Ich suchte die Unendlichkeit des Glücks. Vielleicht beginnt sie erst mit der Entsagung!
Zuletzt ermessen doch nicht die Glücklichen selbst, sondern nur die Entbehrenden ganz und voll das Glück der Glücklichen. Wohlmeinend mischen die Götter gern einen Tropfen Wermut in jeden Freudenbecher: denn nur das getrübte oder gefährdete Glück kommt zum Bewußtsein.
Das Glück besteht so wenig aus den Dingen, daß es vielleicht am besten ohne sie besteht, und wem die Dinge gleichgültig geworden, der ist dem Geheimnisse des Glücks vielleicht am nächsten.
Ist dir so unbekannt, daß nicht zum Unglück allein, Daß auch zum Glücke Mut gehört?
Die Primeln Sieh, Liebchen, hier im Waldestal das Plätzchen unvergessen, wo kosend wir zum letzten Mal im letzen Herbst gesessen! Und sieh, nun sind in goldner Tracht hier an derselben Stelle die ersten Primeln aufgewacht, als wär's des Lenzes Schwelle! Siehst du, wie Liebe Wunder tut, daß wenn der Schnee zerflossen, dort, wo ein Liebespaar geruht, die ersten Primeln sprossen? Nun wollen doppelt eifrig wir, wenn Moos und Gräsen schwellen, fürs nächste Jahr im Waldrevier die Primelsaat bestellen. Dann lächeln wir ob unserm Streich, wenn Berg und Täler wimmeln und keiner weiß, warum so reich geraten sind die Primeln.
Nichts ist süßer für den Liebenden, als den Aufenthalt der Geliebten so reizvoll als möglich auszuschmücken. Kein Mann schmückt für sich selbst das Haus; für ein geliebtes Weib aber wird auch der Geizhals zum Verschwender.
Ich darf dich nicht lieben und kann dich nicht hassen, Ich darf dich nicht halten und kann dich nicht lassen: O sage, wie lös' ich den bitteren Streit? Und ach, was das innerste Herz mir zerrissen, Ich kann's nicht ertragen – und möcht' es nicht missen Das quälend-verlockende, wonnige Leid. Ich kann dich nicht hassen und darf dich nicht lieben, So steht es im Buch der Geschicke geschrieben – O schmerzlicher Kampf, der das Herz mir entzweit! Ich kann dich nicht lassen und darf dich nicht halten, So wollen es ewiger Sterne Gewalten – O sage, wie lös' ich den bitteren Streit? Vergebens in einsamen Nächten und Tagen Erneur' ich sie ewig, die schwerste der Fragen, Und nähre das quälende, wonnige Leid. Ich darf dich nicht lieben und kann dich nicht hassen, Ich darf dich nicht halten und kann dich nicht lassen – O sage, wie lös' ich den bitteren Streit?
Liebe ist ein Ding, nicht abzuweisen, wenn es kommt, nicht aufzuhalten, wenn es geht. Ein Gefühl ist sie, das entarten kann zur Tyrannei, indem sie das Geliebte zum willenlosen Werkzeug machen will. Diesen Drang zur Entartung muß sie zu unterdrücken wissen.
Waltete Liebe nicht, ewige Güte, Irdisches triebe nicht himmlische Blüte.
Süß ist's, wenn liebend uns das Ich entschwindet, Doch süßer, wenn's geliebt sich wiederfindet.
Zarte Liebe spricht in Farben Zarte Liebe spricht inFarben, Nicht inTönenwill sie fleh'n: Worte, die im Munde starben, In den Wangen aufersteh'n. Dir hab' ich in Aug' und Wangen Liebesworte blüh'n geseh'n; AchmeinSehnen und Verlangen Magst du stumm nun auch versteh'n. Lass, die mir im Munde starben, Meine Worte, schweigend fleh'n: Blühen will die Lieb' in Farben, Nicht in Tönen rasch verweh'n.
Wem nicht die Natur, die heil'ge, Die geheimnißvolle Mutter, Gab das Leben durch die Liebe, Gab das Leben in der Liebe, Dem verweigert auch den Tod sie, Und den schönsten Tod vor Allem, Das Ersterben in der Liebe – Und kein Grab der sel'gen Ruhe, Keine Stätte ew'gen Friedens Hat für ihn das weite Weltall.
Es ist wunderbar, welche Kraft weise Gedanken aus einem schönen Munde haben.
Wenn der Mensch zu seinem Leid von heute nicht noch sein Leid von gestern und sein Leid von morgen hinzurechnen würde, so wäre jedes Schicksal erträglich!
Der Menschensohn, der schicksallos sich glaubt, Ihn blickt der Genius der Menschheit schon Mitleid’gen Auges an, und sieht die Stunde Beflügelt nah’n, die sein Geschick erfüllt.
Die erzwungene, nicht natürliche Strenge bei Kindern ist so wenig wert und so unwirksam als erzwungene, nicht natürliche Liebe und Milde.
Menschen für sich geben nicht Menschen zu zweien. Ehe und Haus vertragen keine Originale.
Das Band der Liebe und einer schrankenlosen Hingebung mag zwei Herzen noch so lange und glücklich vereinigt haben, das Band, das Hymen um sich schlingt, bereitet ihnen doch ein neues, bis dahin unbekanntes Glück. Die Ehe hat wie die Liebe ihren besonderen Honigmond. Täglich neu sich verlieren und täglich neu sich wiederfinden, mag dem Honigmond der Liebe seine Würze verleihen: aber auch das Bewußtsein, sein schönstes Glück immer nahe zu haben, ist beneidenswert.
Es scheint mir also die Sicherung des Glückes in der Liebe und Ehe nicht anders möglich, als dadurch, daß der Mann dem Weibe als der beste aller Männer, das Weib dem Manne als das beste aller Weiber zu erscheinen sich bestrebe. Viele fordern von andern die Liebe als eine Pflicht, was sehr unbillig ist. Man muß sie zu verdienen suchen und fortwährend sie zu nähren bemüht sein.