Alter Sprüche – trauerkarte

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Einem Greis Das Haar schneeweiß, Die Wangen so hohl, Bald, bald Lebwohl; Und noch die Stirne so heiß? Dein Schifflein stoßt Schon ins Meer, zum Land Streckst du die Hand Noch, überhangend, um Trost; Um Trost und Genuß, Um Hab und Halt, Und bist schon so alt: »O daß man sterben muß!« Zieh ein die Hand! Den Bück hinaus Ins Meer! nach Haus! Denk an den ewigen Strand! Nicht scheide so schwer; Wenn du rückverlangst Und überhangst, So sinkst du hinab ins Meer.

Lenau, N., Gedichte

Amarylle Oh stille Amarylle, Du blühst, wenn Herbst schon leer. Von Frucht- und Blütenfülle Bliebst du mir und nichts mehr. Ich trug dich in mein Zimmer, Balkon war schon zu kalt. Leucht Sommers letzten Schimmer Du mir. Das Jahr ist alt. Und alt ist auch mein Herz schon, Und weiß ist schon mein Haar. Sei du mein letzter Herbstlohn – Stumm, traurig. Und was mir war An Herzblühn und Geistfruchtzeit, Ist abgewelkt, wurmtaub. Auf Schmerz und Mühn und Sucht streut Enttäuschung totes Laub. Ach wenn auf meinem Grab nur Die stille Flamme ständ! Oh Amaryll, ich hab nur Das Licht, das jenseits brennt.

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Wie traurig ist das Weinen des Greises! – Nächtlicher Regen, der nicht auf Sonne und klaren Himmel hofft.

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Wenn das Herz jung bleibt, ist es ein schweres Los, den Veränderungen durch das Alter unterworfen zu werden.

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Das wäre gut… Ich liebe den Herbst! Meinen eigenen jedoch sehe ich mit gemischten Gefühlen so selbstverständlich davon gehen, so sanft wie die fallenden Blätter und zuvor noch ein paar Stürme erleben, das wäre gut.

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Über allen Leben weh'n Kühl des Todes Schauer. Edle Menschen altern seh'n, Ist die größte Trauer.

Fliegende Blätter, humoristische deutsche Wochenschrift, 1845-1944

Das gehört zu den Leiden des Alters: man verliert seine Freunde.

Schopenhauer, A., Briefe. An Ernst Otto Lindner. 3. November 1858

Mit immer größerer Sehnsucht blickt man den Jahren nach, die uns verlassen; durch Erinnerungen winkt man sie zurück – vergebens ... das Pendel hat nur verneinende Bewegungen.

Wertheimer, Aphorismen. Gedanken und Meinungen, 1896

Im Alter Ich bin so müd, so herbstesschwer und möcht am liebsten scheiden gehn. Die Blätter fallen rings umher; wie lange, Herr, soll ich noch stehn? Ich bin nur ein bescheiden Gras, doch eine Ähre trag auch ich, und ob die Sonne mich vergaß, ich wuchs in Dankbarkeit für dich. Ich bin so müd, so herbstesschwer, und möcht am liebsten scheiden gehn, doch brauche ich der Reife mehr, so laß mich, Herr, noch länger stehn. Ich will, wenn sich der Schnitter naht und sammelt Menschengarben ein, nicht unreif zu der Weitersaat für dich und deinen Himmel sein.

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Der Gerührte Ich habe gern verlassen Den lauten Tod der Stadt, Der tausend Fratzen hat, Die gelbe Nacht der Gassen. Ich schreite in den weiten, Silbrigen Himmel ein; Die frommen Glieder gleiten Tief in das sanfte Sein. Ich bin im weißen Leuchten Von Wolke, Wiese, Wind. Bin Baum, bin Dorf, bin Kind ... Wie sich die Augen feuchten. – Bald wird am Silberende Der grüne Abend stehn ... Ich hebe selge Hände – Will ihm entgegengehn –

Lichtenstein, Gedichte und Geschichten, Bd. 1, hg. von Kurt Lubasch, München 1919. Die Gedichte des Kuno Kohn, entst. und Erstdruck 1913

