Krieg Sprüche

Sprüche über Krieg

521 Sprüche in dieser Kategorie

Verdammte Jugend Von Hause fort, durch Straßen fort, Euch unbekannt und jedem Ort, Nur wie der Himmel rasch und hoch Durch fremden Lärm und ohne Wort! Wie schön allein, und dies verwühlt Und keiner drin, der mich befühlt. Der voll Verwandtschaft dumm und dicht In meiner Brust verhaßt sich sühlt! Hier ist nicht Heim, hier ist es auf, Nicht Liebe plump, nur Kampf und Kauf! Ah fließt die Straße strotzend aus Zu andern ein in riesigem Lauf. Ah sprüht es schroff pferdlos vorbei Und brodelt schwarz der Menge Brei Und Häuser flattern hingepeitscht Von Licht, Geläut, Gezisch, Geschrei. Die Steine ziehn in falscher Ruh, Gehackt vom Schlag des Heers der Schuh, Den fahlen Köpfen funkeln wund Von schneller Glut die Lampen zu. Hier Antlitze wie Tiere fremd Und Augen wie in Eis geklemmt Und Augen, die nur sich besehn, Hier Antlitze, von nichts gehemmt! Du Gottlose, mein Haupt zerstäub – Entmenschlichte, mein Herz zerstäub – Mich ohne Heimat, ohne Weg Du Straße ja betäub! betäub!

Wolfenstein, A., Gedichte. In: Menschheitsdämmerung. Symphonie jüngster Dichtung. Erstdruck 1919

Patrouille Die Steine feinden Fenster grinst Verrat Äste würgen Berge Sträucher blättern raschlig Gellen Tod.

Stramm, A., Gedichte. Entstanden zwischen November 1914 und April 1915, posthum veröffentlicht in "Tropfblut" 1919

Der Zusammenklang der Trommeln und Pfeifen, Trompeten, Hoboen, Mörser und Kanonen bildete eine Harmonie, wie man sie in der Hölle nicht besser wünschen kann.

Voltaire, Candide oder der Optimismus (Candide ou l'optimisme), dt. auch: 'Candide oder die beste aller Welten' oder 'Kandid oder die beste Welt', 1759 (unter dem Pseudonym Docteur Ralph)

Solange in den Völkern die Sucht nach dem Vorrang ihr Wesen treibt, wird das Gespenst des Krieges immer über Europa lauern.

Bosshart, Bausteine zu Leben und Zeit, posthum hg. von Elsa Bosshart-Forrer, 1929

Ich liebte nicht Ich liebte nicht die Totenkopfhusaren Und nicht die Mörser mit den Mädchennamen Und als am End die großen Tage kamen, Da bin ich unauffällig weggefahren. Gott sei's geklagt und ihnen, meine Damen: Gleich Absalom blieb ich an langen Haaren, Dieweil sie schluchzten über Totenbahren Im Wehbaum hängen aller ihrer Dramen. Sie werden auch in diesen Versen finden Manch Marterspiel und stürzend Abenteuer. Man stirbt nicht nur durch Minen und durch Flinten. Man wird nicht von Granaten nur zerrissen. In meine Nächte drangen Ungeheuer, Die mich die Hölle wohl empfinden ließen.

Ball, H., Gedichte. Entstanden 1915, Erstdruck 1929

Die Ersten Die Ersten sinds, sie sind im besten Zug Vom willenlosen Haufen sich zu lösen. Erkennend eitel Schimmer, seichten Trug Der großen Reden abgenützte Blößen, Klangvolle Phrasen, ein vereinter Schwall Der überflutet Erdehöhen und Täler, Allüberall der gleiche Wiederhall, Der gleiche Köder und der gleiche Wähler. Wohl wächst der Massen Schrei nach Glück und Brot Doch übertönt er nicht die Worte der Vertreter, Es fallen Opfer tiefster Seelennot, Die Masse fällt dein Zeichen der Verräter. So lausch ich freudig, wenn mit wildem Schrei Die Brust erfüllt von froher Zukunft ahnen Sich einer ringt vom Heerdentaumel frei Kraftvoll empor auf selbstgewollten Bahnen.

