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O wie unendlich erhebend ist es, ein unter Freuden und Sorgen, Kindern und Schmerzen alt gewordenes Ehepaar zu sehen, aus dessen Augen noch die volle Rose der Jugendliebe schaut, um dessen welke Lippen noch das selige Lächeln des Hochzeitstages spielt!
Das "Seid fruchtbar und mehret euch" hat mit der Liebe nichts zu tun.
Die Ehe, mein Kind, ist unser Fegefeuer; die Liebe ist das Paradies.
Menschen der Ehe O wären wir Tiere, wären wir Tiere, Wir hätten uns längst zerfleischt und zerrissen Und ich, der Stärkere, ich, das Männchen, Ich hätte dich Weibchen zu Tode gebissen. Und wären wir Götter, stolznackige Götter, Wir lebten uns fern in elysischen Au'n: Hinrollte auf leichter Wolke mein Wagen, Du wandeltest still unter trostreichen Frau'n. Doch wir sind Menschen, gefesselte Menschen Und müssen uns tragen mit stummer Geduld, Wir müssen uns tragen und müssen entsagen Und unsere Triebe sind unsere Schuld.
Was für ein unglückseliger Instinkt ist es, der die beiden Geschlechter gegeneinander aufreizt, sobald die Leidenschaft sie nicht mehr verbindet?
Eine Ehe Sie konnten sich nie leiden Und wurden doch ein Paar. Sie dachten täglich ans Scheiden Durch fünfundzwanzig Jahr. Sie haßt ihn, der nicht minder Von Schmähungen über sie strotzt. Und beide haben neun Kinder Einander abgetrotzt.
Doch wir sind Menschen, gefesselte Menschen Und müssen uns tragen mit stummer Geduld, Wir müssen uns tragen und müssen entsagen Und unsere Triebe sind unsere Schuld.
Es genügt nicht, daß man vor der Ehe Ja sagt. Man muß auch während der Ehe Nein sagen können.
Es trägt so mancher, der vermählt, Zwei Antlitze zur Schau; Das lächelnde zeigt er der Welt, Das mürrische – der Frau.
War man zu sanft und stoisch im ehlichen Zank, so braust's nachher auf, und man vergibt schwerer. War man zu wild: so bereuet man und vergibt leichter.
Wenn aber eine Frau einem Mann, den sie nicht wahrhaftig liebt, nichts versagt, dann fallen bald Schatten auf eine junge Ehe.
Wo die Frau die erste Geige spielt, streicht der Mann den Brummbaß.
Unsere Gatten wissen keinen unserer Vorzüge zu schätzen, wir müssen uns in diesem Punkt an andere halten.
Für jede Frau, die aus ihrem Mann einen Narren macht, gibt es eine andere, die imstande ist, ihn wieder zu heilen.
In einem gewissen Stadium der Ehe muß eine Entscheidung getroffen werden: entweder daß der Gatte sich entschließt, zum Vater seiner bisherigen Gattin oder daß diese sich entschließt, zur Mutter ihres bisherigen Gatten zu werden.
Es ist so manche Ehe entweiht worden, obschon es nicht durch einen Fremden geschah.