Krieg Sprüche – nachdenklich

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Krieg läßt sich mit Vernunft und gerechtem Gefühl nicht koordinieren. Er braucht einen gesteigerten Zustand des Gefühls, er braucht Enthusiasmus für die eigene Sache und Hass gegen den Gegner. Nun liegt es in der menschlichen Natur, dass sich starke Gefühle nicht ins Unendliche prolongieren lassen, weder ein einem einzelnen Individuum noch in einem Volke, und das weiß die militärische Organisation. Sie benötigt darum eine künstliche Aufstachelung, ein ständiges "doping" der Erregung. …

Zweig, Die Welt von Gestern. Erinnerungen eines Europäers, entstanden im Exil 1939-41, Stockholm 1942 (posthum)

Kann der Vernünftige nachgeben? … Wir könnten es, wenn die Lage eine symmetrische wäre.

Rathenau, Gesammelte Schriften in fünf Bänden, Band 1, Berlin 1918. England und wir. Eine Philippika

Zweierlei in diesem Kriege hat unsere Enttäuschung rege gemacht: die geringe Sittlichkeit der Staaten nach außen, die sich nach innen als die Wächter der sittlichen Normen gebärden, und die Brutalität im Benehmen der Einzelnen, denen man als Teilnehmer an der höchsten menschlichen Kultur ähnliches nicht zugetraut hat.

Freud, Zeitgemäßes über Krieg und Tod, 1915

Man darf sich natürlich nicht täuschen und glauben, dass Krieg und Niedertracht aufhören können, solang er nicht völlig rein im privaten wie im öffentlichen Leben durchgeführt ist. Die Hunde haben ihre ausgezeichneten Nasen, aber wir Menschen gehen aneinander vorbei und vermögen uns nicht zu erkennen. Wir haben noch eine ganz ungeregelte und wilde Preisbildung für das, was wir wollen, und sind von denen, die uns brauchen, so wenig zu finden wie Bücher ohne Katalog.

Musil, Kleine Prosa, Aphorismen, Autobiographisches, in: Gesammelte Werke in neun Bänden, 7. Band, hg. von Adolf Frisé, Reinbek 1978

Denn daß Krieg sein wird, erscheint denen am wenigsten unfaßbar, welchen die Parole "Jetzt ist Krieg" jede Ehrlosigkeit ermöglicht und gedeckt hat, aber die Mahnung "Jetzt war Krieg!" die wohlverdiente Ruhe der Überlebenden stört.

Kraus, Die letzten Tage der Menschheit, 1919. Originaltext

Solange in den Völkern die Sucht nach dem Vorrang ihr Wesen treibt, wird das Gespenst des Krieges immer über Europa lauern.

Bosshart, Bausteine zu Leben und Zeit, posthum hg. von Elsa Bosshart-Forrer, 1929

Und ihr hattet übersehn, daß, wenn ihr sämtliche Menschen in die Uniform stecktet, sie nun alle unaufhörlich einander salutieren müßten? Und merktet nicht, daß diese Gebärde eines Tags, plötzlich, nur mehr der Griff an die Stirn war, der den Zweifel an dem wechselseitigen Verstand betraf? Und daß das Kopfschütteln zuckender Invalider euch, nur euch galt?

Kraus, Die letzten Tage der Menschheit, 1919. Originaltext

Eine Weltkatastrophe kann zu manchem dienen. Auch dazu, ein Alibi zu finden vor Gott. Wo warst du, Adam? "Ich war im Weltkrieg."

Haecker, Tag- und Nachtbücher 1939-1945, hg. von Heinrich Wild 1947. 1940

Alles, was die Kulturentwicklung fördert, arbeitet auch gegen den Krieg.

Freud, S., Briefe. An Einstein, September 1932; später veröffentlicht unter dem Titel: Warum Krieg?, 1933

Ein rasender Protest gegen den kriegerischen Gedanken und das kriegerische System in der ganzen Welt tut not.

Klabund, Bußpredigt, 1917

Krieg aber erzeugt Krieg.

Plinius der Jüngere, Lobrede auf den Kaiser Traian (Panegyricus). Übers. Internet Originaltext: Armis enim arma irritantur

Schlimm genug, dass heute die Menschen noch Kriege führen müssen. Wenn sie aber anfangen, den Krieg als solchen zu rechtfertigen und in Vertretung der Weltordnung als von höchsten Gesichtspunkten für die Gesundheit der Menschheit notwendig nachzuweisen, dann soll man sie auf den Mund schlagen.

Kayssler, Besinnungen, 1921

Jeder Krieg endigt wo er beginnen sollte.

Oesch (Hg.), Spanische Sprichwörter, ausgewählt und gesammelt von Will A. Oesch, Zürich 1945