Wilhelm Busch (1832–1908)

114 Sprüche Romantik

Strebsam Mein Sohn, hast du allhier auf Erden Dir vorgenommen, was zu werden, Sei nicht zu keck; Und denkst du, sei ein stiller Denker. Nicht leicht befördert wird der Stänker. Mit Demut salbe deinen Rücken, Voll Ehrfurcht hast du dich zu bücken, Mußt heucheln, schmeicheln, mußt dich fügen; Denn selbstverständlich nur durch Lügen Kommst du vom Fleck. Oh, tu's mit Eifer, tu's geduldig, Bedenk, was du dir selber schuldig. Das Gönnerherz wird sich erweichen, Und wohl verdient wirst du erreichen Den guten Zweck.

Busch, W., Gedichte. Zu guter Letzt, 1904

Einszweidrei, im Sauseschritt Läuft die Zeit; wir laufen mit. –

Busch, Bildergeschichten. Julchen, 1877

Scheint dir auch mal das Leben rauh, sei still und zage nicht, die Zeit, die alte Bügelfrau, macht alles wieder schlicht.

Busch, W., Gedichte. Zu guter Letzt, 1904

Hartnäckig weiter fließt die Zeit, die Zukunft wird Vergangenheit. Aus einem großen Reservoir ins andre rieselt Jahr um Jahr.

Busch, Bildergeschichten. Maler Klecksel, 1884

Laßt uns lieben, singen, trinken, Und wir pfeifen auf die Zeit; Selbst ein leises Augenwinken Zuckt durch alle Ewigkeit.

Busch, W., Gedichte. Kritik des Herzens, 1874. Aus: Seid mir nur nicht gar so traurig

Es tut die vielgeschmähte Zeit doch mancherlei, was uns erfreut; und, was das Beste, sie vereinigt selbst Leute, die sich einst gepeinigt.

Busch, Bildergeschichten. Maler Klecksel, 1884

Seid mir nur nicht gar so traurig, Daß die schöne Zeit entflieht, Daß die Welle kühl und schaurig Uns in ihre Wirbel zieht; Daß des Herzens süße Regung, Daß der Liebe Hochgenuß, Jene himmlische Bewegung, Sich zur Ruh begeben muß. Laßt uns lieben, singen, trinken, Und wir pfeifen auf die Zeit; Selbst ein leises Augenwinken Zuckt durch alle Ewigkeit.

Busch, W., Gedichte. Kritik des Herzens, 1874

Als mir die Zeit entgegenkam, Erschien sie mir hübsch wundersam Und angenehm und lecker. Sie ging vorüber, und – o weh! – Nun, da ich sie von hinten seh', Bemerk' ich ihren Höcker.

Busch, Aphorismen, Reime und Sinnsprüche. Wir Kinder der Vergangenheit …

Tausend Jahre, mit dem unendlichen Halm gemessen, sind bloß ein Stück Häckerling.

Busch, Aphorismen, Reime und Sinnsprüche

Wanderlust Die Zeit, sie orgelt emsig weiter, Sein Liedchen singt dir jeder Tag, Vermischt mit Tönen, die nicht heiter, Wo keiner was von hören mag. Sie klingen fort. Und mit den Jahren Wird draus ein voller Singverein. Es ist, um aus der Haut zu fahren. Du möchtest gern wo anders sein. Nun gut. Du mußt ja doch verreisen. So fülle denn den Wanderschlauch. Vielleicht vernimmst du neue Weisen, Und Hühneraugen kriegst du auch.

Busch, W., Gedichte. Schein und Sein, 1909

Lieder eines Lumpen I. Als ich ein kleiner Bube war, War ich ein kleiner Lump; Zigarren raucht' ich heimlich schon, Trank auch schon Bier auf Pump. Zur Hose hing das Hemd heraus, Die Stiefel lief ich krumm, Und statt zur Schule hinzugeh'n, Strich ich im Wald herum. Wie hab' ich's doch seit jener Zeit So herrlich weit gebracht! – Die Zeit hat aus dem kleinen Lump 'n großen Lump gemacht.

Busch, in: Fliegende Blätter und Münchner Bilderbogen, 1859-71

Die Zeit, die wesenlose, Verschwindet als wie ein Traum.

Busch, W., Gedichte. Schein und Sein, 1909. Aus: Immerhin

Denn früh belehrt ihn die Erfahrung: Sobald er schrie, bekam er Nahrung.

Busch, Bildergeschichten. Maler Klecksel, 1884

Wem Mutter Natur ein Gärtchen gibt und Rosen, dem gibt sie auch Raupen und Blattläuse, damit er’s verlernt, sich über Kleinigkeiten zu entrüsten.

Busch, Aphorismen, Reime und Sinnsprüche. Sprikker

Es kam ein Lump mir in die Quer Und hielt den alten Felbel her. Obschon er noch gesund und stark, Warf ich ihm dennoch eine Mark Recht freundlich in den Hut hinein. Der Kerl schien Philosoph zu sein. Er sprach mit ernstem Bocksgesicht: »Mein Herr, Sie sehn, ich danke nicht. Das Danken bin ich nicht gewohnt. Ich nehme an, Sie sind gescheit Und fühlen sich genug belohnt Durch Ihre Eitelkeit.«

Busch, W., Gedichte. Kritik des Herzens, 1874

Gedanken sind nicht stets parat, man schreibt auch, wenn man keine hat.

Busch, Aphorismen, Reime und Sinnsprüche. Sprikker

Lästige Gedanken = zudringliche Stechmücken.

Busch, Aphorismen, Reime und Sinnsprüche. Sprikker

Neue Gedanken sind nicht häufig; Sag uns die alten nur geläufig.

Busch, Aphorismen, Reime und Sinnsprüche. Sprikker

Es wohnen die hohen Gedanken In einem hohen Haus. Ich klopfte, doch immer hieß es: Die Herrschaft fuhr eben aus! Nun klopf ich ganz bescheiden Bei kleineren Leuten an. Ein Stückel Brot, ein Groschen Ernähren auch ihren Mann.

Busch, W., Gedichte. Kritik des Herzens, 1874

Gebraucht sind die Gedankensachen schon alle, seit die Welt besteht.

Busch, W., Gedichte. Zu guter Letzt, 1904. Aus: Erneuerung

Kein Leugnen hilft, kein Widerstreben, wir müssen sterben, weil wir leben.

Busch, Aphorismen, Reime und Sinnsprüche. Wir Kinder der Vergangenheit …