Wilhelm Busch (1832–1908)

114 Sprüche Romantik

Manche Wahrheitensollennicht gesagt werden, manchebrauchen's nicht, manchemüssenes.

Busch, Aphorismen, Reime und Sinnsprüche. Sprikker

Ach, meine liebe Frau Anderson! Werden wir jemals die Wahrheit in Worten fangen? – Nie!

Busch, W., Briefe. An Maria Anderson, 2. April 1875

Nur in der Tiefe der Seele, mit Hilfe jener Kraft, die stärker ist als alle Vernünftigkeit, kann Trost und Ruhe gefunden werden.

Busch, Aphorismen, Reime und Sinnsprüche

Seelenwanderung Wohl tausendmal schon ist er hier Gestorben und wieder geboren, Sowohl als Mensch wie auch als Tier, Mit kurzen und langen Ohren. Jetzt ist er ein armer blinder Mann, Es zittern ihm alle Glieder, Und dennoch, wenn er nur irgend kann, Kommt er noch tausendmal wieder.

Busch, W., Gedichte. Zu guter Letzt, 1904

Es geht der Krieger, der gerechte, Mit frohem Mute zum Gefechte. Indessen ist es ihm doch lieber, Wenn alles erst mal gut vorüber.

Busch, W., Briefe. Sämtliche Briefe. Band II: Briefe 1893 bis 1908, Hannover 1969

Gedrungen Schnell wachsende Keime Welken geschwinde; Zu lange Bäume Brechen im Winde. Schätz nach der Länge Nicht das Entsprungne! Fest im Gedränge Steht das Gedrungne.

Busch, W., Gedichte. Schein und Sein, 1909

Wer mal so ist, der bleibt auch so.

Busch, Aphorismen, Reime und Sinnsprüche

Hinten herum Ein Mensch, der etwas auf sich hält, Bewegt sich gern in feiner Welt; Denn erst in weltgewandten Kreisen Lernt man die rechten Redeweisen, Verbindlich, aber zugespitzt Und treffend, wo die Schwäre sitzt. Es ist so wie mit Rektor Knaut, Der immer lächelt, wenn er haut. Auch ist bei Knaben weit berüchtigt Das Instrument, womit er züchtigt. Zu diesem Zweck bedient er nämlich, Als für den Sünder gut bekömmlich, Sich einer schlanken Haselgerte, Zwar biegsam, doch nicht ohne Härte, Die sich, von rascher Hand bewegt, Geschmeidig um die Hüften legt. Nur wer es fühlte, der begreift es: Vorn schlägt er zu und hinten kneift es.

Busch, W., Gedichte. Zu guter Letzt, 1904

Bei den besten Menschen, die mir begegnet, habe ich noch immer die Reißzähne von den Schneidezähnen ganz deutlich unterscheiden können.

Busch, W., Briefe. An Marie Anderson, 16. April 1875