Leben Sprüche – abschied

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Man erkennt das Leben erst, wenn es entflieht, und man begreift es erst, wenn man die Macht darüber verloren hat.

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Wohl fühl ich, wie das Leben rinnt Wohl fühl ich, wie das Leben rinnt Und daß ich endlich scheiden muß, Daß endlich doch das letzte Lied Und endlich kommt der letzte Kuß. Noch hing ich fest an deinem Mund In schmerzlich bangender Begier; Du gibst der Jugend letzten Kuß, Die letzte Rose gibst du mir. Du schenkst aus jenem Zauberkelch Den letzten goldnen Trunk mir ein; Du bist aus jener Märchenwelt Mein allerletzter Abendschein. Am Himmel steht der letzte Stern, O halte nicht dein Herz zurück; Zu deinen Füßen sink ich hin, O fühl's, du bist mein letztes Glück! Laß einmal noch durch meine Brust Des vollsten Lebens Schauer wehn, Eh seufzend in die große Nacht Auch meine Sterne untergehn.

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Manche Menschen haben angstvoll ihren Auftritt vor Augen. Sie denken immerzu an ihre Scene... dabei ist der Abgang viel schwieriger. Hier den richtigen Zeitpunkt nicht zu versäumen, ist wichtig ... viel wichtiger als der Auftritt.

Vogel, Im Zwielicht. Aphorismen, 1946

Erhalten zu bleiben ist kein Zeichen von Wert.

Tucholsky, Werke 1907-1935. Plädoyer gegen die Unsterblichkeit, in: Vossische Zeitung, 17.06.1925 (Peter Panter)

Man lebt nur gut allein.

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Es ist vielleicht das einzige Stück Freiheit, das man sein ganzes Leben ununterbrochen besitzt: Die Freiheit, das Leben wegzuwerfen.

Zweig, Postfräuleingeschichte, bzw. Rausch der Verwandlung (Romanfragment), entstanden in den 1930er Jahren

Und hörst du auch fremde Länder und Kontinente erklingen: du kannst ja gar nicht aus deinem Kreise springen! Von Stund an, wo sie dich pudern, bis zum gemieteten Grab spielt sich alles und alles und alles unter zweihundert Menschen ab.

Tucholsky, Werke 1907-1935. Aus: Deine Welt, in: Die Weltbühne, 17.04.1928, Nr. 16 (Theobald Tiger), wieder in: Das Lächeln der Mona Lisa, 1928

Lebe so, wie du weinst.

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Im Lauf des Lebens Oft muß ich denken: Wie mein Haar ergraut! Sind denn noch immer blühend meine Wangen? Wie wenn ein Wanderer nach rückwärts schaut Und zu sich spricht: Wie bin ich weit gegangen! Dann drängt inbrünstiger noch mein Gefühl Sich zu dem Heute, das noch nicht entschwebte, Und der Vergangenheit enttaucht so kühl, Was ehedem so schmerzlich ich durchlebte. So kommt ein Freund, den du verlorst, vielleicht Von ungefähr dir übern Weg nach Jahren, Und während fragend man die Hand sich reicht, Schweigt man von allem doch, was man erfahren. Die Augen nicken sich wohl grüßend zu, Wie voll Bedauern, aus gesenkten Lidern; Das Herz spricht unvernehmlich: Bist es du? Und fühlt sich fremd und weiß nichts zu erwidern.

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Trübe Ahnung Verlaßner werde ich mit jedem Jahr, und nun verlor ich auch mein bestes Lied. – Ich saß bei einem Kognak an der Bar so düster, daß mich jedes Mädchen mied. Dann ging ich durch die Stadt. Die Nacht war mild. Es war, als ob mein Vater mit mir sprach. Jetzt hock ich trostlos unter deinem Bild und traure dem versäumten Leben nach. Das war ein Fest … ein Kleid im Wind … ein Wink… und immer eine Schwermut, die uns schied, zuletzt nur wieder dies: "Vergiß und trink!" Und nun verlor ich auch mein bestes Lied. War doch mir Liebeslust noch prophezeit, und daß die Schicksalswege sich erneun – zu spät erblühte diese Glücklichkeit und könnte meinen Herbst nicht mehr erfreun. Denn herbstlich geh ich mitten durch den Mai, der als ein Spuk an mir vorüberzieht, als wisse er, daß dies der letzte sei. Verloren ist mein Leben und mein Lied.

