täubchen Du.
Gib mir nur die Hand, Nur den Finger, dann Seh' ich diesen ganzen Erdkreis Als mein Eigen an!
Die Getrennten Nie mehr bin ich allein, gleich bebt in mir deine Stimme: Du, wie ist dir ums Herz? Du, wie ist dir ums Herz? Wie dem Schwanenpaar damals, das wir beim Nestbau belauschten, Beide wie Ein Herz bewegt, Beide wie Ein Herz bewegt. Oh, jetzt bin ich allein, jetzt bebt in mir deine Stimme: Du, wo bist du, mein Herz? Oh, wo bist du, mein Herz!
Hieroglyphe In allen Tiefen mußt du dich prüfen, zu Deinen Zielen dich klarzufühlen; aber die Liebe ist das Trübe. Jedweder Nachen, drin Sehnsucht singt, ist auch der Rachen, der sie verschlingt; aber ob rings von Zähnen umgiert, das Leben sitzt und jubilirt.
Heimweh in die Welt Blieb es doch so lang' vor Liebe stumm; kann ich doch mein Herz, mein Herz nicht töten. War ich Dein, nur Dein in Glut und Nöten; weißt warum? Weil mein Herz so wild; weil es Meere braucht, wenn der Sturm ins Blut mir taucht; weil es Deine Tiefen so gefühlt. Doch wenn nun der Frühling wieder sprießt, o ich fühl's, ich fühl's, so stumm ich blieb, und im warmen Sturm der junge Trieb schwillt und schießt: wird mein Herz so wild, weil es Meere braucht, wenn der Sturm ins Blut mir taucht, weil es so in alle Weiten fühlt. Hast es doch gewußt. Es war im Mai; als der schreckende Blitz uns rot umlohte, als ich meinem Bruder Donner drohte, wild und frei: gabst mir deine Hand, mein in Glut und Schmerz, sankest mir ans junge Herz, unten tief das ferne deutsche Land. Und wenn nun der Frühling blühen will und die wilden Blitze wieder glühn und im Sturm die Meere wieder sprühn: dann, o still! gieb mir deine Hand, Einmal noch ein Schmerz, Einmal noch ein deutsches Herz, dann – leb wohl, mein Weib, mein Vaterland.
Komm an mein Feuer, mein Weib, es ist kalt in der Welt. Komm an mein Feuer und lege dein Ohr an mein Herz. Komm an mein Feuer und mache aus meinen Händen eine leuchtende Schale für die Wärme die wir – o wir, mein Weib – verschwenden an die Welt…
Liebesnotsprüche I Wo im wirren Weltgebrause zwei versprengte Funken sprühn, die aus reiner Lust sich mühn, klar einander zu durchglühn: Liebe, da bist Du zuhause. II Der Drache Leidenschaft speit Lust um sich wie Feuer, stählt dich nicht Liebeskraft, frißt dich das Ungeheuer.
Ich hab dich selig gemacht, mein Geliebter, und du mich, du bist mein, und darfst nicht bei mir sein in meinen furchtbaren Schmerzen. Bis in Mark und Bein bin ich dein, und darf nicht nach dir schrein vor den Menschen, wenn ich sterben muß ohne deinen Kuß. Nein nein nein: du hast mich selig gemacht, Tag und Nacht fühl' ich mich an deinem Herzen leben, das an mein Herz schlug! Ja, ich fühl's, ich bleibe leben, hab dir noch so viel zu geben, o mein Leben, gab dir nie, noch nie genug!
Aus banger Brust Die Rosen leuchten immer noch, die dunklen Blätter zittern sacht, ich bin im Grase aufgewacht, o kämst du doch, es ist so tiefe Mitternacht. Den Mond verdeckt das Gartenthor, sein Licht fließt über in den See, die Weiden stehn so still empor, mein Nacken wühlt im feuchten Klee, so liebt' ich dich noch nie zuvor! So hab' ich es noch nie gewußt, so oft ich deinen Hals umschloß und blind dein Innerstes genoß, warum du so aus banger Brust aufstöhntest, wenn ich überfloß. O jetzt, o hättest du gesehn, wie dort das Glühwurmpärchen kroch! Ich will nie wieder von dir gehn! O kämst du doch! Die Rosen leuchten immer noch.
Ich sah durch deine Seele in die Welt und in die eigne Seele: stumm versanken im Strom des Schauens zwischen uns die Schranken, es ruhten Welt und Du in Mir gesellt. Dein Auge sah ich wesenlos erhellt: Erleuchtung fluteten, Erleuchtung tranken zusammenströmend unsre Zwiegedanken, in Deiner Seele ruhte meine Welt. Und heilig däuchten mir – ob dumpf und kalt die Welt es leugne – unsrer Lüste Hehle, verklärt zu Lauterkeiten unsre Fehle durch dieses Blickes tiefe Lichtgewalt; denn Inbrunst ist die Freiheit der Gestalt vom Zwang der Welt, vom Bann der eignen Seele.
