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26202 Sprüche gefunden

Die Wahrheit steht allen offen, noch ist sie nicht völlig in Beschlag genommen.

Seneca, Briefe an Lucilius (Epistulae morales ad Lucilium), 62 n. Chr. 33. Brief. Übersetzt von Otto Apelt (1924) Originaltext: Patet omnibus veritas; nondum est occupata

Schade, daß man einen Teil seines Lebens damit hinbringen muß, alte Zauberschlösser zu zerstören. Es wäre ja besser, Wahrheiten festzustellen, als Lügen zu untersuchen. Aber wo sind die Wahrheiten?

Voltaire, Kleine philosophische Aufsätze. Was können wir wissen?

Die Wahrheit – die Lüge, an die die jeweilige Mehrheit glaubt.

Weber, Ohne Maulkorb. Gereimte Satiren, 1905

Die Wahrheit ist selten klar und niemals einfach.

Wilde, Ernst sein ist alles oder Bunbury, dt. auch: Die Bedeutung des Ernstseins (The Importance of Being Earnest), 1895. Erster Akt, Algernon. Übersetzt von Felix Paul Greve

Was wahr ist, ist weder gut noch böse, sondern einfach nur wahr.

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Täglich kann man es beobachten: Die Wahrheit tritt nirgends schüchterner auf als vor Leuten, die Geld und Einfluss haben.

Weiß, So seid Ihr! Erste Folge, 1906

Die Anbetung, nach Plato Suche, was wahr ist, mit lauterem Sinn. So betest du würdig Gott, den Einzigen, an und er gewährt, was du suchst.

Halem, Töne der Zeit, 1814

Der Nebelstern Erst nach Aeonen fällt das Licht Des Nebelsterns aus dunkler Ferne Blaß auf den Erdball. Gleichst du nicht, O Wahrheit! einem Nebelsterne?

Pfeffel, Poetische Versuche, 3 Bde., 1791/92 (4. vermehrte Auflage in 8 Bänden 1802-05)

Fandest du Wahrheit dir selbst, so hat sie dir Wert wie ein Demant. Glaubst, erlernet, du sie, wirf, wie den Kiesel, sie weg!

Halem, Töne der Zeit, 1814

In ein Stammbuch Die Zeit, in ihrem Fluge, streift nicht bloß Des Feldes Blumen und des Waldes Schmuck, Den Glanz der Jugend und die frische Kraft: Ihr schlimmster Raub trifft die Gedankenwelt. Was schön und edel, reich und göttlich war Und jeder Arbeit, jeden Opfers wert, Das zeigt sie uns so farblos, hohl und klein, So nichtig, daß wir selbst vernichtet sind. Und dennoch wohl uns, wenn die Asche treu Den Funken hegt, wenn das getäuschte Herz Nicht müde wird, von neuem zu erglühn! Das Echte doch ist eben diese Glut, Das Bild ist höher, als sein Gegenstand, Der Schein mehr Wesen, als die Wirklichkeit. Wer nur die Wahrheit sieht, hat ausgelebt; Das Leben gleicht der Bühne: dort wie hier Muß, wann die Täuschung weicht, der Vorhang fallen.

Uhland, L., Gedichte

Du willst die Wahrheit nicht als einen leuchtenden Sonnenstrahl in dein Herz fallen lassen? Dann wird sie einst als zuckender Blitzstrahl deine Finsternis durchschneiden und wird verheeren, wo sie gesegnet hätte.

Eyth, Bilder ohne Rahmen. Aus den Papieren einer Unbekannten mitgetheilt – nicht von ihr selbst, 8. Auflage 1894 (EA: 1852) (anonym)

Die Wahrheit, die uns eine edle Freundin wäre, ruft man nur in der Not, wie etwa den Arzt zu Hilfe, um ihr so bald als möglich wieder den Abschied zu geben.

Mohr, Gedanken über Leben und Kunst, 2. vermehrte Auflage 1885 (EA: 1879)

Wahrheit im Stil ist eine unentbehrliche Eigenschaft, die allein schon einen Schriftsteller empfiehlt.

Joubert, Gedanken und Maximen, in: Die französischen Moralisten: Neue Folge. Galiani, Fürst von Ligne, Joubert, Dieterich Verlag 1940. Über Schriftstellerei und Stil

Wahrheit ist nur zu oft der Name, den wir unseren wechselnden Irrtümern geben.

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Bisweilen wird die Wahrheit als ein Ideal hingestellt. Das ist falsch: Wahrheit ist Fehlen von Lüge.

Tolstoi, Tagebücher. 1906

Wahrheit kann man auch freundlich sagen!

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Sehr oft macht die Wahrheit den Eindruck des Unmöglichen.

Dostojewski, Der Idiot, 1868-69

Gib, dass ich in der Wahrheit lebe, mein Gott, auf dass ich in der Wahrheit sterben kann.

Tagore, Verirrte Vögel (Stray Birds), 1916; hier übersetzt von Helene Meyer-Franck. [314]

Das Wasser im Gefäß schimmert hell; das Wasser im Meer ist dunkel. Die kleine Wahrheit hat Worte, die klar und durchsichtig sind; die große Wahrheit hat unergründliches Schweigen.

Tagore, Verirrte Vögel (Stray Birds), 1916; hier übersetzt von Helene Meyer-Franck. [176]

Um gewisse Wahrheiten auszusprechen – dazu muss man schonsehrgereizt sein.

Weiß, So seid Ihr! Erste Folge, 1906

In Tatsachen gekleidet, fühlt die Wahrheit sich eingeengt. Im Gewande der Dichtung bewegt sie sich leicht und frei.

Tagore, Verirrte Vögel (Stray Birds), 1916; hier übersetzt von Helene Meyer-Franck. [140]