Auf Henriettens Geburtstag. Rosen und Nelkenblumen glänzet lichter, Wann das beste der Mädchen euch besuchet, Dank gen Himmel lächelt, und Wonnethränen Auf euch herabweint. Thränen des Danks, daß ihre Jugendtage Gleich dem Säuseln des Mayn vorüberflohen, Und den frohen Reigen ein neues ihrer Jahre begonnen. Schönstes der Mädchen! Spiel auf Veilchenauen, Tanz im Nachtigallwäldchen sey dein Leben, Gleich dem Lorbeer blühend, der deine finstre Locke beschattet. Rosen und Nelkenblumen glänzet lichter, Gleicht Elysiums Blumen, wann sie meiner Denkt, dann komm' ein Lüftchen, und flüstr' ihr tausend Seufzer entgegen.

Hölty, L., Gedichte. Originaltext

Aus der Beeringsstraße Die Lieder, die mir unter Schmerz und Lust Aus jugendlichem Busen sich befreit, Nachklangen wohl, ich bin es mir bewußt, In Derer Herzen, denen sie geweiht; Sei still, mein Herz, und trage den Verlust, Sie klangen, sie verhallten in der Zeit; Mein Lieben und mein Leben sind verhallt Mit meinen Liedern, um mich ist es kalt. Das Leben hat, der Tod hat mich beraubt, Es fallen Freunde, sterben von mir ab, Es senkt sich tief und tiefer schon mein Haupt, Ich setze träumend weiter meinen Stab, Und wanke, müder, als wohl mancher glaubt, Entgegen meinem Ziele, meinem Grab. Es gibt des Kornes wenig, viel der Spreu: Ich pflückte Blumen, sammelte nur Heu. Das tat ich sonst, das tu ich annoch heute, Ich pflücke Blumen und ich sammle Heu; Botanisieren nennen das die Leute, Und anders es zu nennen trag ich Scheu; So schweift das Menschenkind nach trockner Beute Das Leben und die Welt hindurch, die Reu Ereilet ihn, und, wie er rückwärts schaut, Der Abend sinkt, das Haar ist schon ergraut. So, Bruder, schaudert's mich auf irrer Bahn, Wann düstre Nebel ruhn auf trübem Meer; Beeiste Felsen ruf ich liebend an, Die kalten Massen widerhallen leer; Ich bin in Sprach und Leben ja der Mann, Der jede Sylbe wäget falsch und schwer; Ich kehre heim, so wie ich ausgegangen, Ein Kind, vom greisen Alter schon umfangen. Wann erst der Palme luft'ge Krone wieder In tiefer Bläue schlankgetragen ruht, Aus heitrer Höh die mächt'ge Sonne nieder Zur wonn'gen Erde schaut in reiner Glut, Dann schmiegen sich durchwärmt die starren Glieder Und minder schwer zum Herzen fließt das Blut, Dann möchten auch die düstern Träume weichen Und ich die Hand dir sonder Klage reichen.

Chamisso, Gedichte. Im Sommer 1816

Bei einem zerbrechlichen Körper fällt eine jede Widrigkeit zur Last.

Cicero, Cato der Ältere über das Greisenalter (Cato maior de senectute), 44 v. Chr. Übers. Internet Originaltext: In fragili corpore odiosa omnis offensio est

Entschwunden ist die Jugend und die sittsame Farbe ließ nur Knochen, umhüllt von bleicher Haut.

Horaz, Epoden (Epodes), um 30 v. Chr. 17. Übers. Internet Originaltext: Fugit iuventas et verecundus color reliquit ossa pelle amicta lurida.

Gerade die späten Jahre bedürfen einer vertrauten, tröstenden Gemeinschaft, einer Stütze, – vor allem: der Liebe! – und gerade die letzte Wegstrecke müssen viele allein gehen!

Waldersee, Späne aus stiller Werkstatt. Aphorismen, 1908

Wie die sinkende Sonne die Erde umfasst: ihre Strahlen in warmes Rot getaucht, das nicht mehr blendet und versengt, nur noch wohltut und erfreut: so soll das alternde Herz, ehe es scheidet, seine Liebeskraft in milde, warme Güte tauchen und damit die Menschen umfassen.

Waldersee, Späne aus stiller Werkstatt. Aphorismen, 1908