Voltaire (1694–1778)

125 Sprüche Aufklärung

Dies ist der Gipfel des Monströsen und Lächerlichen, Gott als einen kleinlichen, unsinnigen und barbarischen Despoten zu verkünden, der einigen seiner Favoriten heimlich ein unverständliches Gesetz mitteilt und die übrigen des Volkes umbringt, weil sie dieses Gesetz nicht gekannt haben.

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Gott erschuf dich, damit du ihn liebst, nicht damit du ihn verstehst.

Voltaire, Die Liga oder Heinrich der Große (La Ligue ou Henri le Grand), 1723

Es steht mir nicht zu, die Gerechtigkeit Gottes und seine Gnade abzuwägen.

Voltaire, Geschichte von Jenni oder Der Atheist und der Weise (Histoire de Jenni ou l'athée et le sage), 1775

Glaubt ihr allen Ernstes, es gebe irgendwo ein Wesen, das immerfort dafür sorgt, daß alle bösen Frauen und alle perversen Männer, die allenthalben unsere kleine Welt be- und entvölkern, bestraft werden?

Voltaire, Geschichte von Jenni oder Der Atheist und der Weise (Histoire de Jenni ou l'athée et le sage), 1775

Ihr fragt mich, wo Gott ist; ich weiß es nicht, und ich soll es nicht wissen. Ich weiß, daß er ist.

Voltaire, Geschichte von Jenni oder Der Atheist und der Weise (Histoire de Jenni ou l'athée et le sage), 1775

Wenn Gott nicht existierte, so müsste man ihn erfinden; aber die ganze Natur ruft uns zu, dass er ist.

Voltaire, Briefe. An den Prinzen Heinrich von Preußen, 28. November 1770

Die Voraussicht schenkte uns Hoffnung und Schlaf als Ausgleich für die vielen Sorgen des Lebens.

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Wo ist der gerechte und rächende Gott? Nein, bei Gott, es gibt keinen Gott.

Voltaire, Geschichte von Jenni oder Der Atheist und der Weise (Histoire de Jenni ou l'athée et le sage), 1775

Das Vergnügen ist etwas Göttliches, und ich bin der Meinung, daß jedermann, der guten Tokaier trinkt, der eine schöne Frau küßt, mit einem Wort, der angenehme Empfindungen hat, ein wohltätiges höchstes Wesen anerkennen muß.

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Die Erkenntnis eines Gottes ist uns nicht von der Natur eingeprägt. Sonst hätten alle Menschen die gleiche Vorstellung.

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Es ziemt uns nicht, Gott menschliche Attribute beizulegen, es ziemt uns nicht, Gott nach unserm Bilde zu schaffen. Menschliche Gerechtigkeit, menschliche Güte, menschliche Weisheit, das Alles läßt sich unmöglich auf ihn übertragen.

Voltaire, Philosophisches Wörterbuch (Dictionnaire philosophique portatif), 1764. Über das Gute und das Böse in der physischen und in der moralischen Welt (›Bien‹ (Vom Guten))

Wahrheiten sind Früchte, die nur ganz reif gepflückt werden dürfen.

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Der Friede ist noch mehr wert als die Wahrheit; ich habe den einen weder die andere kaum je angetroffen in dieser Welt.

Voltaire, Briefe. An M. de Meiran, 5. Mai 1741. Übers. Internet

Es gibt Wahrheiten, die gelten weder für alle Menschen noch für alle Zeiten.

Voltaire, Briefe. An Kardinal Bernis

Ach, wenn wir schon Fabeln und Wundergeschichten nötig haben, so sollen sie wenigstens ein Symbol der Wahrheit sein!

Voltaire, Der Freimütige (Le Huron ou l'Ingénu), 1767

Den Lebenden schuldet man Respekt, aber den Toten schuldet man nichts als die Wahrheit.

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Es gibt keine unbestrittene Wahrheit.

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Die Vielzahl an Wahrheiten und Schriften ist so ausgeartet, daß wir sehr schnell Zuflucht zu Bruchstücken nehmen werden.

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Die Wahrheit ist eine Frucht, die wir nur ernten können, wenn sie reif ist.

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Es gibt etwas von Ewigkeit her, denn nichts stammt von nichts. Das ist eine sichere Wahrheit, auf die sich unser Geist verlassen kann.

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Schade, daß man einen Teil seines Lebens damit hinbringen muß, alte Zauberschlösser zu zerstören. Es wäre ja besser, Wahrheiten festzustellen, als Lügen zu untersuchen. Aber wo sind die Wahrheiten?

Voltaire, Kleine philosophische Aufsätze. Was können wir wissen?