Verloren Was Holdes liegt mir in dem Sinn, Das ich vor Zeit einmal besessen; Ich weiß nicht, wo es kommen hin, Auch, was es war, ist mir vergessen. Vielleicht – am fernen Waldesrand, Wo ich am lichten Junimorgen – Die Kinder klein und klein die Sorgen – Mit dir gesessen Hand in Hand, Indes vom Fels die Quelle tropfte, Die Amsel schallend schlug im Grund, Mein Herz in gleichen Schlägen klopfte Und glücklich lächelnd schwieg dein Mund; In grünen Schatten lag der Ort – Wenn nur der weite Raum nicht trennte, Wenn ich nur dort hinüberkönnte, Wer weiß! – vielleicht noch fänd ich's dort.
Was ist Glück? Die Augenblicke wunschloser Hingebung, sei es an Menschen oder Dinge, oder die Augenblicke der Arbeit […], wo wir fühlen, daß wir das, was in uns nach Gestaltung drängt, voll und immer voller ausprägen – das z.B. ist für mich Glück.
Das ist das Größte, was dem Menschen gegeben ist, daß es in seiner Macht steht, grenzenlos zu lieben.
So komme, was da kommen mag solange du lebst, ist es Tag Und geht es in die Welt hinaus wo Du mir bist, bin ich zu Haus. Ich seh’ Dein liebes Angesicht ich seh’ die die Schatten der Zukunft nicht.
Noch einmal Noch einmal fällt in meinen Schoß die rote Rose Leidenschaft; noch einmal hab' ich schwärmerisch in Mädchenaugen mich vergafft. Noch einmal legt ein junges Herz an meines seinen starken Schlag; noch einmal weht an meine Stirn ein juniheißer Sommertag.
Im Volkston Als ich dich kaum gesehn, mußt es mein Herz gestehn, ich könnt dir nimmermehr vorübergehn. Fällt nun der Sternenschein nachts in mein Kämmerlein, lieg ich und schlafe nicht und denke dein. Ist doch die Seele mein so ganz geworden dein, zittert in deiner Hand, tu ihr kein Leid! 2 Einen Brief soll ich schreiben meinem Schatz in der Fern; sie hat mich gebeten, sie hätt´s gar zu gern. Da lauf ich zum Krämer, kauf Tint und Papier und schneid mir ein´ Feder und sitz nun dahier. Als wir noch mitsammen uns lustig gemacht, da haben wir nimmer ans Schreiben gedacht. Was hilft mir nun Feder und Tint und Papier! Du weißt, die Gedanken sind allzeit bei dir.
Wollen wir uns nicht alle erdenkbare Liebe erweisen, solange wir noch leben? Wir wissen ja nicht, wie lange uns das noch vergönnt sein wird.
Im bunten Zug zum Walde ging's hinaus. Du bei den Kindern bliebst allein zu Haus. Und draußen haben wir getanzt, gelacht, und kaum, so war mir, hatt' ich dein geacht. Nun kommt der Abend, und die Zeit beginnt, wo sich selbst die Seele besinnt; nun weiß ich auch, was mich so froh ließ sein, du warst es doch und du nur ganz allein.
Als ich dich kaum gesehn, Mußt' es mein Herz gestehn, Ich könnt' dir nimmermehr Vorübergehn.
Ich bin mir meiner Seele In deiner nur bewußt, Mein Herz kann nimmer ruhen, Als nur in deiner Brust! Mein Herz kann nimmer schlagen Als nur für dich allein. Ich bin so ganz dein eigen, So ganz auf immer dein.
