Wilhelm Raabe (1831–1910)

50 Sprüche Romantik

Wenn einem der Lebensweg malhört, soll man immer selber schuld dran sein: kommt man anständig durch, ist immer das unverdiente Glück schuld dran gewesen.

Raabe, Gedanken und Einfälle (Sämtliche Werke, Dritte Serie, Bd. 6), 1913

Was ist solch ein unbedeutendes Gemetzel wie bei Cannae, Leipzig oder Sedan gegen die fort und fort um den Erdball tobende Schlacht des Daseins?

Raabe, Gedanken und Einfälle (Sämtliche Werke, Dritte Serie, Bd. 6), 1913

Ein Freund ist jemand, der deinen kaputten Zaun übersieht, aber die Blumen deines Gartens bewundert.

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Es gehört zur Weisheit, gelegentlich ein bißchen töricht zu sein.

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O Liebe, diejenigen, welche mit heiterm Lächeln den uralten, bittern Kampf führen, können in der rechten Stunde und zumal in der Stunde des Sieges ernst genug sein. Sie vor allen andern Erdenbürgern werden am wenigsten es wagen, des Lebens rätselhafte Tiefen durch leichtsinnigen Scherz zu überbrücken.

Raabe, Der Dräumling, 1872. 28. Kapitel

»Welch eine Zeit!« rief er jetzt unwillkürlich; aber der alte Krieger sagte: »Eine ganz vortreffliche Zeit, wie alle Zeiten, in denen man einen großen Hunger nach irgend etwas hat, von dem man weiß, daß man es durch Mühen und Arbeit erlangen kann. [...]«

Raabe, Der Hungerpastor, 1864. 15. Kapitel

Die Zeiten gehen hin, und für jedermann kommen einmal die Jahre, wo er merkt, daß sie hingegangen sind, und er sich wundert, daß er nichts getan hat, sie aufzuhalten.

Raabe, Prinzessin Fisch, 1883

Es ist eine böse Zeit! – Mißmutig hatte ich die Zeitung weggeworfen, mir eine frische Pfeife gestopft, ein Buch herabgenommen und aufgeschlagen.

Raabe, Die Chronik der Sperlingsgasse, 1857

Wir kommen durch alle Wünsche, Klagen, Hoffnungen und Befürchtungen auch nicht den kleinsten Schritt weiter, sondern geraten nur immer tiefer in Mutlosigkeit und Verwirrung. Am besten ist's, wir legen uns klar und trocken noch einmal alles auseinander, scheiden das Richtige von dem Unrechten und gehen dann ein jeder mutig, tapfer und ergeben den vorgeschriebenen Weg.

Raabe, Die Leute aus dem Walde, ihre Sterne, Wege und Schicksale, 1863. 27. Kapitel

Wo und wie wir fallen, ob am skäischen Tor oder am Schreibtisch usw., wir erfüllen nur unser Schicksal.

Raabe, Gedanken und Einfälle (Sämtliche Werke, Dritte Serie, Bd. 6), 1913

Wir gehen immer, wohin wir müssen: wenigen nach und hoffentlich zuletzt denn doch auch vielen vorauf.

Raabe, Deutscher Adel, Erstdruck 1879. 12. Kapitel

Über den Tod kommt jeder leicht hinweg, aber mit dem Sterben ist's eine andere Sache.

Raabe, Gedanken und Einfälle (Sämtliche Werke, Dritte Serie, Bd. 6), 1913

Man muß sein Brot mit dem Messer schneiden, das einem das Schicksal, ob stumpf oder scharf, dazu in die Hand gibt.

Raabe, Gedanken und Einfälle (Sämtliche Werke, Dritte Serie, Bd. 6), 1913

Trotz aller Lehrer, trotz aller Schulen steht der Mensch zuletzt doch immer allein seinem Schicksal gegenüber, und er allein hat mit seiner Persönlichkeit Antwort zu geben.

Raabe, Die Leute aus dem Walde, ihre Sterne, Wege und Schicksale, 1863. 32. Kapitel

Alter – es ist die Zeit, wo die Erinnerung an die Stelle der Hoffnung tritt.

Raabe, Die Chronik der Sperlingsgasse, 1857

Was einen, wenn man jung ist, als eine Mücke umschwirrte, das wird im Alter zu einer Hornisse.

Raabe, W., Tagebücher und Notizen. 1895-1903

Die Zeit, in der man nicht mit dem Körper, sondern dem Geist erkennt, daß mit dem Wasser der Schlaf das Beste in der Welt ist.

Raabe, Gedanken und Einfälle (Sämtliche Werke, Dritte Serie, Bd. 6), 1913

Das entzückende Gefühl des richtigen Alters: "Wenn ich den Krempel um mich her ansehe und mir sagen darf, das brauchst du ja nicht mehr!"

Raabe, Gedanken und Einfälle (Sämtliche Werke, Dritte Serie, Bd. 6), 1913

Es sind zwei Sorten von Leuten. Die einen kümmern sich um die Adiaphora des Lebens, je älter sie werden, desto mehr; die andern desto weniger. Einige gar nicht, und diese haben das Erdendasein glücklich überwunden.

Raabe, Gedanken und Einfälle (Sämtliche Werke, Dritte Serie, Bd. 6), 1913

[...] und du, mein Kind, wirst's auch wohl dann und wann noch erfahren, wie leicht der Menschen Sinnen und Fühlen sich bewegt und mit dem Wind wechselt. Du wirst es erfahren im Guten wie im Bösen, und es muß wohl recht verständig in solcher Weise bestellt sein, denn der verständige Mensch siehet solches je klarer ein, je älter er wird.

Raabe, Im Siegeskranze, 1869

Wenn es Gottes Wille gewesen ist, so ist es auch der meinige geworden.

Raabe, Altershausen (Fragment), entstanden 1899-1902, Erstdruck 1911 (posthum). XII.