Alter Sprüche – hoffnung

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Das Schlechte kannst du immer loben, Du hast dafür sogleich den Lohn! In deinem Pfuhle schwimmst du oben Und bist der Pfuscher Schutzpatron.

Goethe, J. W., Gedichte. Ausgabe letzter Hand, 1827. Zahme Xenien 5, Erstdruck 1827

An A. von Binzer Den frohen Sinn der Jugend zu erhalten, Wenn auch das Alter schon die Locken bleicht, Das ist's, was jeder wünscht, doch schwer erreicht, Weil nur dem Glücklichen es vorbehalten. Ob wir nun fröhlich mit den Stunden schalten, Ob ihr phlegmatisch durch die Tage schleicht, Und ob's im Busen stürmet oder schweigt, Es muß das Herz doch nach und nach erkalten. Doch seh' ich Dich, so schwindet all mein Zagen; Denn ungebeugt im Kampfe mit der Welt Hast Du das Alter aus dem Feld geschlagen. Wer sich den Mut in diesem Kampf erhält, Der bleibt, mag auch das Herz ihm leiser schlagen, Von ew'ger Jugend Sonnenschein erhellt.

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Auch wenn der Ast vertrocknet ist, die Wurzel ist immer grün.

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Ein Balg Die alte Frau hat ein hartes Gesicht, Doch kluge, sanfte Augen, Die wenig mehr beim Pfenniglicht Und nicht zum Weinen taugen. Sie war ein Balg … Als Findelkind Verlass'ner als die Armen, Bat weder Herren noch Gesind Um Futter und Erbarmen. Sie griff fest zu und schaffte stramm Wie ehrbar ernste Leute, Daß nie sie Unverdientes nahm Erfreut das Weib noch heute. Sie zeigt auch jetzt mit Bauernstolz Erdarbte Talerscheine: "Die sind mein unverbranntes Holz, Meine ungetrunknen Weine… Die sind mein ungegessenes Brot, Auf jedem steht geschrieben: Ein Alter ohne Schand' und Not… Und was mir Gott schuldig geblieben."

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Zu spät Was soll dem Hoffnungslosen Der Zauber im Gemüt? Ach! meines Lebens Rosen Sind alle schon verblüht. Mir wend' nicht zu dein bleiches, Dein holdes Angesicht, Das Glück ist ein zu reiches, Von dem dein Anblick spricht. Mir war's als süße Treue Dein feuchtes Aug' verhieß, Ich säh' des Gottes Reue, Der mich ins Elend stieß.

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Das Mädchen hofft, die Frau freut sich und die Greisin erinnert sich.

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In grauen Haaren steckt auch ein guter Hengst.

Simrock (Hg.), Die deutschen Sprichwörter (= Die deutschen Volksbücher, Bd. 5), 1846

Selbsttäuschung "Bist geworden älter, Bist geworden kälter!" Sag' ich oft zu mir; "Laß es dich nicht grämen, Nicht den Mut dir lähmen, Kannst ja nicht dafür! Jeder Tag verglühet, Jeder Lenz verblühet, Jede Stimme bricht, Jede flücht'ge Stunde Schlägt uns eine Wunde: Wir nur merken's nicht. Erst wenn tausend bluten, Will es uns gemuten, Daß die Kraft doch litt; Stein und Erz verwittert, Eich' und Zeder splittert, Und wir altern mit." – Das fühl' ich mit Schmerzen Oft so klar im Herzen, Bin so ernst, so still, Daß ich einen Schleier Über meine Leier Scheidend breiten will. – Und doch – wenn ich wieder Hoch von Alpen nieder Ausblick' in die Welt; Wenn ich in das Blaue Schwindelnd aufwärts schaue, Das der Mond erhellt; Wenn aus heil'gen Hallen Orgelklänge schallen, Wenn der Wildbach braust; Wenn die Wolkenfalten Blaue Blitze spalten; Wenn der Hochwald saust; Wenn ich, froher Dinge, Freundesbrust umschlinge, Mensch mit Menschen bin; Wenn's in muntren Kreisen Schallt von kräft'gen Weisen, Dann erwacht mein Sinn. Dann wohl fühl' ich's schlagen Wie in frühern Tagen, Manches meldet sich; Und das Aug' wird heller, Und der Puls wird schneller, und ich fühle mich. Und mir sagt's ein Sehnen: "Laß solch eitles Wähnen; Bist nicht, was du scheinst! Du wardst noch nicht älter, Du wardst noch nicht kälter, Bist noch jung wie einst!"

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Ich bin ein angehender Greis, der Hoffnung hat, ehrwürdig zu werden. Also nichts zu fürchten.

Nestroy, Lady und Schneider. Posse mit Gesang in zwei Akten, 1849. 2. Akt, 5. Szene, Fuchs

Glücklich, wer den Himmel offen In der Zukunft Dunkel sieht! Aber man verlernt das Hoffen, Wenn die Jugendwolke flieht.

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In Armut soll man um so fester, im Alter um so willensstärker sein.

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So wolle Gott Preußen erhalten, mannigfach und doch eins, wie das edle Metall, das aus vielen Metallen zusammengeschmolzen doch nur ein einziges und edles ist, keinem andern Rost unterworfen, als dem verschönernden der Jahrhunderte.

Friedrich Wilhelm IV., Reden. Am 10. September 1840. Gemeint ist die grüne Patina, die edle alte Bronzen überzieht und ihnen einen altertümlichen Reiz verleiht.

Auch wir werden alt werden [...] und Furchen und Falten werden sich in unser Gesicht graben und das Herz wird müde werden des frohen Glaubens seiner Jugend und müde der bunten Hoffnungen, mit denen es sich freute und über alle Enttäuschungen hinweglachte.

Flaischlen, Von Alltag und Sonne. Gedichte in Prosa, 1897. Rondos. Aus: Auch wir werden alt werden ...

… aller Uebel Unseligstes, verliehen uns die Ew'gen Das Alter, wo die Wünsche Noch glühend sind, die Hoffnung längst erloschen, Versiegt der Freuden Quell und stets sich häuft Das Weh, in das kein Tropfen Wonne träuft.

Leopardi, Gesänge (Canti), in: Gedichte und Prosaschriften, Berlin 1889, übersetzt von Paul Heyse. Erstdruck: Florenz 1831, erweiterte Fassung Neapel 1835. Aus: 33. Monduntergang; entst. 1834/37, posthum veröff. 1845

Ein genesender Greis: es wird dir vergönnt, dich auf dem Wege aus der Welt noch einmal umzusehen.

Hebbel, Tagebücher. Nach der historisch-kritischen Ausgabe von R. M. Werner, 4 Bde., 1903-04. 1845

Waren die Alten trübselig, warum sollen wir's sein.

Freytag, Die Ahnen, 6 Bde., 1872-80. Marcus König. Im Jahre 1519