Drum, geht auch ein düstrer Moment durchs Leben - ist's licht im Herzen, wird's bald wieder hell; und wer sich den fröhlichen Stunden ergeben, der ist dem Glück ein willkommener Gesell.
Ach! so ist der Menschen Geschlecht: – wir sehnen und hoffen Und das ersehnte Glück wird uns, errungen, zur Last.
Es ist so schön, die Menschen glücklich machen; Du kannst es jetzt. O, nicht den schönen Augenblick verletzt! Es wachen Viel gute Geister über unsre Schmerzen, Und ob man Augen trocknet oder netzt, Das schreiben sie in ihre klaren Herzen.
Der hat nie das Glück empfunden, Dem des Lebens gleiche Stunden Ewig in der Freude Wehn Ohne Schmerz vorüber gehn. Aber wem nach langen Qualen Mit der Liebe Frühlingsstrahlen Grüßend winkt der Freude Blick, Der allein versteht das Glück.
Erst seit ich liebe, ist das Leben schön; erst seit ich liebe, weiß ich, daß ich lebe.
Die Liebe hat kein Maß der Zeit. Sie keimt und blüht und reift in einer schönen Stunde.
Die Harmonie der Liebe Einst vom Schlummer überwältigt Lag ich auf der weichen Matte, Und im Traume nahte Phöbos, In der Hand die Leier haltend. Golden wiegten sich die Locken Auf der hohen Götterstirne, Und, den Feuerblick des Auges Seiner Sonne zugewendet, Griff er mutig in die Saiten. Da umrauschten Harmonien Himmlisch meine trunknen Sinne, Und das Lied des Götterjünglings Strömte feurig durch die Glieder. Plötzlich aber schwang der Sänger Auf sich von der stolzen Erde, Und, den goldnen Sternen näher, Schwand das hohe Lied des Gottes, Immer leise, immer leiser, Bis das Element des Einklangs Sich in süßes Wehn verwandelt. Da erwacht' ich, und, Apollos Liede noch begierig lauschend, Griff ich hastig nach der Leier, Um den Nachhall meines Herzens Auszuatmen in der Saiten Süß berauschendem Getöne. Doch ich suchte nur vergebens Nach der Harmonie des Gottes, Und der Saiten stimmte keine Mit dem himmlisch reinen Liede, Das mir tief im Herzen wogte. Finster starrt' ich in die Lüfte Und verwünschte meine Leier. Plötzlich aber weckten Küsse Mich aus meinen düstern Träumen. Leis' war Chloris hergeschlichen Und verscheuchte schnell den Unmut Durch das süße Spiel der Liebe. Ach, und jetzt in ihren Armen, Ihr am liebewarmen Busen, Strömte mir ein neues Leben, Neue Kraft durch alle Glieder, Und der Liebe süß'ster Einklang Wogte mir im trunknen Herzen Schöner, heiliger und reiner Als das Lied des Götterjünglings.
Der Liebe erster Ruf Ergreift die Mädchenseele mädchenhaft, Wie sie den Jüngling jugendlich begeistert, Daß er nach Kampf und kühner Tat verlangt.
Des ird'schen Lebens ganze Seligkeit Keimt in zwei Herzen, wo die Liebe waltet.
Warm schlägt das Blut ja überall; die Sonne färbt nur die Haut, die Seelen färbt sie nicht, und Lieb' und Mitleid hängt an keiner Farbe.
Armes Herz, du konntest wähnen? Ach, dein Glaube war so süß! Doch umsonst nur ist dein Sehnen Nach der Liebe Paradies. Froh schlugst du mit tiefem Beben Für das heil'ge Wunderland, Doch vernichtet ward dein Streben, Und der schöne Traum verschwand.
Ach, der Liebe Glück und Freuden hat kein Sterblicher gezählt!
Liebe führt durch Nacht und Dunkel Uns zur höchsten Erdenlust, Liebe löst und Liebe bindet, Liebe sucht und Liebe findet Ihren Weg zu jeder Brust. Was die Herzen feindlich trennte, Trotzt vergeblich ihrer Macht; Und es schmücken öde Fluren Herrlich sie auf ihren Spuren Mit erneuter Frühlingspracht, Und so mag sie freundlich walten, Lieblich ihre Myrte blühn! Wo sich einst zu schönen Stunden Reine Seelen fest verbunden, Bleibt sie ewig jung und grün.
Ach! es haben Die Menschen nur die kleine Spanne Zeit; Sie ist ein Augenblick für ihre Freuden, Und eine Ewigkeit für ihren Schmerz.
Wer das Leben liebt und den Tod nicht scheut, geht fröhlich hin durch die sinkende Zeit.