Freundschaft Sprüche – klassisch

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Wenn vierzig Winter deine Stirne drücken Und tiefe Furchen deiner Schönheit ziehn, Sinkt deiner Jugend Kleid, von allen Blicken Bewundert heut, zerfetzt und wertlos hin.

Shakespeare, Sonette (Sonnets), 1609. Aus: Sonett II

Unendlich ist die Welt und dennoch verschwindet ihre Unendlichkeit gegenüber dem Gehalt eines Kleinsten, wie es ein edler Mensch ist, über dessen Gewinn oder Verlust wir alle Sterne vergessen.

Pauly, Aphorismen, 1905

Zu seinem Freunde wird wohl jeder lieber den Redlichen, den Gutmütigen, ja selbst den Gefälligen, Nachgiebigen und leicht Beistimmenden wählen, als den bloß Geistreichen.

Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung, 1819 (mehrfach ergänzt, seit 1844 in zwei Bänden). Zweiter Band. Ergänzungen zum zweiten Buch. Kapitel 19. Vom Primat des Willens im Selbstbewusstsein

Gut immer ist redliche Warnung des Freundes.

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Ein besser Spiegelglas ist aufzufinden nicht, Als eines alten Freundes treuherzig Angesicht.

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Niemals werde der Feind mir verunglimpft, ist er ein guter; niemals werde gelobt, ist ein schlechter, der Freund!

Voß, Epigramme

Erwirb dir das Vertraun von deinem Vaterlande Dann zittre vor der Verläumdung nicht, Wer edel handelt und nach Pflicht, Den rettet wahrer Ruhm aus der vermeinten Schande.

Clodius, Der neuen vermischten Schriften von Christian August Clodius 1. bis 6. Teil, 1780-87. 2. Teil: Scipio, 1780. Originaltext

Wer schweigend seinen Freund beschimpfen läßt, Verwettet hat der Mannheit letzten Rest.

Leixner, Aus der Vogelschau, 1890

Ein edler Mensch zieht edle Menschen an Und weiß sie fest zu halten.

Goethe, Torquato Tasso, 1807. 1. Akt, 1. Szene, Leonore zur Prinzessin

„Gehst du gen Morgen: so werde ich gen Abend ziehen“ — so zu empfinden ist das hohe Merkmal von Humanität im engeren Verkehre: ohne diese Empfindung wird jede Freundschaft, jede Jünger- und Schülerschaft irgendwann einmal zur Heuchelei.

Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches. Ein Buch für freie Geister, 2. erweiterte Auflage 1886 (EA: 1878). Zweiter Band. Erste Abteilung. Vermischte Meinungen und Sprüche

Es war eine erhabene Vorstellungsart des Weisen, wie ihn sich der Stoiker dachte, wenn er ihn sagen ließ: Ich wünsche mir einen Freund, nicht der mir in Armut, Krankheit, in der Gefangenschaft u.s.w. Hilfe leiste, sondern damit ich ihm beistehen und einen Menschen retten könne; und gleichwohl spricht eben derselbe Weise, wenn sein Freund nicht zu retten ist, zu sich selbst: Was geht's mich an?, d. i. er verwarf die Mitleidenschaft.

Kant, Die Metaphysik der Sitten, 1797. Zweiter Teil. Metaphysische Anfangsgründe der Tugendlehre

Wir wissen den getreuen Freund zu ehren. Dem falschen wehren ist der Klugheit Pflicht.

Schiller, Die Jungfrau von Orleans. Eine romantische Tragödie, 1801. 2. Akt, 2. Auftritt, Talbot

Wer einen edlen Freund verstößt, der stößt sein eigenes Leben fort.

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Es kommen mitunter Menschen zu uns, von denen wir nie etwas wussten und auf die wir doch immer gewartet haben.

Kühnel (Hg.), Zitaten-Handbuch. Worte und Weisheit aus vier Jahrtausenden, hg. von Joseph Kühnel, 1937

Doch wenn man die Wahl zwischen alten Freunden und neuen hat, und seien diese auch noch so bezaubernd, so muß man sich auf die Seite der alten stellen.

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Freunde: Sie klopfen an deine Tür oder melden sich vorher an, wenn sie dich besuchen wollen. Griechische Freunde: Sie öffnen deine Tür und rufen: Hier bin ich!

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Freundschaft und Tugend sind ewig verkettet, Heben die Seelen zum Himmel hinan, Unter Entzücken auf Rosen gebettet, Lächelt der Weise der dornigten Bahn. Freundschaft gleicht Felsen, von keinem erschüttert, Ist in dem Dunkel des Grabes ein Licht. Welten versinken, nur Freundschaft erzittert, Selbst vor dem Schleier der Ewigkeit nicht.

Lieder für Freunde der geselligen Freude zunächst für Studierende oder Neues akademisches Liederbuch, 1799

So wohl tut nicht der Sonne Blick im Lenz, Als Freundes Angesicht in solcher Stunde.

Schiller, Wallenstein (Trilogie), entstanden 1796-1799; Erstdruck 1800. Wallensteins Tod, 1799, 3. Akt, 10. Auftritt, Wallenstein

Unter den Gütern, welche die Weisheit sich für dauerndes Lebensglück zu verschaffen versteht, ist der Besitz der Freundschaft bei weitem das größte.

Nestle, Die Nachsokratiker, 2 Bde., 1923. Aus den Hauptlehren [27]

Besser noch der Feind eines guten Menschen, denn der Freund eines schlechten.

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Den beiden Griechen (1772) Zwei Griechen, welche durch das Band Der Sympathie verbrüdert waren, Verließen jung ihr Vaterland Und suchten Glück bei den Barbaren. Das Schicksal trennte sie: Porphyr Kam nach Illyrien, ward Kriegsknecht, Offizier, Spion, Feldmarschall, Großvezier Und kurz, in Zeit von zwanzig Jahren Bestieg er als der Schwiegersohn Des Königs den ererbten Thron. Aret, der nichts von ihm erfahren, Kam als ein armer Philosoph Vom Unglück stets verfolgt, an seines Freundes Hof, Der eben Audienz erteilte. »Was seh' ich, Himmel!« rief Aret Der weinend ihm entgegen eilte, »Porphyr, mein Bruder!« – »Was?« fiel seine Majestät Errötend ihm ins Wort, »hinweg mit diesem Tollen, Der unsern Stand vergißt! Vielleicht hat gar ein Feind Sich hinter ihm verbergen wollen.« »Vergib mir«, sprach Aret. »Ich hätte keinen Freund Auf einem Throne suchen sollen.«

Pfeffel, G. K., Gedichte