Søren Kierkegaard (1813–1855)

67 Sprüche Romantik

Ach, die Tür des Glückes geht nicht nach innen, so daß man auf dieselbe losstürmen und sie aufdrücken könnte. Sie geht nach außen; man kann also nichts dabei machen.

Kierkegaard, Entweder – Oder. Ein Lebensfragment (Enten – Eller. Et Livs-Fragment), Erstdruck unter dem Pseudonym Victor Eremita 1843. Erster Teil. Diapsalmata. Übersetzt von Alexander Michelsen und Otto Gleiß, 1885

Was ist Jugend? Ein Traum. Was ist Liebe? Des Traumes Inhalt.

Kierkegaard, Entweder – Oder. Ein Lebensfragment (Enten – Eller. Et Livs-Fragment), Erstdruck unter dem Pseudonym Victor Eremita 1843. Erster Teil. Diapsalmata. Übersetzt von Alexander Michelsen und Otto Gleiß, 1885

In der Liebe wagen die vorsichtigsten und scheuesten Menschen oft die verzweifeltsten Sachen.

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Wie der stille See seinen dunklen Grund in der tiefen Quelle hat, so hat die Liebe eines Menschen ihren rätselhaften Grund in der Liebe Gottes.

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Sich um die Liebe zu betrügen, ist der fürchterlichste Betrug; es ist ein ewiger Verlust, der sich nie ersetzen läßt, weder in der Zeit noch in der Ewigkeit.

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In der Liebe erfolgt das Avancement nicht nach dem Anciennitätsprinzip.

Kierkegaard, Entweder – Oder. Ein Lebensfragment (Enten – Eller. Et Livs-Fragment), Erstdruck unter dem Pseudonym Victor Eremita 1843. Übersetzt von Christoph Schrempf und Wolfgang Pfleiderer, 1922

Die Liebe hat viele Mysterien, und dies erste Verliebtsein ist auch ein Mysterium, wenn es auch nicht das größte ist – die meisten Menschen sind in ihrer Leidenschaft wie wahnsinnig, sie verloben sich oder machen andre dumme Streiche, und in einem Augenblick ist alles zu Ende, und sie wissen weder, was sie erobert, noch was sie verloren haben.

Kierkegaard, Entweder – Oder. Ein Lebensfragment (Enten – Eller. Et Livs-Fragment), Erstdruck unter dem Pseudonym Victor Eremita 1843. Erster Teil. Das Tagebuch des Verführers. Übersetzt von Alexander Michelsen und Otto Gleiß, 1885

Was liebt die Liebe? – Ein Eingefriedigtes. War nicht das Paradies ein eingeschlossener Ort, ein Garten gegen Osten? – Aber er schließt sich zu dicht um einen, dieser Ring – man tritt dem Fenster näher, ein stiller See verbirgt sich demütig in der hohem Umgebung – am Ufer liegt ein Boot. Ein Seufzer aus vollem Herzen, der Hauch eines unruhigen Gedankens – und es geht vom Ufer ab, gleitet über den See, von den milden Lüften einer unnennbaren Sehnsucht leise getrieben; man verschwindet in der geheimnisvollen Einsamkeit des Waldes, wird von den leichten Wellen des Sees geschaukelt, der von dem tiefen Dunkel des Waldes träumt. – Man wendet sich nach der andern Seite hin, da breitet das Meer sich unendlich vor dem Auge aus. – Was liebt die Liebe? – Unendlichkeit. – Was fürchtet die Liebe? – Eine Grenze.

Kierkegaard, Entweder – Oder. Ein Lebensfragment (Enten – Eller. Et Livs-Fragment), Erstdruck unter dem Pseudonym Victor Eremita 1843. Erster Teil. Das Tagebuch des Verführers. Übersetzt von Alexander Michelsen und Otto Gleiß, 1885

Nur wenn das Lieben Pflicht ist, nur dann ist die Liebe ewig glücklich gegen Verzweiflung gesichert.

Kierkegaard, Leben und Walten der Liebe (Kjerlighedens Gjerninger), 1847. Übersetzt von Albert Dorner, 1890

Liebe ist Hingebung, Hingebung aber ist nur möglich, wenn man aus sich selber herausgeht.

