Hoffnung Sprüche – zeit

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Zu Gott, den er im Staub verehrte, sprach Einst ein Kalif in seiner letzten Stunde Als einziges Gebet die frommen Worte: "Ich bringe Dir, allein'ger höchster Herrscher, Dir, einzig unbeschränktes Wesen, Alles, Was du entbehrst in Deiner Herrlichkeit Und nur uns Erdenwürmern wolltest gönnen: Schuld, Reue, Elend und Unwissenheit." – Doch hätt' er noch die Hoffnung nennen können.

Voltaire, Gedichte. Gedicht über die Katastrophe von Lissabon (Poème sur le désastre de Lisbonne)

Den Fluß hinab Im Mittagsschein fahr ich im Boot allein den Fluß hinab, der mit mir sinnt und träumt. Kein Laut im Kreis; der Kiel gluckst schläfrig, leis; von Linden ist das Ufer hoch umsäumt. Der Sonne Glut strahlt wider aus der Flut mit Bäumen, deren Kronen abwärts stehn. Im Fluß erhellt sich eine Spiegelwelt, wieviel auch Wellen kommen und vergehn. Metallen blank, stahlblau und zierlich schlank fliegt die Libelle auf der Spiegelung. So leichtbeschwingt, von Sonnengold umringt, flog meine Seele einst, sehnsuchtsvoll, jung. Zu jung vielleicht, getäuscht, enttäuscht so leicht, genoß sie Hoffnung nur, wenn sie genoß; verfolgte wild ihr eignes Spiegelbild in einer Welt, die wie ein Fluß zerfloß.

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Die Hoffnung und die Furcht Es reisten (Wann? Vielleicht zu unsern Zeiten) Die Hoffnung und die Furcht durchs Land. Wie jene leichtlich Freunde fand, So wohnte diese gar bei denen, die sie scheuten. Sogleich verändert sich der Menschen Wahn und Stand. Bald fängt der Mangel an, sich voller Muth zu brüsten, Der Ueberfluß, verzagt zu sein. Warum? Die Hoffnung kehrt beim ärmsten Alchymisten, Die Furcht beim reichsten Wuchrer ein.

Hagedorn, Fabeln und Erzählungen, Erstdruck 1750. Zweites Buch. Originaltext

Ein Uhrmacher: "Wenn man fürchtet – geht der Uhrzeiger rasch; wenn man hofft – geht er langsam."

Weiß, So seid Ihr! Zweite Folge, 1909

Falls die letzte Stunde angebrochen ist während jemand Palmensamen in der Hand hält, die er einpflanzen könnte bevor die Stunde schlägt, soll er sie einpflanzen.

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Schein und Wirklichkeit 1. In Mittagsglut, auf des Gebirges Grat Schlief unter alten Fichten müd ich ein; Ich schlief und träumte bis zum Abendschein Von leerem Hoffen und verlorner Tat. Schlaftrunken und verwirrt erwacht' ich spat; Gerötet war ringsum Gebüsch und Stein, Des Hochgebirges Eishaupt und Gebein, Der Horizont ein sprühend Feuerrad. Und rascher fühlt' ich meine Pulse gehen, Ich hielt die Glut für lichtes Morgenrot, Erharrend nun der Sonne Auferstehen. Doch Berg um Berg versank in Schlaf und Tod. Die Nacht stieg auf mit frostig rauhem Wehen, Und mit dem Mond des Herzens alte Not. 2. So manchmal werd' ich irre an der Stunde, An Tag und Jahr, ach, an der ganzen Zeit; Es gärt und tost, doch mitten auf dem Grunde Ist es so still, so kalt, so zugeschneit; Habt ihr euch auf ein neues Jahr gefreut, Die Zukunft preisend mit beredtem Munde? Es rollt heran und schleudert, o wie weit! Euch rückwärts. – Ihr versinkt im alten Schlunde. Doch kann ich nie die Hoffnung ganz verlieren, Sind auch noch viele Nächte zu durchträumen, Zu schlafen, zu durchwachen, zu durchfrieren! So wahr erzürnte Wasser müssen schäumen, Muss, ob der tiefsten Nacht, Tag triumphieren, Und sieh: Schon bricht es rot aus Wolkensäumen!

Keller, G., Gedichte. Aus der Sammlung: Gedichte, 1846, dort unter dem Titel: Was ist es an der Zeit?