Lobgesang Wie das Meer ist die Liebe – unaufhörlich, unergründlich, unermeßlich: Woge um Woge drängend getrieben, Woge um Woge wühlend verschlungen, sturm-und-wettergeworfen nun, sonnelachend nun, bebend nun dem Mond die rastlos wechselnde Fläche, – doch in der Tiefe leises Fluten ewiger Ruhe, unerschüttert, undurchdringlich dem suchenden Blick, matt verdämmernd in nächtiges Dunkel, – und in der Weite sanftes Wallen ewiger Ruhe, unbewegt, unerfaßlich dem suchenden Blick, still verschwimmend in Himmelslüfte, – Ahnung der Unendlichkeit — ist das Meer, ist die Liebe.
Liebe Tief und tiefer: seliges Geben, bang Empfangen – welch Verschulden! Schwellend wühlt sich Leben in Leben: wildes Wachsen, stilles Dulden.
Zweier Seelen Lied Lieber Morgenstern, lieber Abendstern, ihr scheint zwei und seid eins. Ob der Tag beginnt, ob die Nacht beginnt, findet euer Schein in uns Zweien die Liebe wach. Lieber Abendstern, lieber Morgenstern, hilf uns Tag für Tag eins sein, bis die letzte Nacht uns eint.
Waldnacht Ganz still ist's, – nur ein Rauschen schwillt durch die Bäume sacht, als ob sie flüsternd lauschen dem Schlummerhauch der Nacht. Und in dem großen Schweigen – da bin ich ganz allein, da bin ich ganz mein eigen: ganz nur Dein.
Allgegenwart Bin ich auch fern dir, bin ich doch bei dir; denn Du bist in mir und Ich in Dir. In jedem Herzschlag, der mich durchwebt, bist Du's, die bebet, bist du's, die lebt. Aus jedem Atemzug ringsum der Allnatur weht mir entgegen Dein Odem nur, – die wir belauscht, beahnt, die wir erfühlten: Alles in Allem mahnt, Seele, an Dich. In Allem fühl' ich dich: dich in dem Sausen, dich in dem Brausen des Winds im Wald, – fühl' in dem Wisperlaut alles des Lebens Dich, in dem Geflüster traut der Wesen Dich, – dich in der Wiesenluft, dich in dem Wasserduft, die mich umhüllen wie Du so still, – Dich in dem Sonnenstrahl, der mir ins Auge bricht, Dich, meine Sonne, mein Lebenslicht, – Dich in der Thräne jetzt, die mir vom Herzen schleicht, sehnend zitternd zum Auge steigt.
Ausblick Jetzt einen Schritt, dann stürzt vom Rande mein Leben in die Schlucht hinab. Wie hängt die Sonne tief im Lande! Ich recke mich auf meinem Stande, und alle Sehnsucht fällt mir ab. Denn dort aus Wald- und Wolkenkränzen ragt mir erreichbar Firn an Firn. Die Wirklichkeit ist ohne Grenzen! Wie nah die fernen Dörfer glänzen, der Strom dazwischen wie ein Zwirn! Ich lehne mich zurück mit Grauen: was ist hier groß, was ist hier klein. Da blüht ein Enzian; nun schauen zwei Menschenaugen in den blauen, einsamen, winzigen Kelch hinein. In gelben Pollen reist der Samen, Unendlichkeiten ahnen mir; und selig ruf' ich einen Namen – Du Mutter meiner Kinder, Amen, mein Leben blüht, ich danke dir!
Hoffe, hoffe! daß auch Ich kann hoffen! Schleicht der Winter schon in unser Leben, das noch kaum ein Frühlingsstrahl getroffen? sahen darum wir den Himmel offen, daß wir nun zu Grabe sollen streben?! Glaube, glaube! nimm mir nicht den Segen, daß ich Einen durch mich glücklich wisse! Oh, es geht sich schwer auf meinen Wegen: Schnee und Eis starrt von den Höh'n entgegen, und im Abgrund gähnen Finsternisse! Nein! von Liebe will ich Nichts dir sagen! mußt es selber fühlen, ob die Gluten dir empor zu heil'gen Flammen schlagen, in der Lohe uns gen Himmel tragen, Schnee und Eis zerschmilzt in Lavafluten.
Je sinnlicher wir leben, desto leichter geht der ganze Stoffwechsel vor sich, desto heiterer wird der Geist, desto gesünder der Körper.