Ehe Sprüche – liebe

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Es gibt kein Weib auf Erden, dem es nicht, allerdings unbewußt, ein klein wenig lieb wäre, irgend einen Fehler an dem geliebten Manne zu entdecken, denn jedes Weib will ändern, bessern an dem, was es liebt – oder wenigstens trösten.

Hesekiel, Eine brandenburgische Hofjungfer. Historischer Roman aus Joachim Nestor's Tagen, 3 Bde., 1868

Ehe Sie haben sich nichts zu sagen, Sie sitzen still und stumm Und hören die Stunden schlagen, Die Langeweil' geht um. Die Liebe ist längst gegangen, Und auch das Glück ist hin, Und hin ist das Verlangen Mitsamt dem Jugendsinn. Mißmut sitzt ihm zur Seite, Die Sehnsucht sitzt bei ihr, Und traurig alle beide, Ach, bis zu Thränen schier. Keins bricht das tiefe Schweigen, Kein Laut dringt in den Raum, Nur schwere Seufzer steigen, Verstohlen, hörbar kaum. Und die Gewohnheit leise Schwingt ihren Zauberstab Und zwingt in ihre Kreise Die beiden still hinab.

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Stiller Wunsch vieler Männer: "Wollte meine Frau mich nur, wenigstens zeitweise, als Fremden behandeln!"

Weiß, So seid Ihr! Zweite Folge, 1909

Ich kenne eine Dame, die es ebenso übel aufnimmt, wenn man Nachteiliges von Frauen im allgemeinen, als wenn man Vorteilhaftes von Frauen im besonderen sagt.

Weiß, So seid Ihr! Zweite Folge, 1909

Am Himmelstor Mir träumt', ich komm ans Himmelstor Und finde dich, die Süße! Du saßest bei dem Quell davor Und wuschest dir die Füße. Du wuschest, wuschest ohne Rast Den blendend weißen Schimmer, Begannst mit wunderlicher Hast Dein Werk von neuem immer. Ich frug: – Was badest du dich hier Mit tränennassen Wangen? – Du sprachst: – Weil ich im Staub mit dir, So tief im Staub gegangen.

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Gestorbne Liebe In nackter Wüste ruht ein Löwenpaar, Das gelbe Fell vom gelben Sand abhebend. Im Schlafe dehnen sich die trägen Glieder. Erwachend, leckt bedächtig eins das andre, Und streckt und reckt sich, gähnt, und schläft von neuem. Ein zweiter Leuenherr zeigt sich in Fernen. Er nähert sich, er stockt, als die Genossen Er unbekümmert vor sich liegen sieht. Nun peitscht sein Schweif, nach Katzenart, die Erde, Er reißt den Rachen auf wie eine Torfahrt, Und Donner rollt ihm aus dem heißen Schlunde. Er kauert sich, und knurrt, und äugt hinüber. Schwerfällig wird das Ehepärchen munter, Schwerfällig kommt es endlich auf die Beine. Der zweite Nobel holt zum Sprunge aus, Und springt, und springt dem Weibchen an die Seite. Das Weibchen dann trabt mit dem Seladon Gemütlich einem Felsendache zu. Das Männchen stutzt, will brüllen, schweigt, Und legt sich wieder nieder: Lat ehr lopen.

Liliencron, Nebel und Sonne, 1900

Welch staunenswerte Empfindsamkeit muß man nicht besitzen, um sie bis über seinen Ehemann zu verströmen und einen immer Abwesenden immerwährend zu lieben?

Laclos, Gefährliche Liebschaften (Les Liaisons dangereuses), 1782

Liebe hat ihre eigene Sphäre, ihre eigenen Zwecke, ihre eigenen Pflichten, die von denen der Ehe himmelweit unterschieden sind.

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Ein jeder, dem gut und bieder das Herz ist, Liebt sein Weib und pflegt sie mit Zärtlichkeit.

Homer, Ilias, 2. Hälfte des 8. Jhdts. v. Chr

Ich glaube, dass es kein Bündnis gibt, Bei dem so schnell die Freude endigt, Als wenn man sich ohne Verstand verliebt Oder sich ohne Liebe verständigt.

Roderich, In Gedanken. Vers-Aphorismen, 1907

Findet sich Unkraut im Acker unsres Herzens, so wollen wir gegenseitig bemüht sein, ihn so zu bestellen, daß sein Same nicht aufgehn kann [...] und wenn mich Deine kleinen Disteln auch mitunter in den Finger stechen sollten, kehr Dich daran nicht und verbirg sie mir nicht. Du wirst an meinen großen Dornen auch nicht immer Freude erleben, so große, daß ich sie nicht verstecken kann, und wir müssen gemeinschaftlich daran reißen, wenn auch die Hände bluten.

Bismarck, O., Briefe. An seine spätere Frau Johanna, 23. Februar 1847

Nenne dich nicht einsam Nenne dich nicht einsam! Nein, du bist es nicht, Da uns ja gemeinsam Leid und Lieb verpflicht! Daß in Purpurscheinen Blüh' dein welker Kranz, Leiht mein Herz dir seinen Abendsonnenglanz.

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Gerade dies intime Beisammenleben von Mann und Weib kann Himmel und Hölle sein. Es ist entscheidender, einflußvoller, anfeuernder oder lähmender als irgendeine andere menschliche Beziehung.

Peters, Strahlende Kräfte! Wege zum Glück durch Charakter-, Willens- und Menschenbildung, 1916

Es scheint die Sonne nicht an allen Tagen, Wohl mancher ist in Nebel tief gehüllt; Nicht alle Blüten sieht man Früchte tragen, Viel heiße Wünsche bleiben unerfüllt; Es kann das arme Leben Ein dauernd Glück nicht geben: Doch wo zwei Herzen füreinander schlagen, Da werden leichter sie das Leid der Erde tragen.

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Habe nie ein Geheimnis, selbst aus Liebe, aus Schonung nicht! Das Weib wisse, was in des Mannes Brust vorgeht; der sehe klar durch die Gedanken und Empfindungen der Frau, wie durch seine eigenen.

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Das "Seid fruchtbar und mehret euch" hat mit der Liebe nichts zu tun.

Balzac, Physiologie der Ehe (Physiologie du mariage), 1829

Was für ein unglückseliger Instinkt ist es, der die beiden Geschlechter gegeneinander aufreizt, sobald die Leidenschaft sie nicht mehr verbindet?

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War man zu sanft und stoisch im ehlichen Zank, so braust's nachher auf, und man vergibt schwerer. War man zu wild: so bereuet man und vergibt leichter.

Jean Paul, Bemerkungen über den Menschen, 1803-1817. August 1811

Unsere Gatten wissen keinen unserer Vorzüge zu schätzen, wir müssen uns in diesem Punkt an andere halten.

Wertheimer (Hg.), Weisheiten von Oscar Wilde, übersetzt von Paul Wertheimer, 1921 (EA: 1907)

… ich Glaub wohl dass Ihre Lieb zu mir mit dem Abseyn wächst. denn wo ich weg bin können Sie auch die Idee lieben die Sie von mir haben, wenn ich da bin wird Sie offt gestört, durch meine Thor und Tollheit.

Goethe, J. W., Briefe. An Charlotte von Stein, 6. Dezember 1777. Originaltext

Wie griff die holde Clelia Aus blinder Liebe fehl! O, sie ist ganz Camelia und er ist ganz Kamel!

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