Gedanken Sprüche – klassisch

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Früher fand ein Dichter tausend Gedanken, jetzt findet ein Gedanke tausend Dichter.

Fliegende Blätter, humoristische deutsche Wochenschrift, 1845-1944

Die Gedanken sind unsterblich, wenn sie einmal entflogen sind. Der Äther ist ein unendliches Reservoir für unsere Gedanken und wir können diese aus dem herausfischen, wenn wir die richtige geistige Wellenlänge finden. Nichts hindert uns, die Gedanken eines Plato oder der Heiligen zu denken.

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Überall, wo ein großer Geist seinen Gedanken ausspricht, ist Golgatha.

Heine, Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland, 1793. Zweites Buch. In Bezug auf Baruch de Spinoza

Meine besten Gedanken wurden mir von den Archaischen gestohlen.

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Du Denker! Denker! Du mußt nicht zufrieden seyn, Bis der Gedanke steht so vest wie Marmorstein!

Gleim, Die goldnen Sprüche des Pythagoras. Aus dem Griechischen von Gleim, 1786

Die wirklichen Gedanken gehen bei wirklichen Dichtern alle verschleiert einher wie die Ägypterinnen: Nur das tiefe Auge des Gedankens blickt frei über den Schleier hinweg.

Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches. Ein Buch für freie Geister, 2. erweiterte Auflage 1886 (EA: 1878). Zweiter Band. Zweite Abteilung: Der Wanderer und sein Schatten

Ich glaube der schlechteste Gedanke kann so gesagt werden, daß er die Wirkung des besten tut, sollte auch das letzte Mittel dieses sein, ihn einem schlechten Kerl in einem Roman oder Komödie in den Mund zu legen.

Lichtenberg, Sudelbuch D, 1773-1775. [D 275]

Die soziale Ungerechtigkeit sät den ewigen Haß und erntet das allgemeine Leiden.

Zola, Vier Evangelien (Quatre Evangiles), 1901. Travail (Arbeit), 1901

Nirgends wuchert mehr Unkraut als auf dem Grabe eines großen Gedankens.

Sirius, Tausend und Ein Gedanken, 1899

Es ist nichts so klein, dass ein menschlicher Gedanke es nicht weihen; nichts so groß, dass ein solcher es nicht entweihen könnte.

Sirius, Tausend und Ein Gedanken, 1899

Worte werden nicht durch Bücher erschöpft; Gedanken werden nicht durch Worte erschöpft.

Wyss-Vögtlin (Übers.), 700 chinesische Sprichwörter, 1965 (EA: 1942)

Ein großer Gedanke kennt keine Grenzen.

Tolstoi, Tagebücher. 1852

Gebraucht sind die Gedankensachen schon alle, seit die Welt besteht.

Busch, W., Gedichte. Zu guter Letzt, 1904. Aus: Erneuerung

Auf deinem feinesten Pro-patria-Papier Befestige, mein Freund, die gründlichen Gedanken, Um deren Wahrheit, Grund und Engelsschönheit wir Uns leicht nicht mit einander zanken; Die andern schreib auf Löschpapier.

Gleim, Die goldnen Sprüche des Pythagoras. Aus dem Griechischen von Gleim, 1786

Die genialsten Gedanken sind nicht mehr als Veränderungen anderer genialer Gedanken und kleine Beigaben.

Musil, Der Mann ohne Eigenschaften, 3 Bde., 1930-43

Hierarchisch sind wir bis auf den heutigen Tag unterdrückt von denen, welche sich auf Gedanken stützen. Gedanken sind das Heilige.

Stirner, Der Einzige und sein Eigentum, vordatiert auf 1845, aber erschienen bereits im Oktober 1844. 1, 2, 2, § 3

Zum eigenen, in uns aufsteigenden Gedanken verhält der fremde, gelesene, sich wie der Abdruck einer Pflanze der Vorwelt im Stein zur blühenden Pflanze des Frühlings.

Schopenhauer, Parerga und Paralipomena, 2 Bde., zweite vermehrte Auflage 1862 (EA: 1851). Zweiter Band. Kapitel 22. Selbstdenken

Es lebe der große Gedanke, der ewige, unvergeßliche Gedanke. Jeder Mensch, wer er auch sei, muß sich davor beugen, daß der große Gedanke existiert.

Dostojewski, Sinn der Läuterung, zusammengestellt von J. Schirmer, Berlin 1938

Wo nehmen denn die Dichter die Gedanken her? Viel weiß man, wenn man das nur weiß.

Platen, Die verhängnisvolle Gabel. Ein Lustspiel in fünf Akten, 1826. Vierter Akt. Damon

Gedankenspuk Motto: »Könnten wir die Historie loswerden«, Friedrich Nietzsche Vernichtunglodernd, Tödlich leuchtend, Lebenversengend Glüht uns im Innern Flammender Genius. Aber es schützt uns Vor dem Verglimmen Kühlenden Unkrauts dichte Decke, Die unser Herz feucht wuchernd umspinnt: Gewohnheit und gedankenlose Lust am Leben, Und tröstende Lüge, Und süßer Selbstbetrug, Und trauliches Dämmern Von heut auf morgen ... Wir tragen im Innern Leuchtend die Charis, Die strahlende Ahnung der Kunst. Aber die Götter haben sie tückisch Mit dem Hephästos vermählt: Dem schmierigen Handwerk, Der hinkenden Plage, Der humpelnden, keuchenden Unzulänglichkeit. Wir tragen im Innern Den Träumer Hamlet, den Dänenprinzen, Den schaurig klugen, Den Künstler der Lebensverneinung, Der den Schrei der Verzweiflung noch geistreich umrankt mit funkelndem Witz. Aber bei ihm sitzt In unserer Seele enger Zelle Mit blödem Mönchsfleiß, Und emsig das Leben bejahend, Gräber schaufelnd der schmerzenden Wahrheit,[97] Gräber von Büchern, Worten, Staub, Der eignen Beschränktheit in Ehren froh, Ein lallender Kobold: der deutsche Professor ... Wir tragen im Innern den Faust, den Titanen, Und Sganarelle, die Bedientenseele, Den weinenden Werther – und Voltaire, den Zweifler, Und des Propheten gellenden Wehruf Und das Jauchzen schönheittrunkner Griechen: Die Toten dreier Jahrtausende, Ein Bacchanal von Gespenstern. Von andern ersonnen, von andern gezeugt, Fremde Parasiten, Anempfunden, Krank, vergiftet. – Sie wimmern, sie fluchen, sie jauchzen, sie streiten: Was wir reden, ist heisrer Widerhall Ihres gellenden Chors. Sie zanken wie taumelnde Zecher Uns zur Qual! Aber es eint sie die Orgie Uns zur Qual! Sie trinken aus unsrem Schädel Jauchzend den Saft unsres Lebens – Sie ranken sich erstickend, Zischende Schlangen, Um unser Bewußtsein – Sie rütteln am ächzenden Baum unsres Glücks Im Fiebersturm – Sie schlagen mit knochigen Händen An unsrer Seele bebende Saiten – Sie tanzen uns zu Tode! Ihr wirbelnder Reigen wühlt die Welle auf. Die Lebenswelle, die Todeswelle, Bis sie die Dämme brandend zersprenget Und die Gespenster verschlinget Und uns mit ihnen ... Und sich über unsre Qualen breitet Ein schweigender, kühlender Mantel: Nacht ... – – –!

Hofmannsthal, H., Gedichte. Hier: entstanden 1890

Vor der Form war immer der Gedanke.

Marc, Die 100 Aphorismen: Das zweite Gesicht, 1915