Leben Sprüche
Sprüche über das Leben und seine Bedeutung
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Unsäglich Schweres wird von mir verlangt. Aber die Mächte, die mich so verpflichten, sind auch bereit, mich langsam aufzurichten, so oft mein Herz behängt mit den Gewichten der Demut, hoch in ihren Händen hangt.
Sage mir, was ist dein Leben, Lieber! Sag es, Menschenkind! Ist es nicht gleich als ein Wind, Als ein Schiff, der See ergeben? Schießt es nicht so schnell dahin, Als ein Strom von Anbeginn? Ist es nicht als Meereswellen, Die der hart erboste Nord Aufgereizt und jaget fort, Wann er schrecklich pflegt zu bellen, Als ein Nebel, den der Tag Nun nicht mehr vertragen mag? Schmilzt es nicht, als Schnee und Schlossen; Als das Eis, das noch so steif; Schwind't es nicht, als Tau und Reif; Wann die Wind' aus Süden stoßen, Wann die Sonne Kraft erreicht, Nacht und Frost und Kälte weicht? Flieht es nicht, gleich als ein Schatten, Als ein Rauch, der nicht besteht; Als ein Dampf, der bald vergeht; Als die bunt beblümten Matten; Als die Blüten um den Ast, Den der Sturm itzt angefaßt: Als ein Gras, das vor dem Meier Seinen Stengel niederstreckt, Und den Boden überdeckt: Als ein Kräutlein um den Weiher, Welches, wann's am schönsten grünt, Mancher Hand zum Raube dient? Faellt es nicht dahin als Blätter? Fleugt es nicht als Spreu und Staub, Die des kleinsten Windleins Raub Bei des Herbstes schönstem Wetter? Wird es nicht zu lauter Nichts Als ein Strahl des Wetterlichts? Ist wohl etwas jemals kommen In des Menschen Sinn und Witz, Das, gleich als der jaehe Blitz, Seine Flucht so rasch genommen? Doch ist unser Lebensglas Rascher aus, als alles das.
Abend Der Abend wechselt langsam die Gewänder, die ihm ein Rand von alten Bäumen hält; du schaust: und von dir scheiden sich die Länder, ein himmelfahrendes und eins, das fällt. Und lassen dich, zu keinem ganz gehörend, nicht ganz so dunkel wie das Haus, das schweigt, nicht ganz so sicher Ewiges beschwörend wie das, was Stern wird jede Nacht und steigt. Und lassen dir (unsäglich zu entwirrn) dein Leben bang und riesenhaft und reifend, sodaß es, bald begrenzt und bald begreifend, abwechseln Stein in dir wird und Gestirn.
Du mußt das Leben nicht verstehen Du mußt das Leben nicht verstehen, dann wird es werden wie ein Fest. Und laß dir jeden Tag geschehen so wie ein Kind im Weitergehen von jedem Wehen sich viele Blüten schenken läßt. Sie aufzusammeln und zu sparen, das kommt dem Kind nicht in den Sinn. Es löst sie leise aus den Haaren, drin sie so gern gefangen waren, und hält den lieben jungen Jahren nach neuen seine Hände hin.
Wir müssen unser Dasein soweit, als es irgend geht, annehmen; alles, auch das Unerhörte, muß darin möglich sein.
Wie das Gestirn Wie das Gestirn, der Mond, erhaben, voll Anlaß, plötzlich die Höhn übertritt, die entworfene Nacht gelassen vollendend: siehe: so steigt mir rein die Stimme hervor aus Gebirgen des Nichtmehr. Und die Stellen, erstaunt, an denen du da warst und fortkamst, schmerzen klarer dir nach.
Die Liebende Das ist mein Fenster. Eben bin ich so sanft erwacht. Ich dachte, ich würde schweben. Bis wohin reicht mein Leben, und wo beginnt die Nacht? Ich könnte meinen, alles wäre noch Ich ringsum; durchsichtig wie eines Kristalles Tiefe, verdunkelt, stumm. Ich könnte auch noch die Sterne fassen in mir; so groß scheint mir mein Herz; so gerne ließ es ihn wieder los. den ich vielleicht zu lieben, vielleicht zu halten begann. Fremd, wie nie beschrieben sieht mich mein Schicksal an. Was bin ich unter diese Unendlichkeit gelegt, duftend wie eine Wiese, hin und her bewegt, rufend zugleich und bange, daß einer den Ruf vernimmt, und zum Untergange in einem Andern bestimmt.
Zwischen Saat und Sense Das beste Werk auf Erden ist: Korn in die Scholle säen, Und aller Freuden vollste ist: die schweren Schwaden mähen. Rund geht der Wurf des Säemanns und rund des Mähders Eisen, Des ganzen Lebens Auf und Ab liegt mitten diesen Kreisen.