Kierkegaard, Entweder – Oder. Ein Lebensfragment (Enten – Eller. Et Livs-Fragment), Erstdruck unter dem Pseudonym Victor Eremita 1843. Zweiter Teil. Die ästhetische Gültigkeit der Ehe. Übersetzt von Alexander Michelsen und Otto Gleiß, 1885

Mit der Liebe zu Gott und der Liebe zu den Menschen verhält es sich wie mit zwei Türen, die sich nur gleichzeitig öffnen und schließen lassen.

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Geliebt werden heißt: Hilfe erhalten, Gott zu lieben.

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Als Weib haßt sie mich – als begabtes Weib fürchtet sie mich – und als guter Kopf – liebt sie mich.

Kierkegaard, Entweder – Oder. Ein Lebensfragment (Enten – Eller. Et Livs-Fragment), Erstdruck unter dem Pseudonym Victor Eremita 1843. Erster Teil. Das Tagebuch des Verführers. Übersetzt von Alexander Michelsen und Otto Gleiß, 1885

Vorgelesen den Symparanekrômenoi Abgeschworen mag die Liebe immer sein: Liebeszauber wiegt in dieser Höhle Die berauschte, überraschte Seele In Vergessenheit des Schwures ein.

Kierkegaard, Entweder – Oder. Ein Lebensfragment (Enten – Eller. Et Livs-Fragment), Erstdruck unter dem Pseudonym Victor Eremita 1843. Erster Teil. Schattenrisse. Übersetzt von Alexander Michelsen und Otto Gleiß, 1885

Das Ewige ist, den blauen Bergen gleich, die Grenze für die Zeitlichkeit, wer aber kraftvoll in der Zeitlichkeit lebt, gelangt nicht zur Grenze.

Kierkegaard, Der Begriff Angst (Begrebet Angest), veröffentlicht unter dem Pseudonym Vigilius Haufniensis (der Hüter Kopenhagens) 1844

Es ist ganz wahr, was die Philosophie sagt, daß das Leben rückwärts verstanden werden muß. Aber darüber vergißt man den andern Satz, daß vorwärts gelebt werden muß.

Kierkegaard, Die Tagebücher 1834-1855, Auswahl und Übertragung von Theodor Haecker, 2 Bde., 1923. 1843

Die meisten Menschen klagen darüber, daß die Welt so prosaisch sei, daß es im Leben nicht so zugehe, wie im Roman, wo die Gelegenheit immer so günstig sei. Ich klage darüber, daß es im Leben nicht ist, wie im Roman, wo man hartherzige Väter, Kobolde und Zauberer zu bekämpfen, verzauberte Prinzessinen zu befreien hat.

Kierkegaard, Entweder – Oder. Ein Lebensfragment (Enten – Eller. Et Livs-Fragment), Erstdruck unter dem Pseudonym Victor Eremita 1843. Erster Teil. Diapsalmata. Übersetzt von Alexander Michelsen und Otto Gleiß, 1885

Wer sich selber ewig besitzt, kann weder zu früh noch zu spät in die Welt kommen, und wer sich selber in seinem ewigen Wert besitzt, der findet auch einen Platz in diesem Leben, welchen er ganz und voll ausfüllen kann.

Kierkegaard, Entweder – Oder. Ein Lebensfragment (Enten – Eller. Et Livs-Fragment), Erstdruck unter dem Pseudonym Victor Eremita 1843. Zweiter Teil. Das Gleichgewicht des Ästhetischen und Ethischen in der Entwickelung der Persönlichkeit. Übersetzt von Alexander Michelsen und Otto Gleiß, 1885

Der Mensch muß so leben, daß er Stunden und Zeiten hat, da er sein Gemüt sammelt, daß sein Leben an Durchsichtigkeit gewinne.

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Das ist der Weg, den alle gehen müssen: über die Seufzerbrücke hinein in die Ewigkeit.

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Die Philosophen haben recht, wenn sie sagen: Wenn du das Leben verstehen willst, blicke in die Vergangenheit. Sie vergessen aber, daß, wenn du leben willst, du dich der Zukunft zuwenden mußt.

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