Alter Sprüche – liebe
54 Sprüche gefunden
Das entzückende Gefühl des richtigen Alters: "Wenn ich den Krempel um mich her ansehe und mir sagen darf, das brauchst du ja nicht mehr!"
Ich möchte weinen, doch ich kann es nicht; Ich möcht mich rüstig in die Höhe heben, Doch kann ich's nicht; am Boden muß ich kleben, Umkrächzt, umzischt von eklem Wurmgezücht. Ich möchte gern mein heitres Lebenslicht, Mein schönes Lieb, allüberall umschweben, In ihrem selig süßen Hauche leben – Doch kann ich's nicht, mein krankes Herze bricht. Aus dem gebrochnen Herzen fühl ich fließen Mein heißes Blut, ich fühle mich ermatten, Und vor den Augen wird's mir trüb und trüber. Und heimlich schauernd sehn ich mich hinüber Nach jenem Nebelreich, wo stille Schatten Mit weichen Armen liebend mich umschließen.
Bettet doch alte Menschen weich und warm und lasset sie recht genießen, denn weiter vermögen sie nichts mehr; und beschert ihnen gerade im Lebens-Dezember und in ihren längsten Nächten Weihnachtsfeiertage und Christbäume! Sie sind ja auch Kinder, ja zurückwachsende.
Die Güte des Herzens macht den Greis noch verehrt und geliebt, wann sein Kopf schon die Schwächen zeigt, die ihn dem Kindesalter wieder zu nähern anfangen. Sanftmut, Geduld, Redlichkeit, Wahrhaftigkeit, Uneigennützigkeit, Menschenfreundlichkeit u.s.w. erhalten sich durch das ganze Leben und gehn nicht durch Altersschwäche verloren: in jedem hellen Augenblick des abgelebten Greises treten sie unvermindert hervor, wie die Sonne aus Winterwolken.
Schweizeralpe War doch gestern dein Haupt noch so braun wie die Locke der Lieben, Deren holdes Gebild still aus der Ferne mir winkt; Silbergrau bezeichnet dir früh der Schnee nun die Gipfel, Der sich in stürmender Nacht dir um den Scheitel ergoß. Jugend, ach! ist dem Alter so nah, durchs Leben verbunden, Wie ein beweglicher Traum Gestern und Heute verband.
Nur wer sein Herz der Liebe zugeschlossen, Und Jugend nicht mehr zu verstehen strebt, Der altert, der ist tot dieweil er lebt.
Kleine, wenn wir alt geworden … Kleine, wenn wir alt geworden, Hat das Leben uns getrennt – Du im Süden, ich im Norden, Wo den andern keiner kennt. Deine Taille nicht mehr zierlich, Deine Rosenwangen blaß, Und behäbig-reputierlich Handelst du mit irgendwas. Ich – von mancher Lebensschlappe Schon gekerbt und wenig froh – Trage meine Aktenmappe Auf ein dämliches Bureau. Kleine, wenn wir alt geworden, Gibt sich unser leichter Sinn; Und ich kriege einen Orden, Weil ich so manierlich bin. Und was dir das Herz entflammte Ist verweht nach froher Frist, Und es führt zum Standesamte Dich ein Steuerakzessist. Und du liest in deinem Blättchen, – Abends liegt es vor der Tür, – Daß ich Lieder und Sonettchen Manchmal dichte noch, wie früh'r. Kleine, wenn sich Blüt' auf Blüte In die Haare steckt der Mai, Klingt ein Echo durchs Gemüte Und die Brust wird jung und frei. Wenn die Kinder längst entschliefen, Und der Alte sitzt beim Skat, Blätterst du in gelben Briefen – Aber nicht vom Steuerrat; Holst du dir die Liederbände, Die ich zärtlich damals schrieb; Und ich halte deine Hände, Und du hast mich wieder lieb. Kleine, höre was ich künde, Sieh mich lächelnd an dabei: Eine ew'ge große Sünde Ist der holde Monat Mai. Trotzend Muckern und Zeloten Raubt sich keck der Liebe List, Was auf Erden so verboten Und was, ach, so himmlisch ist. Denn wie wär' in dürren Tagen, Schneebedrückt und sorgenschwer, Wohl der Winter zu ertragen, Wenn kein Mai gewesen wär? Stunden, ach, zum Teufelholen Schleppt das Leben noch heran, Aber aus verrauschten Bowlen Mild erinnernd düftet's dann. Und auf gelben Blättern lesen Wir, wie einst der Puls uns schlug. Da wir keck und jung gewesen Und die Stirne Kränze trug. Ob den Frohsinn zu ermorden Uns ins Herz die Sorge kroch, Kleine, wenn wir grau geworden, Atmet unser Frühling noch!
