Gedanken Sprüche – zeit

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Es liegt im Wesen der Musik, dass die Früchte ihrer großen Kultur-Jahrgänge zeitiger unschmackhaft werden und rascher verderben, als die Früchte der bildenden Kunst oder gar die auf dem Baume der Erkenntnis gewachsenen: Unter allen Erzeugnissen des menschlichen Kunstsinns sind nämlich Gedanken das Dauerhafteste und Haltbarste.

Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches. Ein Buch für freie Geister, 2. erweiterte Auflage 1886 (EA: 1878). Zweiter Band. Erste Abteilung. Vermischte Meinungen und Sprüche

Was du allhie im Geiste bauest oder säest, es sei gleich mit Worten, Werken oder Gedanken, das wird dein ewig Haus sein.

Böhme, Aurora oder Morgenröte im Aufgang, 1612. 18. Kapitel, 44.

Verschiebe nur nicht das Ausspinnen eines Gedankens auf bessere, feinere Stunden! So kommt er dir nicht wieder, wie er im Augenblick des Entstehens da war.

Gutzkow, Vom Baum der Erkenntnis. Denksprüche, 1868

Wie auf dem Felde die Weizenhalmen, So wachsen und wogen im Menschengeist Die Gedanken.

Heine, H., Gedichte. Buch der Lieder. Die Nordsee. Zweiter Zyklus. Aus: Epilog

O, Erbe der Ewigkeit, bewache wohl das Tor der Sünde: den Gedanken!

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Fließend Wasser ist der Gedanke, Aber durch die Kunst gebannt In der Form gediegne Schranke, Wird er blitzender Demant.

Geibel, E., Gedichte. Juniuslieder. Sprüche, 6.

Jeder unserer Gedanken, jedes unserer Worte, jeder unserer Schritte hat einen Einfluß auf unser Schicksal jenseits der Zeit.

Jonas (Hg.), Nordische Diamanten. Denksprüche aus der Schatzkammer der skandinavischen Litteraturen, 1890

Kein Ende Nichts ruhet aus. In tollem Schwanken Wahnsinnig dreht die Welt um mich. Kein Ende haben die Gedanken, Und das, und das ist fürchterlich!

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Nun hat aber der Kopf seine schöpferischen Gedanken niemals länger zur Verfügung, als Lust und Liebe im Herzen dauern.

Balzac, Tante Lisbeth (La Cousine Bette), 1846

So stockte auch da So stockte auch da jenes Blutes Strom, Das einst gewohnt war zu rinnen, So bebten auch die Nerven zur Ruh, Und Nacht ward's alle den Sinnen. Und Herz und Hirn müssen stille sein: Bist Staub und lebloser Ton allein. Ach Ewigkeit-Sehnsucht, du wundersame! Da ist nur Staub, eine Tat und ein Name. Denn jeder gute Gedanke Stirbt nimmermehr so lang, Bis nicht aus seinem Keime Ein beßrer noch entsprang. Licht übers Land Licht übers Land, – Das ist's, was wir wollen.

Jacobsen, J. P., Gedichte. Aus dem Dänischen von Otto Hauser

Einsame Gedanken – Einsame Gedanken, sie tauchen zuweilen – Urplötzlich aus ihren Verstecken und eilen Auf luftigen Flügeln davon; indessen Hast du die flüchtigen wieder vergessen, Und legst wieder täglich im alten Gleise Ein Stück zurück deiner Lebensreise. Und dann urplötzlich nach Jahren – da schwanken Vor dir die einsamen, stummen Gedanken. Du weißt, schon einmal in früheren Tagen Hast du dich mit ihnen herumgeschlagen. Und seltsam beengend wird dir zu Sinnen: Du möchtest von Neuem wieder beginnen, Um auf ganz anderen, fremden Wegen Dein Leben zurück noch einmal zu legen. Es ist dir versagt. Da packt dich ein Bangen. Du weißt mit dir selbst Nichts anzufangen, Und währenddessen fühlst du die Gedanken Sich fester um deine Seele ranken. Und erst nach Tagen, die langsam gehen, Siehst du sie weichen, und spurlos zerwehen …

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Wir haben keine Macht über unseren Gedankenfluß, ebensowenig wie über den Kreislauf unseres Blutes.

