Wilhelm Raabe (1831–1910)

50 Sprüche Romantik

Der Herr läßt Gras wachsen auf den hohen Bergen; aber als lieber Gott hat er seinen schönen Blumen den Aufenthaltsort durchschnittlich doch mehr im Tal angewiesen.

Raabe, Kloster Lugau, 1893. 8. Kapitel

Was alles für den »lieben Gott« Kinderstubenunart ist!

Raabe, Gedanken und Einfälle (Sämtliche Werke, Dritte Serie, Bd. 6), 1913

Gott ist nicht wählerisch in seinen Boten und Werkzeugen, und die irren sich, die da meinen, daß er die Welt mit spitzen Fingern anfasse und das Nämliche von ihnen verlange.

Raabe, Im alten Eisen, 1887. 20. Kapitel

Es ist eine Glocke, die klingt über alle Schellen; wer in der rechten Weise still sein kann, der wird sie wohl vernehmen.

Raabe, Abu Telfan oder Die Heimkehr vom Mondgebirge, 1867. 15. Kapitel

Das Beste gehört nicht uns zu, und wir wissen nicht, von wem wir es haben! – Was sind wir allesamt anders als Boten, die versiegelte Gaben zu unbekannten Leuten tragen? Die größte Schlacht und das höchste Gedicht, von wem kommen und zu wem gehen sie? Kein rechter Sieger auf irgendeinem Felde wird je rufen: Dies ist mein Werk und das soll es wirken!

Raabe, Abu Telfan oder Die Heimkehr vom Mondgebirge, 1867. 9. Kapitel

Es gehört zu manch einer mutigen, heißen, fieberhaft ihr Bestes geben wollenden Seele eine ungeschickte, zaghafte Hand.

Raabe, Pfisters Mühle, 1884. Sechstes Blatt. Eine nachdenkliche Frage

Die meisten Menschen sind Münzen, nur wenige sind Prägestöcke.

Internet

Das Behagen am Dasein verdirbt sich der Mensch sehr häufig durch seine sogenannten "starken Seiten".

Raabe, Gedanken und Einfälle (Sämtliche Werke, Dritte Serie, Bd. 6), 1913