Alter Sprüche – weisheit

209 Sprüche gefunden

Aktive Filter: Alter weisheit

Erst im späten Alter erlangt der Mensch ganz eigentlich das horazische nil admirari, d. h. die unmittelbare, aufrichtige und feste Überzeugung von der Eitelkeit aller Dinge und der Hohlheit aller Herrlichkeiten der Welt: die Chimären sind verschwunden.

Schopenhauer, Parerga und Paralipomena, 2 Bde., zweite vermehrte Auflage 1862 (EA: 1851). Erster Band. Aphorismen zur Lebensweisheit. Kapitel 6: Vom Unterschiede der Lebensalter

Das Alter hat gegen die Jugend auch den Nachteil, dass es alles bar bezahlen muss und keinen Kredit mehr erhält.

Mohr, Gedanken über Leben und Kunst, 2. vermehrte Auflage 1885 (EA: 1879)

Das Alter kann seine Nacktheit nur durch wahren Ruhm bedecken; Ruhm allein ersetzt die in einem langen Leben verbrauchten Gaben.

Vauvenargues, Nachgelassene Maximen, übersetzt von Fritz Schalk, in: Die französischen Moralisten, 1938

Das Alter hat am meisten zu erzählen, aber wie wenige wollen es hören und beherzigen!

Toeche-Mittler, Stimmungsgedanken über Raum und Zeit, 1907

Die Naturen, denen viel Feuer, eine starke und heftige Begierde oder Ungeduld eigen ist, sind nicht eher zum Handeln reif, als bis sie den Meridian ihrer Jahre überschritten haben [...]. Auf der andern Seite sind Feuer und Lebhaftigkeit im Alter eine treffliche Verbindung für Geschäfte.

Bacon, Essays oder praktische und moralische Ratschläge (The Essayes or Counsels, Civill and Morall), 1597 (1612 und 1625 um neue Essays erweitert). Von der Jugend und dem Alter (Of Youth and Age), übersetzt von J. Fürstenhagen 1884

Es schwinden alle Leidenschaften im Alter.

Hugo, V., Gedichte. Aus: Strahlen und Schatten (Les rayons et les ombres), 1840

Wenn man fühlt, daß man mit den Jahren vielleicht an Übersicht und Geschmack gewonnen hat, so glaubt man einigen Ersatz zu sehen, wenn sich Energie und Fülle nach und nach verlieren will.

Goethe, J. W., Briefe. An Carl Ludwig von Knebel, 17. September 1799

Je älter wir werden, desto mehr scheinen uns Dinge selbstverständlich, die uns früher am wenigsten einleuchten wollten.

Sirius, Tausend und Ein Gedanken, 1899

Und so bleibt denn im höchsten Alter uns die Pflicht noch übrig, das Menschliche, das uns nie verläßt, wenigstens in seinen Eigenheiten anzuerkennen und uns durch Reflexion über die Mängel zu beruhigen, deren Zurechnung nicht ganz abzuwenden ist.

Goethe, J. W., Briefe. An Carl Julius Moritz Seebeck, 3. Januar 1832

Alt ist geworden, wer das Leben fühlt.

Ringelnatz, J., Gedichte. Gedichte, Gedichte von Einstmals und Heute, 1934. Aus: Und keins von diesen schönen Mädchen weiß –

Des Menschen Alter, von innen gesehen, ist ewige Jugend.

Hofmannsthal, Buch der Freunde, 1922

Keine Beweise wissen aber die anzuführen, die behaupten, das Alter betätige sich nicht aktiv.

Cicero, Cato der Ältere über das Greisenalter (Cato maior de senectute), 44 v. Chr. Übers. Internet Originaltext: Nihil igitur adferunt, qui in re gerunda versari senectutem negant

Unbesonnenheit ist offenbar ein Zeichen des Jugendalters, Erfahrung eines des Alters.

Cicero, Cato der Ältere über das Greisenalter (Cato maior de senectute), 44 v. Chr. Übers. Internet Originaltext: Temeritas est videlicet florentis aetatis, prudentia senescentis

Warum ist es bei alten Menschen sonderbar, wenn sie manchmal schwach sind, wenn sogar junge Menschen sich dem nicht entziehen können?

Cicero, Cato der Ältere über das Greisenalter (Cato maior de senectute), 44 v. Chr. Übers. Internet Originaltext: Quid mirum igitur in senibus, si infirmi sint aliquando, cum id ne adulescentes quidem effugere possint

Ergrautes Haar macht die Gemüter mild.

Horaz, Gedichte (Carmina). 3, 14, 25. Übers. Internet Originaltext: Lenit albescens animos capillus

Das Alter verbirgt den Lüstling, das Alter offenbart ihn.

Publilius Syrus, Sprüche (Sententiae), um 50 v. Chr. Übers. Internet Originaltext: Aetas cinaedum celat, aetas indicat

Die meisten werden mit den Jahren weitsichtig; mir scheint dies eine, dem Alter erteilte, feine Lehre: Kleinigkeiten in der Nähe allmählich übersehen zu lernen, um den klaren Blick in eine große Ferne zu schärfen.

Waldersee, Späne aus stiller Werkstatt. Aphorismen, 1908

Seltsam ist es, wie der Mensch in der Rückschau des Alters hellsichtig wird.

Steinmüller, Rhapsodien vom wahren Frieden, o.J. (um 1940)

Diejenigen, die Alter als Tugend ansehen, sind alt geworden und machen eine Tugend aus der Notwendigkeit.

Matthewman, Rips and Raps, 1903. Übers. Internet

Alt ist jedermann von dem Tage an, da er sich nicht mehr bemüht, seine Fehler abzulegen.

Baer-Oberdorf, Wetterleuchten. Aphorismen, 1909