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Es führt dich meilenweit ... Es führt dich meilenweit von dannen Und bleibt doch stets an seinem Ort, Es hat nicht Flügel auszuspannen Und trägt dich durch die Lüfte fort. Es ist die allerschnellste Fähre, Die jemals einen Wandrer trug, Und durch das größte aller Meere Trägt es dich mit Gedankenflug, Ihm ist ein Augenblick genug! Dies leichte Schiff, das mit Gedankenschnelle Mich durch die Lüfte ruhig trägt, Sich selbst nicht von dem Ort bewegt, Das Sehrohr ists, das in die Ferne Den Blick beflügelt bis ins Land der Sterne.

Schiller, F., Gedichte. Rätsel aus »Turandot«, 1803

Nirgends wuchert mehr Unkraut als auf dem Grabe eines großen Gedankens.

Sirius, Tausend und Ein Gedanken, 1899

Sonett 44 Wär meines trägen Fleisches Stoff Gedanke, Nie hemmt' ein Abstand feindlich meine Bahn; Dem Raum zum Trotz von jeder fernen Schranke Wollt ich mich dir, wo du auch weiltest, nahn. Mir wär es gleich, hätt' ich zum fernsten Strande Von dir hinweg auch meinen Fuß gelenkt; Denn der Gedanke fliegt durch Meer und Lande So schnell als er, wohin er strebt, sich denkt. Doch daß ich nicht Gedanke, der Gedanke Ist Tod; ich folgte gern dir viele Meilen; Aus Staub und Naß gezeugt, klag ich und kranke Mit Stöhnen, will die Zeit nicht rasch enteilen. Nichts kann so träger Urstoff uns verleihn Als bittre Thränen, Zeichen unsrer Pein.

Shakspere's Sonette, deutsch von Benno Tschischwitz, Barthel, Halle 1870. Originaltext der Übersetzung

Es ist nichts so klein, dass ein menschlicher Gedanke es nicht weihen; nichts so groß, dass ein solcher es nicht entweihen könnte.

Sirius, Tausend und Ein Gedanken, 1899

Erdengedanken leben im menschlichen Herzen, wie unselige Geister. Wenn man alles längst gestorben und begraben glaubt, so erscheinen sie wieder zur nächtlichen Stunde und quälen uns.

Eyth, Bilder ohne Rahmen. Aus den Papieren einer Unbekannten mitgetheilt – nicht von ihr selbst, 8. Auflage 1894 (EA: 1852) (anonym)

Gedanken Ich könnte schwelgen tief in Schweigen, Ich könnte jubeln hoch in Tönen, Könnt' ich, ob laut, ob stumm der Reigen, Mir nur das Denken abgewöhnen! Gedanken martern um das Gestern, Gedanken martern um das Morgen, Und hegen Brut in warmen Nestern Und flattern auf als ew'ge Sorgen.

Claar, Vom Baum der Erkenntnis, 1909

Gestern abend bei Mondschein kam mir ein eiskalter Gedanke. Vielleicht ruft die Natur doch nur eine gewisse Anzahl Bildungen ins Dasein, die zeugende Kraft geht ihr einst aus, dann erfüllen nur noch die abgeschiedenen Schatten das Weltall.

Hebbel, Tagebücher. Nach der historisch-kritischen Ausgabe von R. M. Werner, 4 Bde., 1903-04. 1840

Gebraucht sind die Gedankensachen schon alle, seit die Welt besteht.

Busch, W., Gedichte. Zu guter Letzt, 1904. Aus: Erneuerung

Wo nähme man heute noch einen Gedanken her, der durch Neuheit … bezaubernd wirkte? Sie fliegen alle wie Spreu herum, sind ausgedroschen und haften nirgends.

Kurz, Im Zeichen des Steinbocks. Aphorismen, 1905