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Das Leben ist restlose Vereinigung des Unvereinbaren.

Hofmannsthal, Buch der Freunde, 1922

Und senkt einst die Göttin die Waage, zerreißt sie, was mild sie gewebt, – ich schließe die Augen und sage: Ich habe geliebt und gelebt!

Rilke, Die Gedichte. Nach der von Ernst Zinn besorgten Edition der sämtlichen Werke, Insel Verlag 1957. Aus: Ich lieb ein pulsierendes Leben

Wir tauchten aus dem Strom, der jenseit fließt, und wo wir eines waren willenlos, und wandeln nun für eine kurze Weile in argen Fesseln unter Raum und Stunden, wir gehen Wege, welche weit getrennt sind, und nur mit Blicken, welche trösten sollen, von fern uns findend – eine kurze Weile, bis daß wir wieder zu dem Strome tauchen und wieder eines sind und willenlos.

Mauthner (Hg.), Nachgelassene Schriften von Walter Calé, hg. von Fritz Mauthner, Berlin 1910

Mein Leben liegt im Abendschein Mein Leben liegt im Abendschein, Es sinkt die Sonne tiefer nieder, Und nicht mehr lang, so geh' auch ich Dahin, wo keines kehret wieder. Im Nebel liegt der Kindheit Glück, Der Jungfrau Sehnen ward begraben, Des Weibes heiße Wünsche hab' Zum Teil ich auch dahin getragen. Ein Stern nur, er hält still noch Wacht Mit seinem hellen Zauber-Scheine, Der Stern der Lieb' in seiner Pracht, Ihn hielt ich fest im Herzensschreine. Barmherzigkeit gab ich dazu, Und Nächstenliebe ließ ich walten. So wahrte ich des Herzens Ruh', Und hab' auch frohen Sinn behalten. Und wenn es heißt, jetzt ist es aus, Heut mußt du noch von dannen gehen, So werd' ich sagen: wie du willst, Dein Wille, Herr, er mag geschehen. Nur wahre mir mein Liebstes treu, Ich leg' an deine Brust es nieder; Und wenn dann seine Stunde schlägt, So sehen wir ja doch uns wieder. So senk' dich tiefer Abend nun, Ich hab' mein Teil an Freud und Schmerzen, Ich geh' getrost ans letzte Ziel, Die Liebe wahrend treu im Herzen.

Hyrtl, Gedichte, Wien 1875

Niemand gehört sich selbst.

Seneca, Von der Kürze des Lebens (De Brevitate Vitae), um 49 n. Chr. 2. Kapitel, Übers. Internet Originaltext: Suus nemo est.

Du verfügst über das, was in der Hand des Schicksals liegt, und verlierst, was du in deiner Hand hast.

Seneca, Von der Kürze des Lebens (De Brevitate Vitae), um 49 n. Chr. 9. Kapitel, Übers. Internet Originaltext: Quod in manu fortunae positum est, disponis, quod in tua, dimittis

Die Einsamkeit wird die Abneigung gegen die Menge heilen, die Menge aber den Überdruss an Einsamkeit.

Seneca, Von der Gemütsruhe (De tranquillitate animi), etwa 53-54 n. Chr. 17. Kapitel. Übers. Internet Originaltext: Odium turbae sanabit solitudo, taedium solitudinis turba

Das Leben ist nur ein langes Verlieren all dessen, was man liebt.

Hugo, Der lachende Mann (auch 'Die lachende Maske' und 'Der Mann mit dem Lachen') (L’homme qui rit), 1869. Übers. Internet

Gräber kränzen und den Lebenden die Blumen am Wege weigern: das ist trauriges Tun!

Waldersee, Späne aus stiller Werkstatt. Aphorismen, 1908

Zurückkehren heißt, etwas im Leben den Rücken zugewendet haben.

Ossenbach, Jenseits der Einsamkeit, 1927

Den ersten und den letzten Weg wird man dich tragen; doch alle, die dazwischen lagen, (durch Dürre, Not und Dorn und Stein) die müssen von dir selbst gegangen sein.

Seemann, Funken, 1940