Wilhelm Busch (1832–1908)

114 Sprüche Romantik

Der Zustand vor jedem Dasein war besser, war unsere Heimat.

Busch, Bildergeschichten. Julchen, 1877

Wie sorglich blickt das Aug' umher! Wie freut man sich, wenn der und der, Noch nicht versunken oder matt, Den Kopf vergnügt heroben hat.

Busch, Bildergeschichten. Maler Klecksel, 1884

Wie das so wechselt Jahr um Jahr, Betracht ich fast mit Sorgen. Was lebte, starb, was ist, es war, Und heute wird zu morgen.

Busch, W., Gedichte. Zu guter Letzt, 1904. Aus: Immer wieder

Für ewig aus dunkler Tiefe Sprudelt der Lebensquell.

Busch, W., Gedichte. Schein und Sein, 1909. Aus: Immerhin

Das Leben ist ein Irrtum! Ich denke ihn weg!

Busch, Eduards Traum, 1891

Das Leben ist eine Schuld! Ich sitze sie ab!

Busch, Eduards Traum, 1891

Stammbuchvers (1) Wenn man sich einander kennet Und sich Freund und Freundin nennet, Reißt des Schicksals Donnerwort Uns aus unsern Armen fort. Doch, obschon dies zu beklagen, Muß man nicht sogleich verzagen, Denn der Freundschaft lange Hand Reicht bis durch den Zollverband.

Busch, in: Fliegende Blätter und Münchner Bilderbogen, 1859-71

Es saßen einstens beieinand zwei Knaben, Fritz und Ferdinand. Da sprach der Fritz:"Nun gib mal acht, was ich geträumt vergangne Nacht. – "Ich stieg in einen schönen Wagen, der war mit Gold beschlagen. Zwei Englein spannten sich davor, die zogen mich zum Himmelstor. Gleich kamst du auch und wolltest mit und sprängest auf den Kutschentritt, jedoch ein Teufel schwarz und groß, der nahm dich hinten bei der Hos' und hat dich in die Höll' getragen. Es war sehr lustig, muß ich sagen." – So hübsch nun dieses Traumgesicht, dem Ferdinand gefiel es nicht. Schlapp! schlug er Fritzen an das Ohr, daß er die Zippelmütz' verlor. Der Fritz, der dies verdrießlich fand, haut wiederum den Ferdinand; und jetzt entsteht ein Handgemenge, sehr schmerzlich und von großer Länge. – So geht durch wesenlose Träume gar oft die Freundschaft aus dem Leime.

Busch, W., Gedichte. Kritik des Herzens, 1874

Das Beste, was ich für einen Freund tun kann, ist einfach: sein Freund sein.

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Zu einem Wurstpaket:Es blüht die Wurst nur kurze Zeit, Die Freundschaft blüht in Ewigkeit.

Busch, Aphorismen, Reime und Sinnsprüche

Der Weise hält seine Meinung zurück; also bin ich keiner.

Busch, Aphorismen, Reime und Sinnsprüche

Stets äußert sich der Weise leise, vorsichtig und bedingungsweise.

Busch, Aphorismen, Reime und Sinnsprüche

An den »Krökelorden« Ein alter Kauz, im hohlen Baum Vertieft in seinen Tagestraum, Doch aufgewacht durch lautes Pochen Von Meister Specht und durch die Lieder Der Vöglein, ist hervorgekrochen Und spricht also: Ihr Waldesbrüder! Die Welt, das läßt sich nicht bestreiten, Hat ihre angenehmen Seiten; Sie liefert Körner, Käfer, Mäuse Zum Wohlgeschmack in jeder Weise Und geht auch wohl so bald nicht unter. Ich grüße Euch; bleibt nur hübsch munter Und macht Euch möglichst viel Pläsier. Doch ich, der alt und kalt geworden, Ich passe nicht in Euren Orden; Mir ziemt die Ruhe. Gönnt sie mir. Und als der Kauz also gesprochen, Ist er zurück ins Loch gekrochen.

Busch, W., Briefe. Sämtliche Briefe. Band II: Briefe 1893 bis 1908. 1720. An den Krökelorden

Der Weise schweigt. Er kennt die Gründe.

Busch, Bildergeschichten. Balduin Bählamm, der verhinderte Dichter, 1883

Klassischer Weisheitsspruch: »Wo man singt, da laß dich ruhig nieder!« sagte der Simpelmaier und legte sich unter den Bienenstand.

Busch, in: Fliegende Blätter und Münchner Bilderbogen, 1859-71

Es sitzt ein Vogel auf dem Leim, Er flattert sehr und kann nicht heim. Ein schwarzer Kater schleicht herzu, Die Krallen scharf, die Augen gluh. Am Baum hinauf und immer höher Kommt er dem armen Vogel näher. Der Vogel denkt: Weil das so ist Und weil mich doch der Kater frißt, So will ich keine Zeit verlieren, Will noch ein wenig quinquilieren Und lustig pfeifen wie zuvor. Der Vogel, scheint mir, hat Humor.

Busch, W., Gedichte. Kritik des Herzens, 1874

Hätten Sie auch humoristisch dichten können, wenn Sie verheiratet gewesen wären? Hier ist alles eitel! So Spricht der weise Salomo! Onkels, dünn= und dickbeleibte, Die das Glück noch nicht beweibte, Tanten, die, aus den bekannten Gründen, sich noch nicht bemannten, Alle, wenn sie Mut besitzen, Dichten, daß die Federn spritzen! Aber die – nach altem Brauch – Sich vermählen, können's auch; Denn, dieweil sie ihrer zwei, Helfen sie sich sehr dabei.

Busch, Antworten auf Fragen von Frau Louise Fastenrath, Köln, 22.5.1892

Leichter und schwerer Erfolg: Der eine betut sich im Traum, d er andere muß drücken, daß ihm der Kopf berstet.

Busch, Aphorismen, Reime und Sinnsprüche

Ärgerlich Aus der Mühle schaut der Müller, Der so gerne mahlen will. Stiller wird der Wind und stiller, Und die Mühle stehet still. So gehts immer, wie ich finde, Rief der Müller voller Zorn. Hat man Korn, so fehlts am Winde, Hat man Wind, so fehlt das Korn.

Busch, W., Gedichte. Schein und Sein, 1909

Wer rudert, sieht den Grund nicht.

Busch, Aphorismen, Reime und Sinnsprüche. Sprikker

Der eine trägt Holz, der andere wärmt sich daran.

Busch, Aphorismen, Reime und Sinnsprüche