Wir werden alt, sobald wir aufhören zu lieben und zu vertrauen.
Mir bleibt genug! Es bleibt Idee und Liebe!
Fürwahr, wir sind alt geworden und finden größern Spaß und mehr Geschmack an langausgesponnenen, nichtigen Tändeleien als an den kurz abgefertigten Narrenstreichen unserer Jugend, zumal wir jetzt länger daran zu zehren haben.
Jedem Alter sind gewisse Neigungen und leidenschaftliche Triebe eigen.
Ein Lied Mir schien, man altert nicht so bald, Man hält sich recht in Schwung Mit Hanteln und Florett, So bleibt der Körper jung. Doch daß das Herz auch alt wird, ach, Wer hätte das gedacht? An Wörtern fehlt's mir nicht, jedoch, Welch Weib ist schon beglückt, Wenn ich nicht mehr in Ohnmacht fall, Sobald ich sie erblickt? Doch daß das Herz auch alt wird, ach, Wer hätte das gedacht? Oh, das Begehren ist noch da, Nur nicht das Herz. Ich hätte Gemeint, daß es den Leib verzehrt Noch auf dem Totenbette, Denn daß das Herz auch alt wird, ach, Wer hätte das gedacht?
Es gibt eine Art körperlicher Bewegungen, deren unbeholfenes Tempo und mit Gewalt erzwungenes Federn ein gewisses Alter unbarmherzig enthüllen.
… und nichts ist am Greise so lächerlich wie die Liebe, obwohl sie es außer anderen Wunderdingen oft zuwege bringt, ohne Rücksicht auf die Jahre ein erfrorenes Herz von neuem auflodern zu lassen.
Ich kann nicht mehr recht sehen, ich kann nicht mehr recht hören, ich kann nur noch lieben.
Auch im Herzen beginnt es einmal zu herbsten.
Zweiundsiebzig Jahre auf der Erde, das bedeutet neunundsechzig Jahr lang gelogen, Empfindungen versteckt, geheuchelt, gegrinst, statt zu beißen, geschimpft, wo man geliebt hat. Manchmal dämmert eine Ahnung auf, das vielleicht doch lieber zu unterlassen.
Gesichtsfalten sind die Pfade, wo das Lächeln spazieren ging.
Ich beklage einen verliebten Greis, die Leidenschaften der Jugend richten einen verbrauchten und welken Körper furchtbar her.
Dreiste Blicke Über die Knie Unter ein Röckchen zu schaun – – Wenn sie doch das und die Haben, die schönen Fraun! Über einen öffnenden Saum In Täler zwischen Brüstchen Darf Blick wie stiller Traum Stürzen sein Lüstchen. Sollen doch Frauen auch So blicken, – nicht schielen – Wenn Arm, Popo und Bauch In Fältchen spielen. Nimm, was der Blick dir gibt, Sei es, was es sei. Bevor sich das selber liebt, Ist's schon vorbei.
Ja, ja, Geliebte, man wird alt, Trotz Filz und Wolle hat man kalt An Sohlen und an Füßen, Und ißt am Schlusse des Soupers Man gar noch etwas Schweizerkäs', so muß man dafür büßen. Die Nerven – ach du lieber Gott! Die Leber wird zum Kinderspott, Die Leber und der Magen; Und würd' auch alles weh und wund, Eh bien, bleibt nur das Herz gesund, So wollen wir's ertragen.