Rote Rosen Wir haben nicht das Glück genossen In irdischer Gelassenheit, In Qualen ist's emporgeschossen, Wir wußten nichts von Seligkeit. Verzehrend kam's in Sturm und Drange; Ein Weh nur war es, keine Lust! Es bleichte deine zarte Wange Und brach den Atem meiner Brust. Es schlang uns ein in wilde Fluten, Es riß uns in den jähen Schlund; Zerschmettert fast und im Verbluten Lag endlich trunken Mund auf Mund. Des Lebens Flamme war gesunken; Des Lebens Feuerquell verrauscht, Bis wir auf's neu den Götterfunken Umfangend, selig eingetauscht.
Geflüster der Nacht Es ist ein Flüstern in der Nacht, Es hat mich ganz um den Schlaf gebracht; Ich fühl's, es will sich was verkünden Und kann den Weg nicht zu mir finden. Sind's Liebesworte, vertrauet dem Wind, Die unterwegs verwehet sind? Oder ist's Unheil aus künftigen Tagen, Das emsig drängt sich anzusagen?
Dämmerstunde Im Sessel du, und ich zu deinen Füßen, Das Haupt dir zugewendet, saßen wir; Und sanfter fühlten wir die Stunden fließen, Und stiller ward es zwischen mir und dir; Bis unsre Augen ineinander sanken Und wir berauscht der Seele Atem tranken.
Über die Heide Über die Heide hallet mein Schritt; dumpf aus der Erde wandert es mit. Herbst ist gekommen, Frühling ist weit – gab es denn einmal selige Zeit? Brauende Nebel geistern umher; schwarz ist das Kraut und der Himmel so leer. Wär' ich hier nur nicht gegangen im Mai! Leben und Liebe – wie flog es vorbei!
Dämmerstunde Im Nebenzimmer saßen ich und du; Die Abendsonne fiel durch die Gardinen; Die fleißigen Hände fügten sich der Ruh, Vom roten Licht war deine Stirn beschienen. Wir schwiegen beid'; ich wußte mir kein Wort, Das in der Stunde Zauber mochte taugen; Nur nebenan die Alten schwatzten fort - Du sahst mich an mit deinen Märchenaugen.
Ich wand ein Sträußchen morgens früh, Das ich der Liebsten schickte; Nicht ließ ich sagen ihr, von wem Und wer die Blumen pflückte. Doch als ich abends kam zum Tanz Und tat verstohlen und sachte, Da trug sie die Nelken am Busenlatz Und schaute mich an und lachte.
Wer je gelebt in Liebesarmen Wer je gelebt in Liebesarmen, Der kann im Leben nie verarmen; Und müßt' er sterben fern, allein, Er fühlte noch die sel'ge Stunde, Wo er gelebt an ihrem Munde, Und noch im Tode ist sie sein.
In böser Stunde Ein schwaches Stäbchen ist die Liebe, Das deiner Jugend Rebe trägt, Das wachsend bald der Baum des Lebens Mit seinen Ästen selbst zerschlägt Und drängtest du mit ganzer Seele Zu allerinnigstem Verein, Du wirst am Ende doch, am Ende Nur auf dir selbst gelassen sein.
Lose Der einst seine junge Sonnige Liebe gebracht, Die hat ihn gehen heißen, Nicht weiter sein gedacht. Darauf hat er heimgeführet Ein Mädchen still und hold; Die hat aus allen Menschen Nur einzig ihn gewollt. Und ob sein Herz in Liebe Niemals für sie gebebt: Sie hat um ihn gelitten Und nur für ihn gelebt.
Das Käuzlein sitzt der Kauz im Ulmenbaum Und heult und heult im Ulmenbaum. Die Welt hat für uns beide Raum! Was heult der Kauz im Ulmenbaum Von Sterben und von Sterben? Und übern Weg die Nachtigall, Genüber pfeift die Nachtigall. O weh, die Lieb ist gangen all! Was pfeift so süß die Nachtigall Von Liebe und von Liebe? Zur Rechten hell ein Liebeslied, Zur Linken grell ein Sterbelied! Ach, bleibt denn nichts, wenn Liebe schied, Denn nichts als nur ein Sterbelied Kaum wegbreit noch hinüber?