Ball, H., Gedichte. Erstdruck 1916. Originaltext

Und ihr hattet übersehn, daß, wenn ihr sämtliche Menschen in die Uniform stecktet, sie nun alle unaufhörlich einander salutieren müßten? Und merktet nicht, daß diese Gebärde eines Tags, plötzlich, nur mehr der Griff an die Stirn war, der den Zweifel an dem wechselseitigen Verstand betraf? Und daß das Kopfschütteln zuckender Invalider euch, nur euch galt?

Kraus, Die letzten Tage der Menschheit, 1919. Originaltext

Das Knie Ein Knie geht einsam durch die Welt. Es ist ein Knie, sonst nichts! Es ist kein Baum! Es ist kein Zelt! Es ist ein Knie, sonst nichts. Im Kriege ward einmal ein Mann erschossen um und um. Das Knie allein blieb unverletzt – als wär’s ein Heiligtum. Seitdem geht’s einsam durch die Welt. Es ist ein Knie, sonst nichts. Es ist kein Baum, es ist kein Zelt. Es ist ein Knie sonst nichts.

Morgenstern, C., Gedichte. Galgenlieder, entstanden 1895-1906, erschienen 1981

Der Krieg tötet doch nicht nur Leiber, in vielen dieser Leiber schlägt das Herz der Menschheit, lebt der Genius der Zukunft.

Dohm, Der Mißbrauch des Todes. Senile Impression, 1917. Originaltext

Im Krieg sind die Gesetze der Menschheit aufgehoben, in den Urzustand ist sie zurückversetzt.

Dohm, Der Mißbrauch des Todes. Senile Impression, 1917. Originaltext

Der Krieg ist die verruchteste aller Gotteslästerungen.

Dohm, Der Mißbrauch des Todes. Senile Impression, 1917. Originaltext

Nimmermehr glaube ich an einen Gott der Kanonen und Bajonette! Wo die Erde blutet, weint der Himmel.

Dohm, Der Mißbrauch des Todes. Senile Impression, 1917. Originaltext

Allein, ebenso wenig wie der Ausgang eines Duells zwischen zwei Individuen ein Gottesurteil darstellt, entscheidet bei Völkerduellen Sieg oder Niederlage über Wert oder Unwert, Recht oder Unrecht der Parteien. Mit erzgegossenen Kugeln erschießt sich keine Nation Recht, Freiheit und Fortschritt.

Dohm, Der Mißbrauch des Todes. Senile Impression, 1917. Originaltext

Solange Kriege möglich sind, werden Kriege sein.

Dohm, Der Mißbrauch des Todes. Senile Impression, 1917. Originaltext

Nach der Schlacht In Maiensaaten liegen eng die Leichen, Im grünen Rain, auf Blumen, ihren Betten. Verlorne Waffen, Räder ohne Speichen, Und umgestürzt die eisernen Lafetten. Aus vielen Pfützen dampft des Blutes Rauch, Die schwarz und rot den braunen Feldweg decken. Und weißlich quillt der toten Pferde Bauch, Die ihre Beine in die Frühe strecken. Im kühlen Winde friert noch das Gewimmer Von Sterbenden, da in des Osten Tore Ein blasser Glanz erscheint, ein grüner Schimmer, Das dünne Band der flüchtigen Aurore.

Heym, G., Gedichte. Der ewige Tag, 1911

Eine Weltkatastrophe kann zu manchem dienen. Auch dazu, ein Alibi zu finden vor Gott. Wo warst du, Adam? "Ich war im Weltkrieg."

Haecker, Tag- und Nachtbücher 1939-1945, hg. von Heinrich Wild 1947. 1940

Alles, was die Kulturentwicklung fördert, arbeitet auch gegen den Krieg.

Freud, S., Briefe. An Einstein, September 1932; später veröffentlicht unter dem Titel: Warum Krieg?, 1933

Es ist eigentlich eine Völkerhetze, der Krieg. Man sollte die Sachen ausdrücken, so wie sie sind.

Lichtenberg, Sudelbuch K, 1793-1796. [K 283]

Alles, was das Schwert erwirbt, auch durch das Schwert im Kriege stirbt.

May, Und Friede auf Erden!, 1904. Viertes Kapitel: Wahnsinn

Nicht die Völker wollen den Krieg, sondern die Regierungen!

Chlumberg, Die Führer, 1919. Erster Akt. Bergmann

Ein rasender Protest gegen den kriegerischen Gedanken und das kriegerische System in der ganzen Welt tut not.

Klabund, Bußpredigt, 1917